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Samstag, 24.07.2021 - Jahrgang 13 - www.daz-augsburg.de

Augsburg für alle Augsburger!

Könnten die Finanzreferenten allein über Stadtentwicklung entscheiden, dann ginge es den Armen noch schlechter und den Wohlhabenden noch besser als ohnehin.

Das macht Augsburgs Kämmerer Hermann Weber von der Christlich Sozialen Mitte in einem Interview deutlich. Er klagt über die notorische Finanzschwäche Augsburgs:

“Wir haben uns in Augsburg viele Jahre um Ausweisung von Bauflächen für Sozialwohnungen bemüht und haben dabei die Ausweisung von Einfamilienhausflächen vernachlässigt. Deswegen sind wohlhabende Einkommensteuerzahler ins Umland abgewandert.” (AZ 3.7.12)

  • Die Logik ist fatal: Sind die Menschen erst einmal nach Kosten und Nutzen für den kommunalen Haushalt sortiert, dann stellen die Armen einen Kostenfaktor dar, den man möglichst minimieren will. Für die Wohlhabenden dagegen muss die Stadt möglichst attraktiv werden, weil ihr Einkommen auch das der Stadt steigert. Ein christliches Prinzip: “Wer hat, dem wird gegeben, wer aber nicht hat, dem wird auch noch das Wenige genommen.”
  • Zu viele Sozialwohnungen? – Das kann doch auch nicht stimmen. Die städtische Wohnbaugesellschaft liegt zwar mit ihren Mietpreisen deutlich unter denen im freien Wohnungsmarkt. Aber es kommt nur jeder fünfte Wohnungssuchende zum Zug. Die soziale Situation vieler Augsburger ist düster: Jeder fünfte Augsburger gilt als armutsgefährdet, fast elf Prozent sind überschuldet und in einem Problemviertel wie Oberhausen sind es 22 Prozent! Und da soll es zu viele Sozialwohnungen geben?
  • Mehr Einfamilienhäuser, damit die Wohlhabenden vom Speckgürtel der umliegenden Gemeinden wieder in die City ziehen? Der Trend zur Stadtwohnung hält zwar an, aber idyllische Einfamilienhäuschen mit Garten im Herzen der City würden extrem teuer und passen auch nicht zum urbanen Wohnen. Die Zukunft der Großstadt kann nicht im Einfamilienhaus liegen, sondern nur im Geschoßwohnungsbau.

Eine Stadt hauptsächlich für die Wohlhabenden ist kein erstrebenswertes Ziel. Wir was wir Linke wollen, ist eine Stadt für alle – Augsburg für alle Augsburger.

 

Wolfgang Walter, DIE LINKE. Kreisverband Augsburg