Schlagabtausch um „Herz-OP für die Tram“: ÖDP-Stadtrat kritisiert Stadtverwaltung
Die Debatte um das Bürgerbegehren „Tram-Ring natürlich – Herz-OP für die Tram“ erreicht die nächste Stufe. Nachdem die Stadt Augsburg und die Stadtwerke (swa) am 4. Februar in einer umfangreichen Tischvorlage im Wirtschaftsausschuss die Pläne für einen Straßenbahnring um die Altstadt als kaum umsetzbar und zu teuer eingestuft haben, geht die ÖDP nun in die Offensive.
Von Bruno Stubenrauch

Grafik: Stadt Augsburg/swa, Tischvorlage öffentlich
Im Zentrum der Kritik steht die Geschwindigkeit und Stoßrichtung der städtischen Bewertung. Stadtrat Christian Pettinger (ÖDP), Mitinitiator des Begehrens, zeigt sich verwundert über den „erstaunlichen Energieaufwand“, mit dem Verwaltung und swa das Projekt binnen kürzester Zeit als „völlig abwegig“ darzustellen versuchten. Besonders kritisch sieht Pettinger, dass die Stadt andere Großprojekte als prioritär darstellt, deren Umsetzung jedoch seit Jahren stagniere.
Fokus auf Zuverlässigkeit
Pettinger wirft der Stadt vor, die zentralen Vorteile einer Ringlösung – die Erhöhung der Netzstabilität – in der Analyse komplett auszuklammern. „Nur wenn wir genau wissen, woran unser Nahverkehrssystem krankt, können wir über Lösungen diskutieren“, so Pettinger. Er verweist auf wiederholte Stilllegungen einzelner Tram-Linien bei Demos oder Veranstaltungen in der Innenstadt, die Fahrgäste oft ohne Schienenersatzverkehr zurückließen. Der Tram-Ring würde dagegen die Innenstadt durch eine Ausweichroute entlasten und das System zukunftssicher machen.
Formelle Anfrage an die Oberbürgermeisterin
Um die Diskussion auf eine objektive Basis zu stellen, hat der ÖDP-Stadtrat nun eine offizielle Anfrage an Oberbürgermeisterin Eva Weber eingereicht. Er fordert eine detaillierte Auflistung aller Linienkappungen und Verspätungen der letzten fünf Jahre. Sollten diese Daten bis zur Stadtratssitzung am 26. Februar 2026, an dem das Thema im Plenum auf der Tagesordnung steht, nicht vorliegen, beantragt die ÖDP bereits jetzt eine Vertagung.
Link:
Bürgerbegehren Tram-Ring natürlich
Was steht in der Tischvorlage?
Die Tischvorlage der Stadt Augsburg vom 02.02.2026 nimmt zum Bürgerbegehren „Herz-OP für die Tram“ detailliert Stellung. Die Stadtverwaltung und die Stadtwerke Augsburg (swa) bewerten die vorgeschlagene (Innenstadt-) Ringlinie dabei kritisch. Eine Zusammenfassung der wichtigsten Punkte:
1. Projektumfang und Trassenführung
Die vorgeschlagene Ringlinie umfasst zwei neue Achsen mit einer Gesamtlänge von ca. 2,5 km:
- Nord-Achse: Karlstraße – Grottenau – Leonhardsberg;
- Ost-Achse: Rotes Tor – Vogeltor – Jakobertor (via Rembold-/Forster-/Jakoberwallstraße).
2. Kosten und Finanzierung
Die swa haben eine erste unverbindliche Kostenschätzung vorgelegt:
- Gesamtkosten: Ca. 120 Mio. Euro netto (inklusive Anschluss an den Hauptbahnhof);
- Kostenrisiken: Hohe Ausgaben für Brückenbauten (z.B. Leonhardsberg), Tunnelanpassungen und den schwierigen Baugrund an den Wallanlagen werden erwartet;
- Förderfähigkeit: Ein positiver Nutzen-Kosten-Indikator (NKI > 1) ist laut Stadtwerken nicht zu erwarten, da kaum neue Fahrgastpotentiale erschlossen werden. Eine Förderung nach dem Bundes-GVFG ist daher unwahrscheinlich.
3. Verkehrliche und betriebliche Bewertung
- Geringer Zusatznutzen: Die geplanten Strecken werden bereits heute durch Busse im dichten Takt bedient. Die Anbindung der City-Galerie gilt als ausreichend;
- Nachteile für Fahrgäste: Eine Ringlinie könnte zu mehr Umstiegen führen, da nicht mehr alle Linien den zentralen Knotenpunkt Königsplatz anfahren würden;
- Netzstabilität: Die Stadt betont, dass die Gleise in der Maximilianstraße betrieblich notwendig sind (z.B. für Umleitungen, Havarien und Ein-/Ausrückfahrten) und nicht entfallen können.
4. Bauliche Herausforderungen und Umwelt
- Flächenmangel: In der Karlstraße und am Leonhardsberg reichen die Straßenbreiten kaum aus, um moderne Standards für Rad- und Fußwege gleichzeitig mit einem eigenen Gleiskörper umzusetzen;
- Eingriff in Grünbestand: Besonders an der Jakoberwallstraße müssten massiv Bäume (bis zu drei Baumreihen) gefällt werden, um die notwendigen Mindestbreiten für die Verkehrsanlagen zu realisieren.