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Dienstag, 04.12.2018 - Jahrgang 10 - www.daz-augsburg.de

Theatersanierung: Kostenkalkulation in der Kritik

Ist die städtische Kostenkalkulation für die Theatersanierung haltbar? Stadtrat Volker Schafitel (FW) hat sich diese Frage gestellt und mit „Nein“ beantwortet.

Von Siegfried Zagler

Vergleichstabelle Theatersanierungen in Deutschland (c) Volker Schafitel

Vergleichstabelle Theatersanierungen in Deutschland (c) Volker Schafitel


Folgt man der Argumentation des Architekten Schafitel, dann müsste man von einer Kostensteigerung von 100 Prozent ausgehen – mindestens. Schafitel vergleicht die in Augsburg veranschlagten Sanierungskosten pro Kubikmeter mit Theatersanierungskosten von anderen Städten und kam bei seiner Recherche zu Ergebnissen, die er in einer Pressekonferenz am Mittwoch folgendermaßen zusammenfasste: „Vergleicht man die Kosten ähnlicher Sanierungen von städtischen Bühnen oder Opernhäusern in Deutschland, kommt man zu der Feststellung, dass die veranschlagten Augsburger Kosten von 186 Millonen Euro zu niedrig ausgefallen sind.“

Übliche Vergleichsgrößen sind Bruttogeschoßfläche (BGF) oder/und der Bruttorauminhalt der Sanierungsprojekte und deren Kosten pro Quadratmeter/Kubikmeter. Diese Vergleichswerte hat Schafitel bei mehreren Theatersanierungen beziehungsweise Neubauten recherchiert (siehe Grafik). Die mit der Augsburger Sanierung vergleichbaren Projekte Berlin, Köln und Frankfurt zeigen, so Schafitel, dass in Augsburg mit zu optimistischen Kostenannahmen kalkuliert worden sei. „Während man in Augsburg mit 750 Euro pro Kubikmeter Rauminhalt Sanierungsvolumen kalkuliert, kam man in Berlin auf 1.527 Euro pro Kubikmeter und in Köln wird derzeit mit 1.974 Euro pro Kubikmeter gerechnet.“ Diese Zahlen sind bereits nicht mehr aktuell. „Mit der neuesten Kölner Kostenschätzung (570.554.049 Euro) käme man auf 2.449 Euro pro Kubikmeter“, wie Schafitel ausführte. Würde man in Augsburg diese Zahlen ansetzen, käme die Augsburger Sanierung auf 616.787.997 Euro Kostenkalkulation.

Volker Schafitel (c) DAZ

Volker Schafitel (c) DAZ


Auch die aktuell niedrigste Kostenkalkulation würde, würde man diesen „Kubikmeterpreis“ für Augsburg verwenden, die Augsburger Kalkulation auf 355.539.875 hochschrauben. Aufgrund seiner Recherche müsse man sofort noch einmal die Kalkulation der Augsburger Sanierung prüfen und gegebenenfalls überarbeiten. „Das muss in voller Verantwortung durch den extern beauftragten Projektcontroller geschehen, nicht durch den Architekten“, so Schafitel, der auf Nachfrage der DAZ zu Protokoll gab, dass er davon ausgehe, dass sich die Sanierungskosten verdoppeln werden. Von fahrlässiger Fehlplanung und „Bürgermeisterzahlen“ wollte Schafitel nicht sprechen, wohl aber davon, dass die Augsburger Bürgerschaft einem politischen Zahlenwerk aufgesessen sei und er nun wissen wolle, ob die Stadtgesellschaft eine 300 oder 400 Millionen teure Sanierung auch noch mittragen werde.

Bei der Kommunalwahl 2020 würde eine aus dem Ruder laufende Theatersanierung zu einem bestimmenden Thema werden, das den Bündnisparteien (CSU/SPD/Grüne) schwer zu schaffen machen könnte: Die Augsburger SPD hatte beim Projektbeschluss eine Kostendeckelung bei 186 Millionen Euro als Bedingung für ihre Zustimmung verlangt. „Diesen Anspruch kann man anhand der Fakten heute vergessen“, so Schafitel.



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