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Sonntag, 05.12.2021 - Jahrgang 13 - www.daz-augsburg.de

Augsburger Historiker prüfen Bully-Filmkulissen

Wie authentisch sind die Kulissen zu Bully Herbigs neuem Film „Wickie und die starken Männer“, der am 9. September in die Kinos kommen wird? Zur Klärung dieser Frage des Teams von „Focus TV“ traten Mediävisten der Universität Augsburg unter Leitung des Wikinger-Experten Dr. Martin Kaufhold an.

Prof. Dr. Martin Kaufhold

Prof. Dr. Martin Kaufhold


Mit einem Augenzwinkern erklärte Dr. Kaufhold gegenüber der DAZ, dass die Wikinger wahrscheinlich nur deswegen nicht aus Bayern stammten, weil dieses nicht am Meer liegt. Das Engagement des Augsburger Mittelalterlehrstuhls für „Focus TV“ sei nicht ganz ernst zu nehmen. Man habe sich aber gerne daran beteiligt, die vom Drehort am Walchensee in die Bavaria Filmstudios in München verbrachten Filmkulissen für „Wickie und die starken Männer“ – ein Schiff und vier Häuser – auf ihre „Wikinger-Echtheit“ zu überprüfen. „Da wir an der Universität Augsburg die Entwicklungen in der Region, die die Geschichte mit der Gegenwart verbinden, mit wissenschaftlichem Interesse begleiten, haben wir uns – gemeinsam mit anderen einschlägigen Instituten wie etwa dem Wikinger-Museum Haithabu – einer entsprechenden Anfrage von „Focus TV“ nicht verschlossen und das historische ’setting‘ aus kritischer Perspektive geprüft,“ so Kaufhold, der ein gefragter Wikinger-Experte unter den deutschen Mittelalterhistorikern ist und sich im vergangenen Jahr anlässlich einer Vorlesung der „Kinderuniversität Augsburg“ zur Frage „Wo kommen eigentlich die Wikinger her?“ geäußert hat.

Zu sehen sein werden die Ergebnisse am 4. September als Beitrag im Rahmen des Magazins „Focus TV“ zwischen 22.50 und 23.50 Uhr auf ProSieben. Dr. Kaufhold betonte, dass es sich bei dem Engagement um eine nachträgliche Überprüfung handelte, nicht um eine beratende Unterstützung bei Entwicklung und Aufbau der Kulissen. Vorab verriet er schon mal, dass man die Kulissen durchaus als für „vertretbar“ bewerten könne. Da die Wikinger keine Fußspuren hinterlassen hätten und man nur über die Archäologen von ihnen erfahren könne, seien einige Details, die evtl. zweifelhaft sein könnten, auch nicht eindeutig zu widerlegen.

Das Manko, dass Bayern nicht am Meer liegt und die Wikinger deshalb auch nicht aus Bayern kommen, wird bayerischerseits schon seit langem durch verstärktes künstlerisches und wissenschaftliches Engagement in Sachen Wikinger zu kompensieren gesucht. Der neue Herbig-Film, der zum großen Teil in Bayern gedreht wurde, trägt einen unterhaltsamen Anteil dazu bei.