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Dienstag, 23.11.2021 - Jahrgang 13 - www.daz-augsburg.de

„Oberhausen-Nord ist Vergangenheit, Oberhausen-Nord ist Zukunft!“

Zum Abschlussfest der Revitalisierunq des Drei-Auen-Quartiers trafen sich gestern Vertreter der Politk, der Finanz-, Immobilien- und Baubranche, der WBG und Bewohner von Oberhausen-Nord. Damit ging ein 170 Mio. Euro teures Kapitel Augsburger Stadtentwicklungsgeschichte zu Ende.

Einen großen Anteil an dem Stadterneuerungsprojekt hatte die Wohnungsbaugesellschaft der Stadt, die WBG, deren Geschäftsführer Edgar Mathe die Gäste begrüßte. Ministerialrat Hanskarl Rattinger, für das Förderprogramm des Freistaats Bayern zuständig, führte aus, dass der frei finanzierte Wohnungsbau rückläufig sei. 200 Millionen Förderung in Bayern könnten diesen nicht ersetzen. Deshalb sei es wichtig, „dass die Wohnungwirtschaft Geld in die Hand nimmt und Sozialarbeit leistet“.

OB Dr. Kurt Gribl schilderte anschließend die Entwicklung in Oberhausen-Nord von einem Stadtteil mit schlechter Wohnungsbausubstanz, kritischer Bewohnergemengelage und Strukturmängeln, in den 1970er und 1980er Jahren wahrgenommen als „Glasscherbenviertel“, bis zum heutigen Tag. Oberhausen-Nord sei nunmehr keine schlechte Adresse mehr.

Ahornerstraße - keine schlechte Adresse mehr

Ahornerstraße - keine schlechte Adresse mehr


Das Fundament für eine gute Zukunft ist baulich, sozial und infrastrukturell gelegt. In den letzten acht Jahren wurden 540 Wohnungen saniert, Verkehrs- und Freiflächen wurden neu geordnet und 120 Tiefgaragenplätze gebaut. Alle Wohnungen erfüllen den Standard der geltenden Energieeinsparverordnung. Das gesamte Quartier wird mit einer Heizzentrale versorgt. Dadurch verminderten sich die Energiekosten gegenüber den vorherigen Einzelöfen um rund 70% und der CO2-Ausstoß um 90%. Trotz der Investitionen konnten die Monatsmieten auf heute 4,40 Euro pro m² gesenkt werden.

Besonders geehrt wurde Frau Dr. Schuber, die mit ihrem Museumsstübchen wertvolle Recherchen zur Oberhauser Geschichte und Stadtteilentwicklung leistet und das „Oberhauser Gedächtnis“ ist. Einen weiteren, ganz besonderen Gast des Abends konnte Kurt Gribl begrüßen: Manfred Seiler. Seiler hatte 1989 einen kritischen Artikel im Magazin „Die Zeit“ veröffentlicht und damit aus Sicht des Oberbürgermeisters die Initialzündung für die Stadterneuerung in Oberhausen-Nord geliefert.

Hintergrund



Die öffentliche Wahrnehmung der sozialen und baulichen Schieflagen in Oberhausen wurde durch einen im November 1989 deutschlandweit veröffentlichten Artikel „Die gute Stube und ihr Abort“ im Feuilleton des Wochenmagazins „Die Zeit“ verstärkt. Der Augsburger Autor Manfred Seiler erläuterte darin die politische Entwicklung in Oberhausen (20% Wählerstimmen für die NPD bei der Bundestagswahl 1987), mit der Benachteiligung des Stadtteils gegenüber der Kernstadt, die zur „guten Stube“ saniert wurde. Die sich anschließende Diskussion beförderte die Konzepte zur Revitalisierung.