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Dienstag, 03.08.2021 - Jahrgang 13 - www.daz-augsburg.de

FCA vs. Leverkusen

Manchmal ist der Ball runder

Von Siegfried Zagler



Am morgigen Freitagabend bestreitet der FC Augsburg sein drittes Bundesligaheimspiel. Es geht gegen den Vizemeister Bayer Leverkusen und die Augsburger dürften dabei – wie gewohnt – keine großen Chancen auf einen Sieg entwickeln, was sich – wie gewohnt – in den Wettbüros niederschlägt. Für 10 Euro Einsatz auf einen FCA-Sieg bekäme man im Schnitt 47 Euro ausbezahlt. Für einen Favoritensieg Bayers bekäme man für 10 Euro 17 Euro zurück. Eigentlich keine schlechte Rendite für eine „sichere Anlage“: In Augsburg soll es Banken geben, die für einen hohen Einsatz auf einen Leverkusen-Sieg Kredite vergeben, was natürlich nicht stimmt, denn die Chancen stehen für die Augsburger nicht so schlecht, wie es die Buchmacher einschätzen. Bayer hat bisher nur zwei Tore erzielt (der FCA drei!) und der FCA spielte unter Flutlicht bisher meist sehr überzeugend. Wenn man will, kann man sich vor der Partie tausend aberwitzige Gründe für eine Sieg-Prognose einfallen lassen. Ob man konkurrenzfähig ist oder nicht, spielt in der Brechtstadt ohnehin keine große Rolle. „Bundesliga“ heißt das Zauberwort und das passende Motto dazu: „Dabei sein ist alles!“ Und die Zeichen für ein erstmalig ausverkauftes Bundesliga-Haus stehen immerhin günstig. Gestern waren nur noch 500 Restkarten aus dem Gästereservoir erhältlich.

Leverkusen gehört zur Elite des deutschen Fußballs

Marcus Sorg, ein bescheidener und erstaunlich kluger Jungspund in der Gilde der Erstligatrainer und immerhin beim FC Freiburg beschäftigt, sagte nach dem Remis zum Bundesligaauftakt in Augsburg, dass man sich hier mehr ausgerechnet habe. Mit welcher Einstellung wohl Rudi Völler und Robin Dutt an den Lech reisen? Bayer Leverkusen sollte auch heuer bei der Vergabe der Meisterschaft mitreden können. Leverkusen gehört inzwischen zur Elite der Bundesliga und spielte in der Saison 2001/02 den besten deutschen Vereinsfußball aller Zeiten. Drei Topklubs der Premier League (Arsenal, Liverpool und Manchester United) wurden damals von Schneider, Bastürk, Berbatow und nicht zuletzt von Michael Ballack schwindlig gespielt. Ballacks Stern ging in dieser Saison auf. Zehn Jahre nach dem Champions-League-Finale darf er zufrieden sein, wenn ihn Dutt in Augsburg ein wenig Spielpraxis sammeln lässt.

Der FCA ist bisher nicht gestürzt

„Wir müssen wieder aufstehen und eine Überraschung landen“, so FCA-Trainer Jos Luhukay im Vorfeld der Partie. Aufstehen? Der FC Augsburg ist bisher nicht gestürzt, sondern hat stets so gespielt wie er es kann. Der FCA hat mit dieser Mannschaft in der Ersten Liga nichts verloren. Das weiß keiner besser als Luhukay, der bereits begonnen hat, die Rolle des Verlierers vor dem Spiel zu pflegen. Nichts anderes bedeutet nämlich die Aussage, man müsse aufstehen, um in einem Heimspiel „eine Überraschung zu landen“. Eine Überraschung „mit mannschaftlicher Geschlossenheit und großer Lauf- und Kampfbereitschaft.“ Jos Luhukay sollte, wenn man sich beim klammen FCA keine konkurrenzfähige Mannschaft leisten kann, zumindest einen „Trainerpressesprecher“ fordern. Also einen Entertainer, der aus der immer gleichen Leier eine Kunstform zu entwickeln versteht.

Im Spiel nach vorne sah der FCA zu Hause nicht schlecht aus

Manchmal aber ist der Ball runder, manchmal schlägt das Herz schneller und manchmal leiden selbst die Giganten daran, dass sie gewöhnliche Menschen sind. Manchmal ist jeder Schuss ein Treffer und Leverkusen ist noch lange nicht stabil genug, um in Augsburg problemlos gewinnen zu können. Selbstverständlich kann eine Zweitligamannschaft an einem guten Tag einen Erstligisten schlagen. Warum sollte das dem FCA am Freitag nicht gegen Leverkusen gelingen? Nichts spricht gegen eine Überraschung! Nando Rafael ist wieder fit und könnte als zweite Spitze Sascha Mölders im Sturm entlasten. Neuzugang Dwada Bah könnte rechts die Außenbahn einnehmen und wie einst Bernd Schneider wirbeln. Daniel Baier könnte aus der Tiefe des Raumes die Fäden ziehen und Jan-Ingwer Callsen-Brackers Sturmläufe nach hinten absichern.

So könnte man den FCA gegen Leverkusen spielen lassen, denn bisher sahen die Augsburger zu Hause sowohl gegen Freiburg als auch gegen Hoffenheim nicht schlecht aus, wenn sie aus einem Rückstand heraus mit Mut nach vorne spielen mussten. Doch vermutlich wird Luhukay – wie gewohnt – gegen den Ball spielen lassen, denn auf diese Weise kann man eine „Überraschung landen“. Und dann? Was müsste dann geschehen? Dann bräuchte man die nächste Überraschung. Anschließend bräuchte man noch eine Überraschung und schließlich noch eine größere Überraschung, und vielleicht dann noch eine kleine hinterher.