DAZ - Unabhängige Internetzeitung für Politik und Kultur
Montag, 26.07.2021 - Jahrgang 13 - www.daz-augsburg.de

Industriekultur ist ein wichtiger Faktor für die Stadtentwicklung

Gleich zwei Veranstaltungen haben in den letzten Tagen deutlich gemacht, wie viel das Thema Industriekultur in unserer Stadt bewegen kann. Im Textil- und Industriemuseum (tim), das in wenigen Monaten eröffnet wird, hat der A³-Wirtschaftsdialog die touristischen und wirtschaftlichen Potentiale ausgelotet, die die wunderbare Industrielandschaft des Textilviertels für Augsburg bietet. Und in Pfersee brachte das Theaterstück „web und walk“ auf dem Dierig–Gelände geradezu anrührend zum Ausdruck, wie eng die Stadt mit der Textilindustrie verwoben ist und wie stark sie durch diesen inzwischen fast verschwundenen Industriezweig geprägt wurde.

Die Industriekultur in Augsburg setzt wichtige Impulse. Gebäude und Ensembles, die erhalten und neu genutzt werden, repräsentieren eine wichtige Periode der Augsburger Vergangenheit. Sie erinnern uns an die Zeit, als noch über 30.000 Menschen in der Textilindustrie gearbeitet haben, und erhalten die Geschichte ihrer Familien im Gedächtnis der Stadt. Aus diesen Zeugnissen können wir viel über die „Seele“ unserer Stadt erfahren.

Zum zweiten können leer stehende Fabrikgebäude wichtige Freiräume für die kulturelle Weiterentwicklung bilden. Wenn sich dort Akteure aus der Kulturwirtschaft ansiedeln, kann eine neue Dynamik entstehen. Wir haben kreative Brutstätten im Kulturpark West und im Bahnpark geschaffen, jetzt ist das Textilviertel auf dem besten Weg zu einem kreativen Stadtteil. Auch das Gaswerk birgt noch viel Entwicklungspotential.

Auf dem AKS-Gelände sehen wir, wie reizvoll Stadtentwicklung sein kann, wenn sie geschichtlich bedeutsame Gebäude erhält und historische Strukturen aufgreift. Zur sozialen Geschichte der Augsburger Kammgarnspinnerei gehören auch die türkischen Gastarbeiter. Insofern ist es ein Glücksfall, dass die Türkisch-Islamische Gemeinde ihre Moschee schon vor Jahren in dem historischen Jean-Keller-Bau (ehemaliges Waschhaus) eingerichtet und diesen inzwischen auch erworben hat. Die Grüne Fraktion hat einen Antrag gestellt, dass die Stadt die Gemeinde bei der Sanierung finanziell unterstützt.

Seit zwanzig Jahren haben sich die Grünen in Augsburg mit aller Kraft für die Industriekultur in Augsburg eingesetzt. Jetzt gilt es, das große Potential gemeinsam zu entwickeln und zu gestalten, zusammen mit den Bürgerinnen und Bürgern im Viertel. Augsburg kann dadurch viel gewinnen – nach innen, aber auch nach außen.