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Montag, 20.09.2021 - Jahrgang 13 - www.daz-augsburg.de

Chancen für Augsburgs Kultur durch das Biennale-Konzept?!

Johannes Althammer

Johannes Althammer


Natürlich ist es nicht leicht für einen Kulturreferenten, allen gerecht zu werden. Aber mit welcher Häme Peter Grab von politischen Gegnern und manchem Kulturschaffenden seit Beginn seiner Amtszeit überschüttet wurde, war völlig überzogen, ideologisch gefärbt und ungerecht.

Und nun zeigt sich, dass dieser Vielgescholtene einer der besten Kulturreferenten ist, den Augsburg je hatte. Mit Mut, Geschick, Fleiß und Zähigkeit hat Peter Grab es geschafft, auf allen Feldern seiner Ressorts die großen Themen zu bearbeiten und für Augsburg mehr herauszuholen als vorher jemand zu träumen gewagt hätte.

Die Finanzierung der Staatsbibliothek ist gesichert. Das Festival “City of Peace” war ein großer Erfolg und Augsburg erhielt Zustimmung aus der Welt des Sports und der ganzen Republik. Es ist schon interessant, dass Kultur und Sport so gut zusammengehen können. Die Welt des Augsburger Breitensports nahm diesen kulturellen Vorstoß, wie man an den Stammtischen der Vereinsvorstände hören kann, mit Genugtuung zur Kenntnis.

Nun ist die Interimsspielstätte im Bau und wird das Augsburger Schauspiel neu beleben. Die Einbindung der Migranten in das Kulturleben der Stadt wird immer sichtbarer. Und die Zusammenarbeit mit deren Kulturvereinen ist besser denn je.

Zu guter Letzt hat sein beherztes Auftreten gegenüber der Staatsregierung nun sogar die nicht für möglich gehaltene Sanierung des Theaters Augsburg aus dem Nirwana in greifbare Nähe gerückt.

Der nun durch den Finanzreferenten verordnete Zwang ist kein “Sparzwang”, sondern der Beginn eines strukturellen Umbruchs. Augsburg hat seit Jahrzehnten über seine Verhältnisse von der Hand in den Mund gelebt. In diese Anpassungssituation hinein formuliert Peter Grab ein Konzept, das höhere Qualität bei unveränderter Breite verspricht. Bei Licht besehen erhalten die Biennalen mehr Zuschuss, müssen allerdings die Frequenz reduzieren. Die Gilde der Festivalleiter, die sich mehr Qualität immer zutraut, könnte von höherem Zuschuss und letztlich, durch mit der zeitlichen Entzerrung einhergehenden größeren öffentlichen Aufmerksamkeit, profitieren.

Es ist Peter Grab zuzutrauen, dass er mit Hartnäckigkeit und Flexibilität dieses Konzept gegenüber Kleinkrämern durchsetzen kann. Völlig klar ist jedenfalls, dass er nicht als Gegner der Kulturschaffenden, sondern als deren Lobby in den internen Finanzkonflikten auftritt.

Chapeau Herr Grab! Ich bin herzlich froh, einen solchen Mann als Wahrer unseres Kulturstandorts zu wissen. Weiter so!



Dafür mein Dank

Johannes Althammer

Vorstandsmitglied Pro Augsburg und

Vorsitzender des Altstadtvereins Augsburg