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Montag, 15.08.2022 - Jahrgang 14 - www.daz-augsburg.de

Kommentar: Die Ignoranz des Gesinnungs- journalismus

Man muss Samuel Becketts „Warten auf Godot“ nicht mögen, aber wenn Harald Schmidt in Klein-Bochum den Estragon gibt, dann hat das mediale Bedeutung, die weit über die übliche Kulturberichterstattung hinausgeht. Das Gleiche könnte man über die LINKE und Gregor Gysi sagen. Auch wenn man die LINKE nicht mag: Ihre beiden Protagonisten sind politische Superstars, denen eine gewisse Aufmerksamkeit geschuldet sein sollte. Wenn man mal von dem niedlichen Publikumsfeature von Lea Thies absieht, hat die Augsburger Allgemeine nichts über Gysis Auftritt geschrieben, und damit einmal mehr ihr Image als CSU-Blatt poliert. Es wäre fast schon kindisch, mehr Objektivität und politische Unabhängigkeit einzufordern.

Den Grünen erging es in den Achtzigern kaum anders. Politisch links gelagerte Blätter äußern sich gegenüber den Auftritten der CSU-Granden in Wahlkampfzeiten ebenfalls mit bestechender Ingnoranz. Buisness as usual: Verschweigen gehört in den Politikredaktionen in diesen Tagen üblicherweise zum „feinen“ Ton des unvermeidlichen Gesinnungsjournalismus. Was jedoch am Rande der gestrigen Wahlkampfveranstaltung der Linken zu erfahren war, steht auf einem anderen Blatt und ist – falls es der Realität entsprechen sollte – ein Skandal! Obwohl mit Alexander Süßmaier und Dietmar Michalke zwei fleißige Politiker in den Augsburger Stadtrat gewählt wurden, ignoriert die Augsburger Allgemeine systematisch seit Monaten jede Pressemitteilung zur linken Stadtratsarbeit in Augsburg. Frau Kranzfelder-Poth reklamiert ebenfalls einen „Boykott“ ihrer Pressemitteilungen. Kein Wunder, dass Verschwörungstheorien blühen und der Groll auf „unsere Heimatzeitung“ innerhalb der Stadt Augsburg immer weitere Kreise zieht.

Siegfried Zagler