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Mittwoch, 05.08.2020 - Jahrgang 12 - www.daz-augsburg.de

Tunnel am Kö: Augsburger Architekten üben harsche Kritik

Der Bürgerentscheid am 21. November ruft jetzt die Berufsgruppe, “die sich für den Lebensraum Stadt verantwortlich fühlt”, auf den Plan: Zahlreiche Augsburger Architekten haben sich zu einer Initiative formiert und greifen in die Tunneldiskussion am Kö ein.

NEIN zum Tunnel: Die Architekten Dietmar Egger (links) und Eberhard Wunderle (Mitte) im Interview vor der Stele mit Architektenportraits am Kö

Pressekonferenz am gestrigen Freitag: Architekt Dietmar Egger beginnt mit einem Rückblick auf die Entwicklung am Kö von 2006 bis heute. “Wer ist eigentlich für die Schönheit der Stadt zuständig?”, zitiert er Professor Karl Ganser und verweist auf die zu hohe Wertigkeit, die das Thema Verkehr in der städtebaulichen Diskussion bekommen hat. Egger blickt auf den Enthusiasmus in der Bürgerschaft zurück, der bei der Präsentation des Ideenwettbewerbs in der Toskanischen Säulenhalle im Frühjahr 2009 noch geherrscht habe. “Wir haben es nicht geschafft, diese Aufbruchstimmung zu konservieren”, bedauert er. Zu sicher sei man gewesen, dass es zur Umsetzung komme, zu intransparent sei das Verfahren geworden. Über das Tunnelbegehren als Konsequenz brauche man sich deshalb nicht zu wundern.

“Manipulation durch Weglassen von Informationen”

An diesem Begehren, das einen Autotunnel unter dem Kö fordert, lässt Egger allerdings kein gutes Haar und kommt damit zum Hauptthema der Pressekonferenz. Scharf kritisiert er die Infografik des Bürgerbegehrens, mit der die Unterschriften eingeworben wurden: “Man kann auch durch Weglassen von Informationen manipulieren”. Die Architekteninitiative geht sogar so weit, von der “Tunnellüge” zu sprechen. Was natürlich “eines Beweises bedarf”, so Egger, und tritt diesen zusammen mit Architekt Eberhard Wunderle, dem Preisträger des Innenstadt-Ideenwettbewerbs, an.

Wunderle präsentiert einen zwei Meter langen Plan, der den aktuellen Planungsstand am Kö mit dem gegenüber heute vergrößerten und nach Südosten versetzten neuen Umsteigedreieck wiedergibt. Sein Zeichenwerkzeug habe sich gesträubt, so Wunderle, als er den Tunnel mit realistischen Maßen in diesen Plan eingearbeitet hat.

Kein Platz für die südliche Tunnelrampe

Wie diese realistischen Maße wären, erklärt Dietmar Egger unter Verweis auf die “Richtlinien für die Ausstattung und den Betrieb von Straßentunneln”. Ein vorschriftsmäßiger einspuriger Tunnel hätte eine lichte Höhe von 4,50 Meter und müsste einschließlich Standstreifen und Notgehwegen rund neun Meter breit sein. Die Rampen wären ebenso breit und 125 bis 140 Meter lang. “85 Meter, wie in der am 21. Oktober veröffentlichten AZ-Infografik dargestellt, können nicht annähernd eingehalten werden”, so Egger.

Die Rampe aus dem Tunnelplan von 2006 hätte im B-Plan 500 nicht Platz (zum Anzeigen der Animation anklicken)

Die Rampe aus dem Tunnelplan von 2006 hätte im B-Plan 500 nicht Platz (Grafik: DAZ - Zum Anzeigen der Animation anklicken)


Die Fläche zwischen Stadtzeitung und den neuen Bahnsteigen wäre aber nicht nur zu kurz, sondern vor allem zu schmal, um die südliche Abfahrtsrampe aufzunehmen. Die Rampe müsste folglich – und ganz anders als in der Infografik des Begehrens dargestellt – über einhundert Meter weiter südlich angeordnet werden, wo sie wiederum die Zufahrt zur Hallstraße verbaut (siehe unten verlinktes pdf). Auch dort würde es unzulässig eng zugehen: Zeichnet man in die amtliche Stadtkarte die neun Meter breite Rampe neben den bestehenden Gleiskörper in der Konrad-Adenauer-Allee ein, verbleiben für eine PKW-Zufahrt in die Hallstraße und Katharinengasse, einen Radweg und einen Gehweg zusammen gerade einmal fünf Meter bis zu den Häuserfassaden, viel zu wenig.

“Den Tunnel kann man gar nicht bauen”

Wunderle ist deshalb überzeugt, dass man den Tunnel “gar nicht bauen kann”, jedenfalls nicht in Kombination mit dem neuen Umsteigedreieck des Bebauungsplans 500. Dies seien “harte Fakten”, so Dietmar Egger: “Wir sind Fachleute und Ingenieure und wir werden den Leuten sagen, wo sie schlichtweg angelogen werden”.

Die Architekteninitiative will bis zum Bürgerentscheid regelmäßig am Kö präsent sein und die Öffentlichkeit mit einem Flugblatt informieren. Auch eine Internetpräsenz ist seit gestern geschaltet. Am heutigen Samstag, 23. Oktober ist die erste Aktion geplant: Mit einer “Abwehrkette gegen den Tunnel” wird um 11 Uhr am Königsplatz die tatsächliche Länge der Tunnelrampen entlang der Konrad-Adenauer-Allee, des Königsplatzes und der Fuggerstraße für alle sichtbar gemacht.

» Lüge und Wahrheit: 4 Behauptungen und ihre Widerlegung (pdf 567 kB)

» www.neinzumtunnel.de – Die Architekteninitiative im Internet