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Mittwoch, 26.01.2022 - Jahrgang 14 - www.daz-augsburg.de

Mit dem verbotenen Döner nach Berlin

Bis in den Berliner Tagesspiegel schaffte es der Vorsitzende der Jungen Union Augsburg, Dr. Volker Ullrich, mit seiner als „Döneraufstand“ bezeichneten Umfrage- und Protestaktion zum Nachtleben in der Maximilianstraße.

Volker Ullrich

Volker Ullrich


Volker Ullrich hat sich in seiner Partei, der CSU, keine Freunde gemacht, als er gegen die Beschlüsse zur Behebung der Maxstraßenprobleme offen opponierte. Die von der Jungen Union im Juni vornehmlich an Freitag- und Samstagabenden im Rahmen von Infoständen durchgeführte Befragung von Maxstraßenbesuchern (die DAZ berichtete gestern exklusiv) scheint nun seine kritische Haltung zu bestätigen.

Ohne Anspruch auf Repräsentativität erheben zu wollen, ergibt die Umfrage, die auf über 600 Teilnehmer überwiegend im Alter bis 35 Jahren zurückgreift, ein deutliches Stimmungsbild der Haltung und Erwartung der nächtlichen Gäste der Maximilianstraße. Die Mehrzahl der Befragten kommt aus Augsburg sowie dem stadtnahen Augsburger Umland.

„Übertrieben und aufgebauscht“

Maximilianstraße bei Nacht

Maximilianstraße bei Nacht


Obwohl die Umfrageaktion durchaus differenzierte Ergebnisse hervorbrachte, wird das Verbot des „Außerhausverkaufs“ ab 1 Uhr nachts von 95% der Befragten abgelehnt, und zwar quer durch alle Altersklassen. Ähnlich hoch ist die Ablehnung einer angedachten allgemeinen Sperrzeit, die 90% der Umfrageteilnehmer nicht befürworten würden. Aufschlussreich ist vor allem, wie die Zustände auf der Maxstraße von denen beurteilt werden, die sich tatsächlich dort aufhalten: lediglich 5% erachten diese als gravierend oder gar dramatisch. 30% betrachten sie als „großstadttypische Probleme“ im normalen Umfang, und 65% der Befragten halten die Darstellung der Problematik auf der Maxstraße für übertrieben und aufgebauscht.

Ordnungsdienst stößt auf positive Resonanz

Auf überwiegend positive Resonanz stößt der geplante Einsatz von mehr Ordnungs- und Polizeikräften auf der Straße: Dies begrüßen 72% der Befragten während die Maßnahme nur von 20% abgelehnt wird, 8% haben dazu keine Meinung. Jüngere Besucher stehen einem verstärkten Einsatz von Ordnungskräften dabei skeptischer gegenüber als Besucher im Altersbereich von 21 bis 35 Jahren. Angeregt wurde an den Infoständen immer wieder das Aufstellen größerer Müllbehälter und deren nächtliche Leerung.

Ullrich sieht als Ergebnis der Umfrage Handlungsbedarf in Sachen „Dönerverbot“: „Es steht jetzt schon fest, dass sich dieses Verbot im Praxistest nicht bewährt hat und auf völlige Ablehnung der Maxstraßen-Besucher stößt.“ Hier werde die Junge Union demnächst politisch eine Änderung vorschlagen und begründen. Dagegen stütze die Umfrage den Kurs der Stadtregierung im Hinblick auf die verstärkte Präsenz von Polizei- und Ordnungskräften. Es müsse endlich gesichert sein, dass nach mehrmaligem Verschieben die Ordnungskräfte ab August 2009 tatsächlich auf Streife gehen. Insgesamt zeige die Umfrage durchaus ein differenziertes Problembewusstsein der Maxstraßenbesucher, die eine vorschnelle Beurteilung der Situation auf der Maxstraße zu Recht ablehnten.