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Montag, 20.09.2021 - Jahrgang 13 - www.daz-augsburg.de

Rückblick auf den Begabungstag 2020

Im Zentrum des vom Augsburger Bildungsbündnis durchgeführten 6. Begabungstags stand der Austausch zum Thema Bildung in Zeiten von Corona.

Von Udo Legner

Foto: Screenshot vom Veranstaltungsplakat

Das Besondere dieser partizipativen Bildungsveranstaltung: Sie fand erstmals nicht im Augsburger Rathaus, sondern im virtuellen Raum als rein digitale Veranstaltung statt. Wie für Schulen, Universitäten und andere Bildungseinrichtungen gab es auch für die Aktivisten des Bildungsbündnisses keine Blaupause für die durch die Corona-Pandemie bedingte Umstellung auf ein ausschließlich digitales Format.

Zuversicht und Skepsis im Vorfeld

Die Werbung Im gut ausgebauten Netzwerk für die Teilnahme am digitalen Marktplatz der Möglichkeiten kam an und die Zahl der Anmeldungen – 20 Programmpunkte, teils Workshops, teils Vorträge – stimmte die Veranstalter des Begabungstags zuversichtlich. Die Referenten nahmen auch ausnahmslos den technischen Support für das Erstellen von Videoteasern an, mit denen auf der auf Vordermann gebrachten Website – https://bildungsbuendnis-augsburg.de/begabungstag/programm-digital-2020/ – für die Veranstaltungen geworben wurde.

Die große Bandbreite der Onlineangebote stand den Programmen früherer Begabungstags in nichts nach. Die Universität Augsburg (Moderation: Dr. Julia Sonnberger) präsentierte Tipps und Tricks aus dem digitalen Sommersemester für die digitale Lehre sowie die Ergebnisse einer Umfrage des Bildungsbündnisses zum Lernen während der Corona-Pandemie (Prof. Rita Nikolai).

Die Schüler*innen-Initiative “Holbahn” (Holbein Gymnasium) stellte ihre Entwürfe zu einem flexiblen Unterricht vor, einem Mix aus analogem Unterricht und Projektarbeit, in dem soziales und digitales Lernen ihren Platz haben.

Die Augsburger Einrichtung Tür an Tür (Corinna Höckesfeld und Ludwig Lier) präsentierte Einblicke in die Erfahrungen und Probleme von Flüchtlingskindern während des Lockdowns.

Skepsis kam bei den Veranstaltern wegen der geringen Anmeldungen für die Online Veranstaltungen auf, was sogar dazu führte, dass manche abgesagt werden mussten. Auch die Zahl der Klicks auf die Video-Botschaften und Grußworte der beiden Augsburger Bürgermeisterinnen, die sich im niedrigen zweistelligen Bereich bewegte, ließ keine Hochgefühle aufkommen.

Tellerrand und Horizont

Dass am Begabungstag die Befürchtungen des Bildungsbündnis-Teams über mangelnde Resonanz zerstreut wurden, lag nicht zuletzt an dem großen Zuspruch, den insbesondere die internationalen Angebote erhielten, wie etwa der Hauptvortrag des Keynote-Speakers Prof. Victor Müller- Oppinger aus der Schweiz zu den Selbstlernkompetenzen von Schülern, denen gerade beim Homeschooling enorme Bedeutung zukommt.

Die weitaus größte Teilnehmerzahl verbuchte die von Prof. Dr. John Dean (Universität Versailles) moderierte Zoom-Konferenz, in der die europäischen Partnerschulen (aus England, Italien, Frankreich und Spanien) des städtischen Maria-Theresia-Gymnasiums aufzeigten, wie sie mit der Corona-Krise umgegangen sind und welche Wege sie gefunden haben, ihr Erasmus Projekt zu den Nachhaltigkeitszielen der Vereinten Nationen trotz des für das gesamte Schuljahr geltenden Reiseverbots am Laufen zu halten.

Als mit den größten Vorteil des digitalen Formats stellte Bildungsbündnis Aktivistin Stephanie Schmitt-Bosslet neben der Internationalität die größere Nachhaltigkeit des digitalen Begabungstags heraus. Der Zusammenschnitt der Zoom-Konferenzen sowie viele Folien zu den einzelnen Beiträgen sind gesichert. Wenn es jetzt auf der o. g. Website noch die erwünschten Klicks durch Pädagogen, Schulleitungen und Bildungspolitiker gibt, dann dürfte der 6. Augsburger Begabungstag seinen Vorläufern in Sachen Nachhaltigkeit in nichts nachstehen.