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Dienstag, 16.04.2024 - Jahrgang 16 - www.daz-augsburg.de

Kommentar zum FCA: Abgang eines schwachen Trainers – nun ist Jurendic gefordert

Die Freistellung von FCA-Trainer Enrico Maaßen war nicht nur überfällig, sie kommt unverständlich spät

Kommentar von Siegfried Zagler

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Der FCA zeigte bereits in der ersten Saison unter Maaßen katastrophal schlechte Vorstellungen und Disziplinlosigkeiten. Vermutlich war Augsburg in der vergangenen Saison sogar die spielerisch schlechteste Mannschaft der Liga – mit unverständlichen Leistungsschwankungen. Die von Maaßen in seiner ersten Pressekonferenz versprochene neue FCA-DNA blieb aus. Eine Entwicklung gab es weder im fußballerischen Bereich, noch im sportlichen Erfolg.

Maaßen hält in Augsburg fast alle relevanten Negativrekorde: Er hält den schlechtesten Punkteschnitt aller Bundesligatrainer des FCA, die längste Sieglos-Serie und meisten Umstellungen im taktischen Bereich. Zum Amtsantritt wollte Maaßen Ballbesitzfußball spielen lassen – mit einer spielerisch limitierten Mannschaft ging der Schuss nach hinten los. Als er seinen Fehler einsah, stellte er auf ein offensives Mann-gegen-Mann um. Ein extrem aufwändiges Pressing mit schnellem Umschalten schien zu funktionieren, doch allzu oft marschierten die Gegner durch die Mitte, wie das heiße Messer durch die Butter, weshalb Maaßen wieder umstellte – und die Mitte mit einer Dreier-/Fünferkette und einer Doppelsechs zu schließen versuchte.

Individuelle Fehler in der Abwehr, kläglich vergebene Torchancen und kaum korrekt zu Ende gespielte Angriffe lassen den Schluss zu, dass auch dieses System nicht griff und greift.

“Wir hätten ihm nicht so einen langen Vertrag gegeben, wenn wir nicht von ihm so sehr von ihm überzeugt wären.” So kommentierte Augsburgs ehemaliger Sportdirektor Stefan Reuter die Verpflichtung von Enrico Maaßen mit einem Dreijahresvertrag im Sommer 2022.

Die katastrophale Vorstellung im letzten Spiel der Vorsaison in Mönchengladbach hat nur mit viel Glück nicht in die Relegation geführt.  Zwischen diesem trostlosen Augsburger Auftritt und der im nächsten Pflichtspiel folgenden Peinlichkeit, dem Pokal-Aus in Unterhaching, lagen fast drei Monate mit einer Sommerpause und einer fast sechswöchigen Vorbereitung. Trotz eines verstärkten Kaders ist alles beim Alten geblieben. In der aktuellen Saison hat man in vier Heimspielen gegen schlagbare Gegner (Gladbach, Bochum, Mainz, Darmstadt) fünf von zwölf möglichen Punkte geholt – viel zu wenig.

Längst hätte Sportdirektor Marinko Jurendic und die Co-Verantwortlichen Ströll und Krapf handeln müssen. Maaßen hatte jeden Kredit verspielt. Das lange Zögern der neuen Augsburger Führungscrew lässt tief blicken. Maaßen zu feuern ist eine leichte Sache – einen passenden Nachfolger zu finden dagegen eine ungleich schwierigere. Aber: Das eine hat mit dem anderen nichts zu tun.

Der FCA hat es versäumt, im Trainerbereich einen Unterbau zu bilden, dem man in der Bundesliga eine Interimslösung zutraut. An einer lame duck festhalten, bis man einen neuen Trainer präsentieren kann, ist keine professionelle Methode. Nicht der längst verbrannte Maaßen steht nun im Feuer, sondern die sportliche Leitung des FCA.