Bayerns Bildungssystem bleibt auf Platz zwei
Bayern erreicht im neuen INSM-Bildungsmonitor erneut Platz zwei hinter Sachsen. Gleichzeitig zeigt der Vergleich, dass sich zentrale Bereiche des deutschen Bildungssystems seit 2013 verschlechtert haben.
Von Bruno Stubenrauch

Bayern kommt im Bildungsmonitor 2026 des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) auf 57,8 von 100 Punkten und damit auf Platz zwei hinter Sachsen mit 62,9 Punkten. Der Vergleich betrachtet 98 Indikatoren in 13 Handlungsfeldern – von der frühkindlichen Bildung über Schule und berufliche Bildung bis zu Hochschule, Forschung und Digitalisierung.
Bayern bleibt in der Spitzengruppe
Bayern erreicht den Spitzenplatz im Handlungsfeld berufliche Bildung. Dazu kommen jeweils drei zweite und drei dritte Plätze in den 13 Handlungsfeldern. Besonders stark ist der Freistaat damit unter anderem bei Schulqualität und Bildungsarmut. Verbesserungsbedarf sieht der Bildungsmonitor weiterhin bei der Förderinfrastruktur.
Der zweite Platz beschreibt allerdings zunächst die Position Bayerns im Vergleich mit den anderen Bundesländern. Der Bildungsmonitor untersucht daneben auch die Entwicklung der einzelnen Bildungsbereiche über einen längeren Zeitraum.
Bundesweit sinken wichtige Werte
Für Deutschland insgesamt fällt diese Entwicklung in mehreren Bereichen negativ aus. Seit 2013 haben sich die Bewertungen bei Schulqualität um 48,5 Punkte, bei Bildungsarmut um 41,8 Punkte und bei Integration und Bildungschancen um 25,1 Punkte verschlechtert. Gleichzeitig gab es unter anderem bei Internationalisierung, Förderinfrastruktur und Betreuungsbedingungen Fortschritte.
Die Autoren führen den Rückgang bei der Schulqualität unter anderem auf gesunkene Kompetenzen in Mathematik, Naturwissenschaften und Lesen sowie auf einen gestiegenen Anteil von Schülerinnen und Schülern zurück, die Mindeststandards oder Abschlüsse verfehlen. Diese Entwicklung betrifft die Bundesländer insgesamt und ist nicht mit dem bayerischen Rang im Bildungsmonitor gleichzusetzen.
Bayerns Schulqualität bleibt stark
Bei der Schulqualität gehört Bayern weiterhin zur Spitzengruppe. Das Handlungsfeld basiert vor allem auf Kompetenzdaten von Schülerinnen und Schülern. Der Bildungsmonitor ordnet Bayern hier auch 2026 weit vorne ein.
Das bedeutet jedoch nicht, dass sich die Leistungen in Bayern in jedem betrachteten Zeitraum verbessert haben. Die dem Bildungsmonitor zugrunde liegenden Kompetenzmessungen zeigen auch für Bayern gegenüber jeweiligen Vorgängererhebungen rückläufige Werte. Der aktuelle Rang und die Entwicklung über die Zeit beschreiben damit zwei unterschiedliche Aspekte.
Integration deutlich schwächer bewertet
Besonders auffällig ist die Entwicklung im Handlungsfeld Integration. Bayern erreicht hier 2026 28,4 Punkte. 2013 waren es 63,2 Punkte – ein Rückgang um 34,8 Punkte.
Der Begriff „Integration“ bezeichnet im Bildungsmonitor dabei nicht einfach den Anteil von Schülerinnen und Schülern mit Migrationshintergrund. In die Bewertung fließen mehrere Indikatoren ein. Dazu gehören unter anderem der Anteil ausländischer Schulabgänger ohne Abschluss, der Anteil ausländischer Jugendlicher mit Hochschulzugangsberechtigung sowie der Zusammenhang zwischen sozialer Herkunft und Mathematikleistungen.
Die 28,4 Punkte sind deshalb nicht als Prozentwert für Bildungsgerechtigkeit zu verstehen. Der Bildungsmonitor fasst unterschiedliche Indikatoren zu einem Wert für das jeweilige Handlungsfeld zusammen.
Bildungserfolg und soziale Herkunft
Damit berührt der Bildungsmonitor eine Frage, die auch in der aktuellen PISA-Auswertung eine zentrale Rolle spielt: den Zusammenhang zwischen sozialer Herkunft und Bildungserfolg.
PISA untersucht die Kompetenzen von 15-Jährigen in verschiedenen Bereichen. Der Bildungsmonitor verfolgt einen wesentlich breiteren Ansatz und vergleicht die Bildungssysteme der Bundesländer anhand zahlreicher Indikatoren. Gemeinsam ist beiden Untersuchungen unter anderem der Blick darauf, wie eng Bildungserfolg und sozioökonomische Voraussetzungen miteinander verbunden sind. Der Bildungsmonitor stellt für Deutschland insgesamt einen starken Zusammenhang zwischen sozialer Herkunft und Bildungserfolg fest.
Platz zwei ist nur ein Teil des Bildes
Für Bayern ergibt sich damit ein differenziertes Bild. Der Freistaat liegt im Gesamtvergleich mit 57,8 von 100 Punkten auf Platz zwei und erreicht in mehreren Handlungsfeldern Spitzenplätze. Gleichzeitig zeigt die Entwicklung einzelner Bereiche, dass eine gute Gesamtplatzierung nicht bedeutet, dass sich alle Bildungsindikatoren gegenüber 2013 verbessert haben.
Besonders deutlich wird das beim Handlungsfeld Integration: 28,4 Punkte im Jahr 2026 stehen dort 63,2 Punkten aus dem Jahr 2013 gegenüber. Der Bildungsmonitor liefert damit neben der aktuellen Platzierung auch Daten über die Entwicklung des Bildungssystems über die vergangenen Jahre.