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Dienstag, 10.01.2023 - Jahrgang 15 - www.daz-augsburg.de

Musik und bayerischer Witz: Wellküren begeistern in Gersthofen

Die wohl bekannteste Musikantenfamilie Bayerns brachte Traudl Well und ihre Kinder, die Biermösl Blosn und die Wellküren, hervor – die Vorreiter der so genannten „Neuen Volksmusik“. Die Wellküren gibt es seit 35 Jahren; nun waren sie mit ihrem neuen Programm „Des werd scho wieder“ in die Stadthalle Gersthofen

Von Sabine Sirach

Begeisterte das Publikum in der STadthalle Gersthofen © Wellküren

Schon als die Wellküren mit klassischen Blasinstrumenten in die Stadthalle einmarschieren, klatscht das Publikum mit – und sie verstehen es den ganzen Abend, die Zuschauer einzubinden, zu aktivieren, Refrains mitsingen und -klatschen zu lassen und zu Bravo-Rufen zu animieren. Anfangs führen sie das Motto ihres Programms vor: Auf Knopfdruck ertönt ein gesungenes „Des wird scho wieder“, das eingesetzt wird, wenn ihnen etwas schief geht oder klingt (was natürlich immer Absicht ist).

Zunächst fassen sie halb ernst zusammen: „In was für Zeiten leben wir bloß?“: Inflation, Krieg, Corona – und Bayern München verliert gegen den FCA! Dazu kommt die Spaltung der Gesellschaft – „aber damit kennen wir uns aus, wir sind ja schließlich 15 Geschwister, da sind alle verschieden.“

Aber dann legen sie los: „Wir drei sind die Königinnen der Fröhlichkeit!“ Und das beweisen sie mit viel Musik und Witz. Ob klassische Stubenmusik mit Harfe, Gitarre und Hackbrett („Die machen wir seit unserer Kindheit; man kann Kinder nicht früh genug zur Stubenmusik zwingen!“); mit Saxofon, Ukulele, Mini-Akkordeon oder den „Nonnentrompeten“ – sie beherrschen viele Instrumente und singen dazu bayerisch-deftige Lieder. Den Nonnentrompeten (Saiteninstrumenten mit Trichtern am Ende) schreiben sie eine „euphorisierende Wirkung“ zu und erzeugen damit unerträglich falsches Geschrammel und Geschnarre, spielen dann aber das „Lied vom Tod“ ganz anständig.

Sie veralbern Online-Bestellungen, Homöopathie und immer wieder ihre Ehemänner (die „Knödel“) – und ihre Familie. Ahnenforschung habe ergeben, dass sie seit 1418 Stubenmusik mache, die Familie Well („kein bayerischer Name, oder?“) aus dem schottischen Hochadel stamme. Dort sei es bei Loch Ness zu einem Kampf von Hamish McWell und Macbeth gekommen, in dessen Verlauf McWell im Loch ertrank – daher die Bezeichnung Wellness. Und heute betrieben sie dort ein sehr rustikales Wellness-Hotel.

Der Corona-Lockdown hatte vor allem auf die Männer Auswirkungen. Anfangs herrschte ja noch die Lust am Weltuntergang vor und man ging seit Jahrzehnten erstmals wieder gemeinsam spazieren – aber dann das Home Office! Unerträglich! Die Kerle den ganzen Tag zu Hause! Und so seien auch all die Verschwörungstheorien entstanden: Die Männer konnten nicht mehr zum Stammtisch, sondern hockten daheim auf dem Sofa und machten sich ihre eigenen Gedanken; das konnte ja nicht gut gehen.

Politische Satire auf die bayerische Regierung bringen sie unter anderem in einem Stuben-Musical; das beschreibt Bayern, „wie´s mal war und wie´s heute ist“, mit Markus dem Eitlen und Hubsi. Aber auch poetisch-philosophische Lieder sind im Programm, ein sehr schönes über das Älterwerden: Nochmal jünger sein? – „Nein! Das bin ich!“

Am Ende, nach zwei Zugaben, schärfen sie dem Publikum in der fast ausverkauften Stadthalle ein: „Leute, kommt´s zur Kultur! Sagt es weiter, Euren Nachbarn und Freunden!“