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Freitag, 21.01.2022 - Jahrgang 14 - www.daz-augsburg.de

Journalisten demonstrieren für die Wertschätzung ihres Berufes

Redakteure aus Bayern und Baden-Württemberg setzen mit Kunstaktion ein Zeichen gegen Gehaltskürzungen und Gratiskultur

Worte sind wertvoll: erste Bilder auf dem Blog der Aktion

Worte sind wertvoll: erste Bilder auf dem Blog der Aktion


Mit einer Kunstaktion haben über hundert Journalisten aus Bayern und Baden-Württemberg gestern abend in der Augsburger Innenstadt für die Wertschätzung ihres Berufes demonstriert. Hintergrund der Aktion war der festgefahrene Tarifstreit in der Zeitungsbranche. Unter dem Motto „Worte sind wertvoll“ projizierten die Journalisten eine bunte Videoinstallation und Thesen zur Bedeutung des Berufstandes an Hausmauern der Augsburger Maximilianstraße.

„Das Ziel unserer Aktion ist es, in der Gesellschaft grundsätzlich für ein Bewusstsein der Notwendigkeit von Qualitätsjournalismus zu werben“, sagte einer der Sprecher der „Worte sind wertvoll“-Initiative, Josef Karg. „Uns geht es dabei nicht nur um die gegenwärtige Tarifauseinandersetzung, sondern auch um die Folgen der ausufernden Gratiskultur für Journalismus im Internet“, betonte der Zeitungsredakteur.

Bei den aktuellen Tarifverhandlungen mit den Zeitungsverlegern wehren sich die Journalisten gegen eine geplante deutliche Absenkung des Gehaltsniveaus für Jungredakteure. Die von Journalisten aus der ganzen Bundesrepublik unterstützten Initiatoren der Protestaktion formulierten dabei eine Reihe so genannter „Augsburger Thesen“. Darin heißt es unter anderem, dass eine Demokratie ohne aufmerksame und kritische Medien nicht funktioniere. Die Zukunft der Medien hänge „von der Qualität des journalistischen Nachwuchses ab“. Für unabhängigen und verantwortungsbewussten Journalismus sei eine faire Bezahlung unabdingbar.

» Blog wortesindwertvoll.de

Die fünf „Augsburger Thesen“ im Wortlaut:

  1. Eine Demokratie ohne aufmerksame und kritische Medien funktioniert nicht. Politik und Wirtschaft müssen kontrolliert werden. Das können nur unabhängige Journalisten.
  2. Egal, was passiert: Immer muss es darum gehen, so objektiv wie möglich darüber zu berichten. Alle Betroffenen müssen gehört und unvoreingenommen behandelt werden. Das können nur seriöse Journalisten.
  3. Eine fundierte Recherche braucht Zeit und Durchsetzungsvermögen. Jeder noch so gute Text bedarf einer qualifizierten Bearbeitung. Das können nur sorgfältig ausgebildete Journalisten.
  4. Täglich entstehen Tausende neuer Informationen. Viele stammen aus PR-Abteilungen von Unternehmen, Parteien und Organisationen. Die Nachrichten müssen sortiert, gefiltert und bearbeitet werden. Das können nur verantwortungsbewusste Journalisten.
  5. Die Zukunft der Medien hängt von der Qualität des journalistischen Nachwuchses ab. Verantwortungsbewusst schreiben, sorgfältig recherchieren, seriös berichten – unabhängig sein: Das können nur fair bezahlte Journalisten.