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Montag, 08.07.2024 - Jahrgang 16 - www.daz-augsburg.de

Kommentar zum FCA: Was will eigentlich Enrico Maaßen?

Steht im Feuer: FCA-Trainer Enrico Maaßen © DAZ

Stellen Sie sich vor, Sie wären ein gestandener Fußballtrainer, sagen wir mal, in der Bayernliga und die Vereinsführung sagt Ihnen vor Saisonbeginn, dass Ihre beiden besten Defensivspieler, die beide noch einen Vertrag bis 2024 haben, nicht mehr spielen sollen, weil der eine ein Stinkstiefel sei und der andere ein gutes Vertragsangebot abgelehnt habe. Beide Spieler sind Innenverteidiger und für beide gibt es keinen adäquaten Ersatz. Gerne wären Sie auch mit Ihrem angestammten Linksverteidiger in die neue Saison gegangen, doch für ihn gilt das Gleiche: Er soll sich auch einen neuen Verein suchen, bevor er nach dieser Saison den Verein ablösefrei verlässt.

Was würden Sie also machen, wären Sie ein richtig guter Trainer? Sie würden fordern, dass der Verein für alle drei Spieler bessere oder gleichwertige Spieler verpflichtet? Genau! Und falls das nicht geschehen sollte, solle sich ein Ja-Sager-Trainer mit dem neuen Abwehr-Torso herumplagen. Wäre das eine richtige Haltung eines richtigen Trainers?

Nun haben Sie aber noch zwei Jahre Vertrag. Einen Vertrag, wie Sie ihn noch nie hatten. Und Sie sind extra aus der Bezirksliga vom tristen Ruhrpott nach Süddeutschland gezogen – mit Familie und der Hoffnung, im Süden eine gute Visitenkarte abzugeben. Was würden Sie dennoch der offenbar ahnungslosen Klubführung sagen? Was würden Sie den Medien sagen?

Wären Sie so anpassungsfähig, ja bis zur Selbstaufgabe devot, wie zum Beispiel Enrico Maaßen, der Bundesligatrainer des FC Augsburg? Oder würden Sie gegenüber der Öffentlichkeit alles schön darstellen, um gleichzeitig nach innen Druck auf die Vereinsführung auszuüben? Donnerwetter! Das wäre klug.

Doch warum traut man Enrico Maaßen genau das nicht zu? Man stelle sich Bo Svensson, Thomas Letsch, Steffen Baumgart, Ole Werner, Urs Fischer oder gar einen Christian Streich vor: Wären sie jemals in eine ähnliche prekäre Situation wie Enrico Maaßen geraten? Wohl kaum! Dabei müssen diese Trainer ständig Abgänge der von ihnen entwickelten Spieler verschmerzen.

Sie tun das, indem sie zusammen mit der sportlichen Leitung nach starken Neuverpflichtungen Ausschau halten, bevor ihre Leistungsträger dem Ruf des Geldes folgen. Und sie tun das, indem sie die neue Situation problematisieren und darauf verweisen, weshalb man guten Mutes, aber mit Geduld in neue Saison gehen könne.

Mit welchen Attributen würden Sie nun, geneigter DAZ-Leser (und virtueller Bayernligatrainer!), Augsburgs Bundesligatrainer Enrico Maaßen versehen? Hat er dem FCA (s)eine Handschrift verpasst? Hat seine Augsburger Mannschaft unter seiner zugegebenermaßen kurzen Ägide etwas besonderes entwickelt? Steht Enrico Maaßen mit seinem FCA fußballerisch in einem beschreibbaren Spannungsfeld? Was will Enrico Maaßen? Welche Maßstäbe hat er gesetzt? Wohin will er den FCA entwickeln?

Sind im FCA-Spiel eine Woche vor Bundesligastart eine grobe Achse, oder gar feine Zahnräder zu erkennen? Gestandene Bundesligaspieler wurden durch Zweitligaspieler ersetzt – oder gar nicht. Auch bei der Kaderbildung steht ein guter Trainer in der Verantwortung.

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So ist im FCA-Spiel eine Woche vor Saisonbeginn keinerlei Spirit zu erkennen. Es gibt keine dynamische Struktur, kein System, keinen Siegeswillen und darüber hinaus scheint kein Spieler in Form zu sein. Die Mannschaft wirkte in Unterhaching wie ein über Nacht zusammengewürfelter Haufen. Ratlosigkeit und Verunsicherung sind offenbar die neuen Tugenden des FCA. Der FC Augsburg taumelt von Not zu Elend. Und mit “Enno” steht nun ein Trainer am Spielfeldrand, dessen Impulse überall ankommen, nur bei der Mannschaft nicht. Fünf Wechsel in einem Pokalspiel gegen einen Drittligisten sprechen deshalb Bände, weil diese Wechsel nicht wegen Belastungssteuerung, sondern aus purer Verzweiflung vorgenommen wurden.

Die Frage, ob je ein richtig guter Bundesligatrainer beim FCA landen wird, brennt von Woche zu Woche mehr. Dass man mit Enrico Maaßen und mit diesem Kader in dieser Saison nicht viel weiter kommt, als Darmstadt oder Heidenheim scheint in Stein gemeißelt.