DAZ - Unabhängige Internetzeitung für Politik und Kultur
Sonntag, 05.12.2021 - Jahrgang 13 - www.daz-augsburg.de

Kulturausschuss: Grab im Visier der SPD

Der Kulturausschuss unter der Leitung von Kulturreferent Peter Grab beschäftigte sich in seiner gestrigen Sitzung in der Hauptsache mit der Abarbeitung des Lügner-Vorwurfs im Zwist um die umstrittene Absetzung des abc-Festivals.

Bereits bei der Vorstellung des Popkulturbeauftragten Richard Goerlich war zu ahnen, dass die Opposition mit schweren Geschützen auffahren würde. Nachdem sich Richard Goerlich kurz vorgestellt hatte, wurde er von Lieselotte Grose (SPD) schnippisch gefragt, welche Arbeit er den nun eigentlich tun solle. Goerlich wollte auf die Frage nicht eingehen, zeigte sich aber bereit, bei der nächsten Sitzung seinen Tätigkeitsbereich zu beschreiben.

Verhältnismäßig lang stand die „Reichenberger Heimatstube“ zur Disposition. Der Reichenberger Heimatverein kann sie mangels man-power nicht mehr betreiben. Nun soll die Stadt Augsburg den wertvollen volkskundlichen Bestand übernehmen. Für eine faktische Übernahme sorgt das Stadtarchiv, nicht aber für eine historische Aufarbeitung der Materialien. Dafür bräuchte man für zirka eineinhalb Jahre eine zusätzliche Vollzeitstelle. Für die Aufarbeitung und die Präsentation des Bestands bestehe, darin war sich der Ausschuss einig, Handlungs- und Beratungsbedarf. Rose-Marie Kranzfelder-Poth (FDP) brachte das Textilmuseum ins Gespräch. Das Thema wird die Verwaltung und den Kulturausschuss weiter beschäftigen.

„Augsburg Factory“ erst 2010

Für das Konzept „Augsburg Factory“, das Peter Bommas zusammen mit Prof. Karl Ganser und anderen „hochkarätigen Kulturschaffenden“ (Verena von Mutius) erstellt hatte, werden 2009 keine Mittel bereitgestellt. Der Haushalt 2009 steht fest und im Nachtragshaushalt dürfen keine Gelder für neue Projekte bewilligt werden. Frühestens 2010 werden die Mittel für die „Darstellung der kulturellen Ressourcen unserer Stadt“ in den Haushalt eingehen. Der Ausschuss lobte das spannende und experimentelle Szenario, das „lokale Ressourcen mit globalen Trends verbinden und vorhandene, aber unterentwickelte oder verschüttete Potentiale vor der Folie Industriekultur zu Geltung bringen soll“. „Das könnte zur Stadt passen“, so Karl-Heinz Schneider (SPD). Hinsichtlich der Realisierung zeigte Schneider jedoch grundsätzliche Bedenken: „Wenn man es in dem Jahr mit den höchsten Gewerbesteuereinahmen seit Jahrzehnten nicht unterbringen kann, wann dann?“

Streit um das abc-Festival eskaliert

Einen neuen Tiefpunkt erreichte der Streit um die Absetzung des abc-Festivals. Eine der ersten Amtshandlungen von Kulturreferent Peter Grab war die Absetzung des Brechtfestivals (abc-Festival). Grab begründete die abc-Absetzung in der Kulturausschusssitzung am 13. Oktober mit einer Zahlengrafik, die belegen sollte, dass das unter der Ägide von Eva Leipprand durchgeführte abc-Festival weder 2006, 2007 noch 2008 von den Augsburgern richtig angenommen wurde. „Aufwand und Ertrag standen in krassem Missverhältnis“, so Grab. Einige Tage später bezeichnete Schneider Grab öffentlich als „Lügner“, da er mit seiner Grafik bewusst einen falschen Eindruck vermitteln wollte. Grab hätte mit seinem Zahlenwerk den Ausschuss übertölpelt, da die Zahlen von abc nicht mit jenen der anderen Literaturveranstaltungen vergleichbar wären. Auf Antrag der SPD legte Grab gestern alle zur Verfügung stehenden Zahlen der vorangegangenen Literaturveranstaltungen vor. Und er musste einräumen, dass tatsächlich Teilnehmer von Literaturrätseln, Theaterbesucher sowie Besucher von Veranstaltungen, die von sogenannten Drittveranstaltern durchgeführt wurden, in seinen hierfür angeführten Zahlen verbucht wurden.

KArl-Heinz Schneider (SPD)

Karl-Heinz Schneider (SPD)


„Das ist absurd!“, polterte Schneider durch den Sitzungssaal. Der gescholtene Kulturreferent behielt die Contenance: „Herr Schneider, es geht hier um die Frage, ob ich gelogen habe oder nicht. Und wenn man die gesamten Zahlen in Betracht zieht, habe ich nicht gelogen.“ Dies würden auch die Zahlen des tatsächlich vergleichbaren Projekts, das Brechtfestival von 2004 belegen: 6.500 Besucher, 103.000 Euro Kosten. Schneider ließ sich in seiner Festlegung nicht beirren. Das Ostermaier-Konzept hätte durchaus Schwächen, keine Einbindung des Theaters, keine Augsburger Künstler, zuwenig Sponsorenakquise. „Darüber hätte man mit ihm reden müssen. Das wäre der Job dieses Herrn gewesen“, so Schneider, auf Grab deutend.

Das war Frau Kranzfelder-Poth dann doch zuviel Ungemach. Sie betrachtete den ganzen Oppositionseifer als eine politisch motivierte Hetze gegen den Kulturreferenten. Es gehe hier nicht um die Verarbeitung von abc, nicht um die Aufarbeitung der Zahlen. „Herr Grab bemüht sich um Offenlegung, bemüht sich um Aufklärung, aber er hat keine Chance. Die persönlich diffamierende Ebene ist unerträglich. Der Kulturausschuss sollte mit solchen Veranstaltungen nicht mehr behelligt werden.“ Die junge Stadträtin der Grünen, Verena von Mutius, wollte dies so nicht stehen lassen und sprach von einem nachhaltigen Vertrauensverlust. Man könne ein viertägiges Festival nicht mit Veranstaltungsreihen vergleichen, die drei, vier Monate dauerten. Eine kulturpolitische Debatte könne man nicht mit Zahlen aufmachen, ohne inhaltlich über abc zu sprechen.