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Montag, 20.09.2021 - Jahrgang 13 - www.daz-augsburg.de

Stadt ehrt Helmut Haller

Die Stadt Augsburg hat am gestrigen Sonntag einen Teil des Oberhauser Bahnhofsplatzes nach ihrem bekanntesten Sportler benannt. Die Idee dazu hatte Arno Löb, der auch das Rahmenprogramm der Veranstaltung gestaltete und durchführte.

Großer Bahnhof für Helmut Haller: Bernd Kränzle, Dieter Benkart, Margarete Heinrich, Dirk Wurm, Arno Löb, Harald Güller und Otto Hutter (v.l.)

Großer Bahnhof für Helmut Haller: Bernd Kränzle, Dieter Benkart, Margarete Heinrich, Dirk Wurm, Arno Löb, Harald Güller und Otto Hutter (v.l.) Foto: Gaby Ruofs



Wenn man nach den großen Söhnen der Stadt Augsburg fragt, ist Helmut Haller in einem Atemzug mit Jakob Fugger und Bertolt Brecht zu nennen. Helmut Haller war einer der ersten Popstars in der Fußballszene – in Italien. 1962 wechselte er vom BC Augsburg zum FC Bologna, den er 1964 zur Meisterschaft führte. In dieser Saison wurde er als erster Ausländer zu Italiens Fußballer des Jahres gewählt. Nach der WM 66 avancierte „Hemad“ zum Weltstar. 1968 wechselte Haller von Bologna nach nach Turin – für die damalige Rekordablösesumme von drei Millionen Mark. Für Juventus Turin spielte Haller fünf Jahre und gewann mit „Juve“ zwei weitere „Scudettos“. In Italien wurde Hallers hohe Fußballkunst verehrt. Il biondo vereinte Eleganz und Pragmatik, Spielwitz und Effizienz. Niemand in der Geschichte des Weltfußballs – vor und nach Haller – konnte so kerzengerade flache Pässe über 30 Meter spielen wie er. In den Sechzigern und zu Beginn der Siebziger gehörte Haller neben Pelé und Eusébio zu den torgefährlichsten „Halbstürmern“, wie man Spielgestalter damals nannte. Die „gazzetto dello sport“ wählte Haller regelmäßig zum besten Ausländer, der je in Italien die Fußballschuhe schnürte – bis Diego Maradona in Neapel erschien. – Helmut Haller kehrte 1973 nach Augsburg zurück und sorgte mit seiner unvergleichlichen Kunst beim damaligen Zweitligisten FCA für einen Zuschauerboom und die erste Blüte des FC Augsburg nach der Fusion. „In Italien bin ich heute noch bekannter als in Deutschland“, so Haller kurz vor seinem seinem 70. Geburtstag. Wenig später begann seine lange Reise durch dunkle Nacht.

Als Helmut Haller im Oktober 2012 nach schwerer Krankheit starb, erwiesen ihm zirka 1.000 Trauernde die letzte Ehre. Darunter DFB-Präsident Wolfgang Niersbach, Franz Beckenbauer, Uwe Seeler, Sepp Maier sowie Dettmar Cramer und ehemalige Mannschaftskollegen. Die italienischen Vereine FC Bologna und Juventus Turin schickten eine Delegation zu Ehren Helmut Hallers nach Augsburg. Knapp zwei Jahre nach dem Tod des ehemaligen Weltstars benannte gestern die Stadt Augsburg einen Teil des Oberhauser Bahnhofsplatzes „Helmut-Haller-Platz“. Die Idee dazu hatte Satire-Blogger Arno Löb, der SPD-Stadtrat Dieter Benkart nicht lange zu einem entsprechenden Antrag überreden musste.  Die Löb-Benkart-Initiative wurde einstimmig vom Stadtrat angenommen. Gestern wurde nun vor zirka 300 Gästen in einem feierlichen Akt “mit großem Bahnhof” und einem angemessenen Rahmenprogramm das Straßenschild von Ordnungsreferent Dirk Wurm enthüllt.