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Montag, 20.09.2021 - Jahrgang 13 - www.daz-augsburg.de

Anmerkungen zum AEV

Die Hauptsaison mit Corona-Auflagen ist nach 38 Runden vorbei, die Play-offs der Penny-DEL beginnen am kommenden Dienstag. Und wie so oft sind die Augsburger Panther nicht dabei.

Von Siegfried Zagler

Möglicherweise wäre die Saison mit Roy für den AEV erfolgreicher verlaufen © S. Kerpf

Von den letzten drei Partien dieser Saison verlor der AEV zwei gegen Düsseldorf und gewann die Schlusspartie gegen den Nordtabellenführer Berlin nach Penaltyschießen. Nach dem Zusammenfügen der Süd- und Nordtabelle lässt sich erkennen, dass die Augsburger die drittschlechteste Mannschaft stellten: Platz 12. Nur Krefeld und Nürnberg waren schlechter. Der AEV, das vergisst man in Augsburg gerne, war in der DEL selten erfolgreich. Lässt man die letzten 20 Jahre Revue passieren, dann bilden nur drei Saisons die Ausnahmen. Meistens wurden die Play-offs nicht erreicht oder man scheiterte bei den Pre-Play-offs.

Die sportlich herausragenden Saisonverläufe des ältesten Eislaufvereins Deutschlands lassen sich an drei Fingern abzählen: Zuerst die Saison 09/10 als die Panther nach wechselhaften Leistungen die Hauptsaison mit dem 8. Platz abschlossen und dann in einem Play-off-Rausch Mannheim, Berlin, Wolfsburg ausschalteten, um schließlich im Finale gegen Hannover zu verlieren. Immerhin: Deutscher Vizemeister. Der größte Erfolg in einer langen Historie, die von Pleiten, Abstiegen, Aufstiegen und zahlreichen Eskapaden gezeichnet war.

Danach folgten sechs magere Jahre, die 2016/17 mit dem 6. Platz und einer großartigen Viertelfinalserie gegen Nürnberg endete, die der AEV 3:4 verlor. Im darauf folgenden Jahr verpasste der AEV erneut die Play-offs. Das zweite Mal unter Coach Mike Stewart. Und schließlich folgte mit 2018/19 das sportlich stärkste Jahr aller Zeiten: Die Augsburger belegten am Ende der Hauptsaison Platz 3 (!), zwangen im Viertelfinale über die volle Distanz bärenstarke Düsseldorfer in die Knie, um in großartigen Halbfinals gegen RB München mit 3:4 auszuscheiden.

In der nächsten Saison begann der spektakuläre Parforceritt durch die Championsleague, der Eishockey-Augsburg elektrisierte. Der AEV spielte unter Tray Tuomie in der DEL schwach und in der Championsleague stark. (Mike Stewart wurde für viel Geld nach Köln gelotst, hatte dort den Niedergang der Haie zu verantworten und versank nach seinem Rauswurf in der Versenkung.)

Als die Hauptsaison 2019/20 wegen Corona abgebrochen wurde, belegte der AEV den 10. Platz, Play-offs wurden nicht gespielt. In der just beendeten Hauptsaison zeigten die Panther zwei Gesichter: Hui und Pfui. Letzteres war öfters der Fall. Nun steht Panther-Coach Tuomie zurecht in der Kritik, denn in der Tat wirkt er an der Bande eher ratlos als nachdenklich. Das Gleiche gilt für die Pressekonferenzen, die Tuomie eher einsilbig als pointiert gestaltet. Zuletzt kritisierte er die Mentalität “einiger Spieler”, die im Kopf müde seien. Doch pardon: Ist dafür nicht der Trainer zuständig?

Tray Tuomie muss möglicherweise damit rechnen, dass er bald auf Jobsuche gehen muss, auch wenn der finanzielle Handlungsspielraum der Panther-GmbH wegen der Coronakrise keine großen Sprünge zulässt. Und schließlich hätten die Augsburger mit Goalie Olivier Roy, der sich in dieser Saison früh mit einer schweren Verletzung verabschieden musste, wohl wesentlich mehr erreicht. Für Tuomie könnte ebenfalls sprechen, dass der Panther-Kader deutlich schwächer besetzt ist als 2018/19, sodass zum Beispiel der mögliche 4. Platz nicht viel mehr gebracht hätte als zwei Chancenlos-Spiele gegen Mannheim.

Panther-Hauptgesellschafter Lothar Sigl steht in jedem Fall seit heute, Montag, 19. April 2021 vor einer Herkulesaufgabe, falls er in der kommenden Saison eine konkurrenzfähige Mannschaft ins Rennen schicken will.

Panther-Platzierungen der vergangenen zwei Jahrzehnte:

Quelle: Wikipedia