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Donnerstag, 29.02.2024 - Jahrgang 16 - www.daz-augsburg.de

Kundgebung und Schulterschluss gegen Rechts

Als Reaktion auf die Enthüllungen des Recherchezentrums correctiv.org, rief die Grüne Jugend gemeinsam mit den Augsburger Jusos am Sonntag zu einer Kundgebung unter dem Motto „Offene Demokratie statt Faschismus im Hinterzimmer“ auf dem Rathausplatz auf. 

Von Udo Legner

Gegen Faschismus und Rechts: Über 700 Menschen bei Kundgebung auf dem Rathausplatz © Felix Wagner

Über 700 Menschen folgten dem kurzfristigen Aufruf und Repräsentanten verschiedener Parteien und Organisationen positionierten sich in ihren Brandreden gegen die AfD.

Die Rednerliste reichte von Sören Rubner (Grüne Jugend), Manuel Sontheimer (Jusos), Oberbürgermeisterin Eva Weber (CSU), Cemal Bozuglu und Anna Rasehorn (Landtagsabgeordnete der Grünen und der SPD), Theresa Hofmann (GEW Hochschulgruppe), Didem Karabulut (Integrationsbeirat), Matteo Rück (Volt Augsburg) bis zu Josef Kirchmeier (Grüne Jugend Augsburg) und berechtigte zu der Hoffnung, dass es doch noch zu dem lange vermissten Schulterschluss gegen den zunehmenden Rechtsruck in unserer Gesellschaft kommen könnte.

Frauen Power gegen Rechts

Den meisten Beifall bekamen die Redebeiträge von OB Eva Weber, Anna Rasehorn und Didem Karabulut. Die Oberbürgermeisterin hatte bereits im Vorfeld der Veranstaltung geäußert, dass es zwar „nicht ihre Parteien“ seien, die die Kundgebung auf dem Augsburger Rathausplatz organisierten, doch eine Teilnahme für sie trotzdem selbstverständlich sei, denn – so O-Ton OB Weber –  „Es ist meine Demokratie, meine Freiheit und mein Land.“

Schnell kam Eva Weber auf die Recherchen zu sprechen, die enthüllt hatten, dass renommierte AfD-Politiker Millionen Menschen mit Migrationsgeschichte aus Deutschland vertreiben wollen. „Ich glaube, ich habe selten etwas Perfideres und Widerlicheres als diesen Bericht gelesen. (…) Mir ist schlecht geworden. Ich frage mich wirklich, wie weit es in diesem Land gekommen ist, dass sowas wieder ganz selbstverständlich ausgesprochen werden kann. Es ist unfassbar, dass im Jahr 2024 wieder so eine Grundstimmung da ist.“ Ausdrücklich nahm Eva Weber auch ihre Partei in die Pflicht: „Die CSU hat eine besondere Verantwortung, die Brandmauer zur AfD hochzuhalten.“

Die frisch gewählte SPD Landtagsabgeordnete Anna Rasehorn brachte ihre Empörung über den zunehmenden Rechtsruck lautstark und mit großer Empathie zum Ausdruck: „Wir wissen, sie (die Rechtsextremen) sind nicht nur in Potsdam oder Brandenburg. Sie sind auch hier in Augsburg. Wir müssen lauter und aktiver werden!“

Die Vorsitzende des Integrationsbeirat Didem Karabulut begeisterte mit der wohl pointiertesten Rede und hielt auch mit Kritik an der bayerischen Landesregierung nicht zurück: „Das Problem ist, dass Migration instrumentalisiert wird, um die Gesellschaft zu spalten. Das Problem ist, dass konservative demokratische Parteien politische Grabenkämpfe zwischen links-konservativ als Teil ihrer Wahlwerbung inszenieren und demokratische Gegnerparteien diffamieren, statt ein echtes Bollwerk gegen Rechts aufzubauen.“

Sie schloss ihre Rede mit dem Appell: „Wir müssen handeln. Den Worten Taten folgen lassen! Wer heute nicht handelt, wacht morgen in Realitäten auf, von denen man sich nicht mehr distanzieren kann.“

Grandioses Finale: ein Lippenbekenntnis in C-DUR

Die Kundgebung erfuhr mit dem Auftritt des Corner Chors ein Finale, wie man es sich nicht besser hätte wünschen können. „Scheiss AfD, Scheiss AfD“ hallte es über den Augsburger Rathausplatz und – believe it or not – wirklich alle sangen mit!