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Freitag, 17.05.2024 - Jahrgang 16 - www.daz-augsburg.de

Ida Paulin – Glaskunst made in Augsburg

Eine neue Ausstellung der Kunstsammlungen zeigt im Schaezlerpalais die erste umfassende Werkschau der Augsburger Künstlerin Ida Paulin Glaskunst made in Augsburg

Ida Paulin: Spinnenglas (Detail) – Foto: Kunstsammlungen & Museen Stadt Augsburg

In einer neuen Ausstellung widmen sich die Kunstsammlungen & Museen Augsburg der Glaskünstlerin Ida Paulin (1880-1955). Drei Jahre lang hat Kuratorin Sarah Klein zusammen mit Kurator Dr. Christof Trepesch an der ersten umfassenden Werkschau der in Augsburg geborenen Künstlerin gearbeitet. Aus über 1000 Objekten verschiedenster Privatsammlungen und dem Bestand der Kunstsammlungen wählten sie rund 300 Stücke aus, die von Freitag, 22. September bis Sonntag, 31. März 2024 im Schaezlerpalais zu sehen sind.

Neben Glaskunst, die im Mittelpunkt der Schau steht, werden unter anderem auch Skizzen, Gemälde, Batiken und Stickereien gezeigt. Zur Eröffnung am Donnerstag 21. September, 18 Uhr, sind alle Interessierten herzlich in den Festsaal des Schaezlerpalais eingeladen!

Von Bauhaus hin zu gegenständlichem Konservatismus

Ida Paulin ist vor allem durch ihre farbenfroh dekorierten Gebrauchsgläser bekannt. Sie zählt zu den bedeutenden Vertreterinnen des Kunsthandwerks zu Beginn des frühen 20. Jahrhunderts, die sich um gut gestaltetes Glas bemühten. Stilistisch spannt sie den Bogen vom Jugendstil, über das Art Déco, hin zum Bauhaus und dem Konstruktivismus. Während des Dritten Reiches pflegte sie einen gegenständlichen Konservatismus, der bis in die Nachkriegszeit fortwirkte.

Vielseitige Künstlerin mit Fokus auf Glaskunst

Ida Paulin: Fußschale – Foto: Kunstsammlungen & Museen Stadt Augsburg

Ida Paulin entwarf Postkarten, schuf Batiken und Stickereien, arbeitete in Holzbrenntechnik, malte in Hinterglas, dekorierte und entwarf Gebrauchsgläser, Vasen und Lampen, bemalte aber auch Porzellan und Schmuck. Seit den 1910er und 20er Jahren konzentrierte sie sich vorwiegend auf die Glaskunst. Sie nutzte vorproduzierte Gläser, entwarf aber auch eigene Formen und versah diese mit innovativen Dekoren und Mustern, die sie mit großem Erfolg auf Messen, Ausstellungen und sogar auf Kreuzfahrtschiffen in alle Welt verkaufte.

1915 erste Frau in Augsburger Künstlervereinigung „Die Ecke“

Die heute weitgehend in Vergessenheit geratene Künstlerin studierte zu Beginn des Jahrhunderts Malerei an der Münchner Damenakademie bei Adolf Münzer und Angelo Jank, arbeite aber auch in Dachau, wo sie ihren Mann, den Maler Arn Haag, kennenlernte. Im Jahr 1915 wurde sie als erste Frau in der Künstlervereinigung „Die Ecke“ in Augsburg aufgenommen.

Publikation von Monographie als neuem Standardwerk

Die umfassende Ausstellung im Augsburger Schaezlerpalais gibt erstmals einen Überblick über Leben und Werk der bedeutenden Glaskünstlerin. Im Herbst 2023 erscheint im Rahmen der Ausstellung auch eine Monographie mit verschiedenen Beiträgen von Fachleuten und Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler. Mit einer Auflistung ihrer Ausstellungen sowie einem Markenverzeichnis kann das neue Standardwerk im Regensburger Schnell und Steiner-Verlag auch als Handbuch für jede Sammlerin und jeden Sammler dienen.