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Donnerstag, 29.02.2024 - Jahrgang 16 - www.daz-augsburg.de

Triggerwarnung: Künstlerische Konferenz zu Krieg, Trauma und KI mit Boris Eldagsen & Tanvir Taolad

Im Rahmen des Kunst-Projekts „Triggerwarnung“, einer künstlerischen Konferenz zu Krieg, Trauma und KI, zeigt Boris Eldagsen seine Arbeit „TRAUMA PORN” in der Neuen Galerie im Höhmannhaus, die er als „experimentelle Installation“ bezeichnet.

Fotograf Boris Eldagsen mit seinem bei den Sony World Photography Awards preisgekrönten Bild, welches er teilweise mittels künstlicher Intelligenz (KI) kreierte. © Alex Schwander / Boris Eldagsen

Das Projekt setzt sich mit den psychologischen Langzeitfolgen des Krieges auseinander. Fotografien aus Nazi-Deutschland und dem Zweiten Weltkrieg dienen ihm dabei als Ausgangsmaterial für KI-generierte und -bearbeitete Bildwelten. Die künstlerische Konferenz ergänzt die Installation durch Vortrag, Künstlergespräch und Diskussionen. Boris Eldagsen selbst ist anwesend.

Flashbacks des Vaters als künstlerischer Ausgangspunkt

Ausgangspunkt der vor drei Jahren begonnenen Arbeit waren die traumatischen Flashbacks von Eldagsens Vater, der mit 16 Jahren an die Front ging. Boris Eldagsen: „Ein totalitäres Regime braucht Menschen, die keine Skrupel haben, sich die Hände schmutzig zu machen – und solche, die es ideologisch oder durch ihre Passivität unterstützen. Die vorliegende Arbeit konzentriert sich auf Letztere. Es ist der Versuch, sich in den Geist eines Durchschnittsmenschen hineinzuversetzen, der in den Abgrund gesogen wird und nicht mehr herauskommt.“

Zusammenarbeit mit Tanvir Taolad

Um seine Voreingenommenheit auszugleichen und die zeitlosen Aspekte des Bildmaterials herauszuarbeiten, hat sich Eldagsen mit dem Künstler Tanvir Taolad aus Bangladesch zusammengetan. Taolad und Eldagsen arbeiten seit 2017 zusammen. Ihre gemeinsamen Arbeiten zeigten sie auf dem Indian Photo Festival Hyderabad und der Kochi-Muziris Biennale.

Anstoß zur Debatte um KI (Künstliche Intelligenz)

Eldagsens Hintergrund als Hochschullehrer, Fotokünstler und Freelancer für digitale Medien machen ihn zu einem der KI-Experten in der deutschen Fotoszene. Im April 2023 lehnte er die Sony World Photography Awards (Open Category/Creative) ab und gab zu, dass er ein KI-generiertes Bild eingereicht hatte, um eine Debatte über die Beziehung zwischen KI-generierten Bildern und Fotografie anzustoßen. Der Stunt wurde weltweit bekannt und sein Bild DER ELEKTRIKER zu einem der berühmtesten des Jahres.

Programm der Künstlerischen Konferenz:

Vernissage der Installation „Trauma Porn” von Boris Eldagsen in Zusammenarbeit mit Taolad Tanvir am Donnerstag, 23. November, um 19 Uhr
Mit einer Einführung der Kunsthistorikerin Dr. Petra Bopp und Grußworten von Jürgen Enninger, Referente für Kultur, Welterbe und Sport, einer Begrüßung durch Dr. Thomas Elsen, dem Leiter der Neuen Galerie im Höhmannhaus.

Vortrag und Artist Talk am Freitag, 24. November, ab 17 Uhr

Der Künstler Boris Eldagsen berichtet um 17:00 Uhr in einem Vortrag über seine Arbeit und KI. Im Anschluss findet um 18:00 der Artist Talk statt: Dr. Petra Bopp (Hamburg) und Andreas Langen (Stuttgart) sprechen mit Boris Eldagsen über seine Arbeit und dessen Projekt „TRAUMA PORN”.

Diskussion mit Boris Eldagsen, Prof. Erna Fiorentini (KIT – Karlsruher Institut für Technologie) und Studierenden am Samstag, 25. November um 14 Uhr.

Abschlussdiskussion zum Kunstprojekt „TRAUMA PORN” am Sonntag, 26. November um 15 Uhr
Dr. Petra Bopp (Hamburg), Prof. Stefan Bufler (Augsburg), Beate Passow (München) und Prof. Dietmar Süß (Augsburg) diskutieren zum Abschluss des Kunstprojektes „TRAUMA PORN” mit dem Künstler Boris Eldagsen (Berlin). Die Moderation übernimmt Dr. Thomas Elsen.

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Künstler-Biographien

Boris Eldagsen

Boris Eldagsen (*1970) studierte Bildende Kunst an den Kunstakademien Mainz und Prag sowie an der Universität Hyderabad (Indien) sowie Philosophie an den Universitäten Köln und Mainz. Als Fotomedienkünstler stellt er seit 2000 in internationalen Institutionen und Festivals aus, darunter die Deichtorhallen Hamburg, die Bundeskunsthalle Bonn, das CCP Melbourne, das Singapore International Photography Festival und die Kochi-Muziris Biennale. – Als freiberuflicher Stratege und Ideengeber arbeitet er seit 2001 für internationale Werbe- und Marketingagenturen. Seit 2004 unterrichtet er an Kunsthochschulen in Australien, Asien und Europa und gibt Workshops für das Goethe-Institut, Festivals und Museen. – Boris Edldagsen ist „Head of Digital“ an der Deutschen Fotoakademie, Mitglied der DGPh und Digitalberater des US-Fotografen Roger Ballen.

Tanvir Taolad

Der in Dhaka lebende Künstler Tanvir Taolad wurde 1987 in Narayanganj, Bangladesch, geboren. Er studierte Bildende Kunst an der Narayanganj Fine Art Academy und Fotografie am Pathshala South Asian Media Institute.

Beeinflusst von allem und jedem, erforscht seine Arbeit die innere Realität, das Unbewusste, um zu sehen, was jenseits der physischen Welt liegt. Er zeigt rohe, unkonventionelle Formen der Verletzlichkeit, die auf Fantasien, Albträumen, Halluzinationen und Tagträumen basieren. Indem er das Reale mit dem Künstlichen vermischt, verwirrt Taolad den Betrachter und fordert Wahrnehmungskonventionen heraus, um einen spirituellen Zustand zu eröffnen.

Weitere Informationen gibt es unter kmaugsburg.de/traumaporn.