DAZ - Unabhängige Internetzeitung für Politik und Kultur
Mittwoch, 28.07.2021 - Jahrgang 13 - www.daz-augsburg.de

Lesung aus den verbrannten Büchern



Zusammen mit beinahe 50 Persönlichkeiten der Stadtgesellschaft habe ich mich an der Dauerlesung aus der “Bibliothek der verbrannten Bücher” beteiligt, zu der das Jüdische Kulturmuseum und die Universität Augsburg am 77. Jahrestag der Bücherverbrennung durch die Nazis in Deutschland eingeladen hatten. Zwölf Stunden lang haben Vertreter der beiden großen Kirchen und der Israelitischen Kultusgemeinde, Wissenschaftler, Unternehmer, Literaten, Politiker sowie Angehörige verschiedener Kultur- und Menschenrechtsgruppen in der Synagoge aus Büchern gelesen, die der Münchner Kaufmann Georg P. Salzmann in seiner einzigartigen Bibliothek zusammengetragen hat. Ich las mit “Lorelei” und “Nachtgedanken” zwei der bekanntesten Gedichte von Heinrich Heine und trug verschiedene Zitate des großen deutschen Dichters vor.

Im Mai 1933 haben vor allem Angehörige der nationalsozialistischen Deutschen Studentenschaft in vielen Städten Bücher zusammengetragen und öffentlich verbrannt, deren Autoren dem damaligen Terrorsystem nicht passten. Darunter waren Juden, Kommunisten, Demokraten oder Pazifisten – viele von Ihnen Literaten von Weltrang.

Die “Bibliothek der verbrannten Bücher” umfasst über 12.000 Bände von gut 120 Autoren und ist wohl die einzige ihrer Art weltweit. Werke von Heinrich Mann, Stefan Zweig, Lion Feuchtwanger, Erich Kästner, Joseph Roth, Max Brod, Franz Werfel, Hermann Kesten und vielen anderen hat der Sammler und bisherige Eigner dieser Bibliothek, der Gräfelfinger Georg P. Salzmann, in teils äußerst wertvollen Erstausgaben gesammelt. An dieser Bibliothek hatten mehrere renommierte Forschungsstätten großes Interesse. Ich konnte sie mit für die Augsburger Universitätsbibliothek sichern, weil ich den Beitrag in Höhe von 50.000 Euro, den die Stadt für die Anschaffung der Sammlung aufbringen musste, im Haushalt absichern konnte.

Die Lesung war für mich – bitte gestatten Sie mir den Ausdruck – eine Herzenssache. Zum einen, weil die Erinnerung an diese unvorstellbar barbarische Aktion und damit an das tatsächliche Unwesen von Faschismus und Totalitarismus lebendig gehalten werden muss. Zum anderen aber auch, weil ich mehrere Jahre für das Jüdische Kulturmuseum, teils als Direktor, gearbeitet und daher persönliche Bezüge habe.

Augsburg, 19. Mai 2010

Peter Grab, Bürgermeister und Kulturreferent