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Samstag, 07.03.2026 - Jahrgang 18 - www.daz-augsburg.de

ÖDP und altaugsburg­gesellschaft starten Bürgerbegehren zu Stadtgrün und Tramnetz

Mit einer Pressekonferenz in der Gerberei 1557 haben die ÖDP Augsburg und die altaugsburg­gesellschaft den Start der beiden Bürger­begehren „7000 Bäume“ und „Herz-OP für die Tram“ bekanntgegeben. Ziel der Initiativen ist es, der künftigen Stadtregierung klare Leitlinien für eine klima­resiliente Stadt­entwicklung und einen zuver­lässigen öffentlichen Nahverkehr vorzugeben.

Von Bruno Stubenrauch

ÖDP-Stadtrat Christian Pettinger im Interview zu den Bürgerbegehren

Das Bürgerbegehren „7000 Bäume“ fordert die Pflanzung von 7000 Großbäumen bis zum Jahr 2030. Nach Ansicht der Initiatoren reicht die bisherige Stadt­begrünung nicht aus, um den Folgen des Klimawandels wirksam zu begegnen. Großbäume seien entscheidend für Kühlung, Beschattung und Aufenthalts­qualität, insbesondere in stark versiegelten Bereichen. Das Begehren zielt darauf ab, über punktuelle Projekte hinaus eine gesamt­städtische Strategie für mehr Grün in allen Stadtteilen durchzusetzen.

Die Fragestellung lautet:

  • Sind Sie dafür, dass die Stadt Augsburg bis zum Jahr 2030 mindestens 7000 Großbäume pflanzt, die auf die Straßen und Plätze aller Stadtgebiete verteilt sind?

Mit dem Bürgerbegehren „Herz-OP für die Tram“ nehmen ÖDP und altaugsburg­gesellschaft die Zuver­lässigkeit des Augsburger Tramnetzes in den Blick. Die Initiatoren fordern eine gezielte Optimierung des bestehenden Netzes. Vorgeschlagen wird ein Tram-Gleisring mit zusätzlichen Verbindungen, der einen stabilen Betrieb auch bei Sperrungen in der Innenstadt ermöglichen soll. Kernpunkte sind eine Verbindung vom Kennedyplatz zum Jakober Tor sowie eine weitere Spange über das Rote Tor und die City-Galerie. Zugleich soll ein Rückbau der Trasse in der Maximilian­straße, der in der Fragestellung des Begehrens allerdings nicht explizit enthalten ist, neue Spielräume für die Gestaltung des öffentlichen Raums schaffen.

Die Fragestellung lautet:

  • Sind Sie dafür, dass die Stadt Augsburg zur dringenden Optimierung des Straßenbahnnetzes in der Kernzone einen Straßenbahnring um die Altstadt entwickelt und verwirklicht?

Klarer Fahrplan hin zu einer klimaangepassten, begrünten Stadt

Sebastian Berz von der altaugsburg­gesellschaft betonte, viele Bürgerinnen und Bürger vermissten in der Augsburger Stadt­entwicklung einen klaren Fahrplan für die Zukunft – sowohl beim ÖPNV als auch bei der Stadt­begrünung. Beide Bürgerbegehren seien als aktive Form der Bürger­beteiligung gedacht und sollten politische Entscheidungen trans­parenter und nachvoll­ziehbarer machen.

Das Bürgerbegehren „7000 Bäume“ versteht Berz als notwendige Abkehr vom Leitbild der „steinernen Stadt“ hin zu einer klima­angepassten, begrünten Stadt­entwicklung. Er verwies auf die seit Jahrzehnten bekannten Erkenntnisse zum Klimawandel und auf das Vorbild des Projekts „7000 Eichen“ von Joseph Beuys.

Baureferent Steffen Kercher ist skeptisch

Am Rande der gestrigen Stadtrats-Pressekonferenz gab Baureferent Steffen Kercher eine kurze Stellungnahme zum Tram-Bürger­begehren ab. Er äußerte erhebliche Zweifel an der Förder­fähigkeit des Projekts. Die für staatliche Zuschüsse maßgebliche standardi­sierte Bewertung dürfte nach seiner Einschätzung negativ ausfallen, da die geplante Trasse bei sehr hohen Kosten nur vergleichs­weise wenige neue Fahrgäste erschließe. Die Investitions­summe schätzte Kercher auf deutlich über 100 Millionen Euro – Nebenkosten und Indexierungen noch nicht eingerechnet.

Kritisch bewertete der Baureferent auch, dass zur Aufwertung eines einzelnen Verkehrs­mittels alle anderen Verkehrs­teilnehmer Ein­schränkungen hinnehmen müssten, da der Straßenraum nun einmal begrenzt sei. Zudem würden durch die neue Trasse viele Bäume fallen, „deutlich mehr als jemals in einer gleisfreien Maximilian­straße gepflanzt werden könnten“.

Vertreter auch für Verträge mit der Stadt legitimiert

Die Initiatoren (v.l.): Christian Pettinger, Maria Brandenstein, Sebastian Berz und Regina Stuber-Schneider (Fotos: ÖDP Augsburg)

Gemäß Artikel 18a der Bayerischen Gemeinde­ordnung haben die Initiatoren jeweils drei Vertreter benannt. Für das Bürgerbegehren „Herz-OP für die Tram“ sind dies Sebastian Berz, Christian Pettinger (ÖDP) und Regina Stuber-Schneider (Freie Wähler). Das Bürgerbegehren „7000 Bäume“ vertreten Sebastian Berz, Christian Pettinger und Maria Brandenstein (ÖDP). Ein Novum: Die Vertreter werden durch die Unter­schriften der Bürger ausdrücklich ermächtigt, die Bürger­begehren zurückzunehmen, um „in Vertrags­verhandlungen eine dem Kern des Antrags entsprechende vertragliche Lösung mit der Stadt umzusetzen“.

Für beide Bürgerbegehren müssen jeweils 10.750 gültige Unterschriften gesammelt werden. Um einen anschließenden Bürger­entscheid zu gewinnen, ist zudem ein Zustimmungs­quorum von mindestens 21.500 Ja-Stimmen erforderlich. Unterschriften können ab sofort auf den per Download zur Verfügung stehenden Listen geleistet werden.


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