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Donnerstag, 16.09.2021 - Jahrgang 13 - www.daz-augsburg.de

Verschleppt, verschickt, verkauft

Theater gegen Zwangsprostitution auf dem Rathausplatz

Mit einer Theaterkampage klärt derzeit die Organisation „Terres des Femmes“ in zwölf deutschen Städten über Menschenhandel und Zwangsprostitution auf – am Sonntag, 28.10.2012 von 15.00 bis 17.00 Uhr auch auf dem Augsburger Rathausplatz.



Circa 10.000 bis 30.000 Mädchen und Frauen werden „Terres des Femmes“ zufolge jährlich zur sexuellen Ausbeutung nach Deutschland verschleppt. Am Sonntag macht der Theaterbus der Frauenrechts­orga­nisation vor dem Augsburger Rathaus­platz Halt und informiert mit kurzen Theater­stücken über die Praktiken von skrupel­losen Menschen­händlern und über das Leid der Frauen. Gleichzeitig wird auch um Unter­stützung mit Unter­schriften geworben.

Die bundesweite Straßentheateraktion begann vor wenigen Tagen in Berlin anlässlich des 6. Europäischen „Tages gegen Menschenhandel“. Ziel der Kampagne ist ein sicheres Bleiberecht für verschleppte Frauen. „Bei Frauenhandel handelt es um eine der schlimmsten Menschenrechtsverletzungen. Die Betroffenen werden systematisch gedemütigt, vergewaltigt und erleiden massive Gewalt. Nur jedes 100. Opfer wird aus den Zwängen des Menschenhandels befreit. Diese Frauen müssen unterstützt werden – ein sicheres Bleiberecht ist dafür die Grundvoraussetzung!”, so Christa Stolle, Bundesgeschäftsführerin der Frauenrechtsorganisation.

Aktuell kommt die Bundesregierung in den Augen von „Terres des Femmes“ ihren menschenrechtlichen Pflichten nicht nach. Opfer von Zwangsprostitution aus Nicht-EU-Staaten werden rechtlich als illegal eingereiste AusländerInnen behandelt. Nur wenn sie bereit sind, vor Gericht gegen die TäterInnen auszusagen, können sie unter Umständen bis Ende des Strafverfahrens in Deutschland bleiben. Anschließend würden die Frauen in ihr Herkunftsland abgeschoben und stünden vor dem Nichts. „Opfern von Zwangsprostitution muss aus humanitären Gründen ein unbefristeter Aufenthaltstitel in Deutschland erteilt und damit ihr Martyrium beendet werden. Deutschland will vor allem die Täter verurteilen und benötigt dafür die Aussage der Betroffenen vor Gericht. Geboten wird den Frauen, die sich dadurch in Lebensgefahr begeben, nur eine vage Chance, während des Prozesses in Deutschland zu bleiben. Diese katastrophale Situation für Frauen aus Nicht-EU-Ländern ist eines Rechtsstaates, der den Menschenrechten verpflichtet ist, unwürdig und gehört schnellst möglich geändert!” fordert Christa Stolle.

Weitere Informationen zur Kampagne:

» www.frauenrechte.de/frauenhandel