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Mittwoch, 04.08.2021 - Jahrgang 13 - www.daz-augsburg.de

Stadtrat: Baureferent Merkle stellt neue Idee für den Hauptbahnhof vor

Die Stadtwerke Augsburg prüft derzeit eine Wendeschleife für Straßenbahnen unter dem Hauptbahnhof, da „mehrere Varianten einer zunächst am westlichen Tunnelausgang vorgesehenen Wendeschleife an der Rosenaustraße auf Höhe des Bucheggerplatzes aus städtebaulichen Gründen scheiterten“, wie es in einer Pressemitteilung der Stadtwerke Augsburg heißt.

Von Siegfried Zagler

Am 22. Mai gab es dazu eine Pressemitteilung der Linken, die sich auf einen Hinweis von Stadtwerke-Chef Norbert Walter auf einer Pro-Bahn-Veranstaltung in der Vorwoche bezog. Am 23. Mai veröffentlichte die Augsburger Allgemeine einen ausführlichen Artikel zu den neuen Plänen der Stadtwerke. Am 24. Mai gab es dazu die erste offizielle Stellungnahme der Stadtwerke via Pressemitteilung. Am 26. Mai weihte Baureferent Merkle den Stadtrat mit einem kurzen Vortrag und einer Skizze ein. Bei der nächsten Sitzung des Bauausschusses soll das Projekt erstmalig differenziert vorgestellt werden. Gute Öffentlichkeitsarbeit sieht anders aus. Soviel vorneweg.

Gerd Merkles Kurzvortrag am vergangenen Donnerstag brachte außer einer „Kleinigkeit“ nichts Neues für die Stadträte, zumindest nichts, was nicht bereits von den Stadtwerken in deren Pressemitteilung am 24. Mai berichtet wurde.

  1. Die Stadtwerke Augsburg prüfen im Zuge des Baus des Straßenbahntunnels unter dem Augsburger Hauptbahnhof eine unterirdische Wendeschleife für Trams.
  2. Das Ergebnis einer in Auftrag gegebenen Machbarkeitsstudie liegt seit kurzem vor. Fazit: Eine Wendeschleife unter den Güter- und Rangiergleisen am Hauptbahnhof ist technisch machbar.
  3. Die Kosten könnten sich nach einer ersten Schätzung auf sieben bis maximal acht Millionen Euro belaufen.
  4. Das Projekt wird zunächst intern und anschießend mit der Genehmigungsbehörde (RvS) intensiv geprüft.
  5. Die Prognosen bezüglich einer Bezuschussung sind günstig.

„Die einzige realisierbare und sinnvolle Wendestelle“

Da man ohnehin von 4 bis 5 Millionen Sowieso-Kosten ausgehen müsse, betrügen die Mehrkosten nicht mehr als 3 bis 4 Millionen Euro. Dies war die „kleine Neuigkeit“ in Merkles Vortrag. „Hoffentlich stimmen die Zahlen, denn sonst sind wir mit dem Projekt schnell am Ende“, warf Rainer Schönberg (Freie Wähler) ein. „Falls das Projekt nicht bezuschusst werden sollte“, so Merkle, „würden die Stadtwerke nach einer anderen Lösung suchen“. Stadtwerke-Geschäftsführer Norbert Walter sieht dafür allerdings nicht mehr viele Möglichkeiten: „Das ist nach einer Vielzahl untersuchter Varianten die einzige realisierbare und sinnvolle Wendestelle“. – Die Wendeschleife würde am Hauptbahnhof unter den Güter- und Rangiergleisen im Bereich zwischen der künftigen unterirdischen Haltestelle und der westlichen Tunnelausfahrt an der Rosenaustraße entstehen. Es könnten Trams sowohl aus Richtung Königsplatz als auch aus Richtung Pfersee kommend wenden.

Die unterirdische Wendeschleife hätte nach Angaben der Stadtwerke folgende Vorteile:

  • Komfortable Anbindung: Neben den Linien 3 und 5/6 kann auch die Straßenbahnlinie 4 die Haltestelle unter dem Hauptbahnhof anfahren und anschließend im Tunnel unterirdisch wenden, statt in der bestehenden oberirdischen Wendeschleife um das so genannte Salewa-Haus vor dem Bahnhof. Das bedeutet mehr Komfort für die Fahrgäste und ein einfaches, barrierefreies Umsteigen zu den Züge der Deutschen Bahn.
  • Sicherung des Betriebsablaufs: Bei Störungen an der Haltestelle unter dem Bahnhof, aber auch westlich oder östlich des Bahnhoftunnels kann die Straßenbahnen jeweils wenden und der Tramverkehr aufrecht erhalten werden.
  • Gleisabbau: Langfristig, des heißt nach in Betriebnahme der Linie 5, kann das Gleis in der unfallanfälligen Pferseer Unterführung sowie an der Viktoriastraße vollständig aufgegeben werden.
  • Verkehrs-Entlastung: Die Kreuzung Pferseer / Rosenaustraße wird entlastet.
  • Weniger Lärm: Die Wendeschleife ist unterirdisch, dadurch wird Lärm für die Anwohner vermieden.