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Dienstag, 10.01.2023 - Jahrgang 15 - www.daz-augsburg.de

Ukraine: Gedenkfeier in Augsburg anlässlich des Holodomors

Am gestrigen Samstag gedachten ukrainische Gemeinden, Vertreter lokaler Organisationen und Politiker am Elias-Holl-Platz der Opfer des Holodomors.

Von Anastasia Lupak

Foto: privat

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts überlebten die Ukrainer drei Holodomors von 1921-1923, 1932-1933 und 1946-1947. Die Hungersnot in der Zeit von April 1932 bis November 1933 wird als die tragischste bezeichnet. Historiker beziffern die Zahl der Ukrainischen Opfer zwischen 7 und 10,5 Millionen. Die Kundgebung begann mit einer Schweigeminute, auch wegen eines tragischen Vorfalls in der Nähe wenige Stunden zuvor.

Vertreter politischer Parteien und Bewegungen unterstützten die ukrainische Community: Matthias Fink von der CSU, Alexander Meyer von der FDP und Christian Müller von Pulse of Europe.

„Das ungestrafte Böse kehrt mit neuen Kräften zurück“, „Der Sieg der Ukraine ist alternativlos“, „der Preis unserer gemeinsamen Freiheit ist hoch“ – das waren die Hauptthesen, die bei der Veranstaltung laut wurden. Auch Vertreter zweier ukrainischer Vereinen sprachen: Andriy Rymlyanskyi vom „Ukrainischen Verein Augsburg e.V.“ und vom „Deutsch-Ukrainischer Dialog e.V.“ – Tatyana Hoggan-Kloubert, die die Erinnerungen ihrer Familie an diese Ereignisse teilte. Ein Mädchen aus der Ukraine, Milana, dessen Eltern derzeit an vorderster Front stehen, las ein Gebetsgedicht auf Ukrainisch und Deutsch vor. Die Kundgebungsteilnehmer hielten zum Gedenken Kerzen in den Händen. 

Wie konnten Hungerkatastrophen in der Ukraine geschehen?

Die von Stalin angeführten Behörden der UdSSR führten künstlich eine Hungersnot ein, um die damalige ukrainische nationale Befreiungsbewegung zu unterdrücken. Die Bauern wurden gezwungen, eine übermäßige Menge Getreide abzugeben. Alles Vieh, Essen und Eigentum wurde von denen genommen, die diese „Norm“ nicht erfüllen konnten, und diejenigen, die versuchten, Widerstand zu leisten oder in die Stadt einzudringen, wurden erschossen. Der russische Staat erkennt diese Hungersnot nicht an und führen die großen Ernteausfälle dieses Jahres an.

Bundestag entscheidet über Anerkennung 

Dmytro Kuleba – Außenminister der Ukraine appellierte an den Deutschen Bundestag, dieses Verbrechen des Sowjetregimes als Völkermord anzuerkennen: „Ich erwarte, dass wir noch in diesem Herbst eine faire und historische Entscheidung des Deutschen Bundestages sehen werden. Ein solcher Schritt würde das Andenken an die Opfer ehren, aber auch internationales Recht und Gerechtigkeit wiederherstellen. Auch die Politik, „Russland nicht zu provozieren“, gehört glücklicherweise der Vergangenheit an. Deshalb ist jetzt der richtige Zeitpunkt für diesen Schritt“, sagte der Minister.

Deutschland hat den Holodomor in der Ukraine lange nicht als Völkermord anerkannt, nächste Woche will der Bundestag über die Anerkennung dieses russischen Verbrechens entscheiden.