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Sonntag, 23.06.2024 - Jahrgang 16 - www.daz-augsburg.de

Internationale Wochen gegen Rassismus – Ein Aufruf zum Engagement

Dank der Beteiligung zahlreicher Vereine und Initiativen ist das vom Büro für gesellschaftliche Integration zusammengestellte Programm der Internationalen Wochen gegen Rassismus (20. März bis zum 2. April 2023) so umfangreich wie vielfältig. 

Von Udo Legner

Auch wenn sich in dem zwanzigseitigen Programmheft auch intellektuell anspruchsvolle Formate und Veranstaltungen finden, dürfte das Programm der Internationalen Wochen gegen Rassismus auf fast uneingeschränkte Wertschätzung stoßen. Allein 29 Organisationen sind schließlich  mit ihrem Logo abgebildet und wurden unter dem Motto „Misch Dich ein“ dafür gewonnen, mit ihren Veranstaltungen Rassismus und Diskrimierung entgegenzutreten.

Vielfalt Film Festival vom 19. – 31. März im Thalia 

Neben den Ausstellungen, Workshops, Vorträgen, Lesungen und Kundgebungen sticht das vom AK Vielfalt initiierte Film Festival Vielfalt im Veranstaltungsprogramm hervor. Es flimmert fast während des gesamten Zeitraum der Anti-Rassismus Wochen über die Leinwand und weist neben dem Augsburger Kino-Dreieck, den Integrationsbeirat, das Just Kids Festival, die Werkstatt Solidarische Welt, die Stadtbücherei und das Grandhotel sogar das internationale Erasmus Projekt „Solidarisch für eine gerechtere Welt“ als Kooperationspartner auf. 

Fünf Filme zum Engagement gegen Rassismus

Den Auftakt des Festivals bildet der semi-autobiografische Film Zeiten des Umbruchs, in dem der Regisseur James Gray von seiner Kindheit in den 1980er-Jahren im New Yorker Stadtteil Queens erzählt. Anfangs hat es fast den Anschein, als handle es sich hier um eine geradezu heile Familie, die der Freundschaft der beiden ungleichen Schulfreunde – der eine weiß und wohlhabend, der andere schwarz und aus ärmlichen Verhältnissen – einen Schutzraum bietet. Doch schon mit der High School Zeit wird deutlich, dass sich der amerikanische Traum für den sozial benachteiligten Freund nicht erfüllen wird.

Die Augsburger Erstaufführung des amerikanischen Films Till – Kampf um die Wahrheit nimmt die Zuschauer mit auf eine Zeitreise in die 1950er Jahre und handelt von der wahren Geschichte des afroamerikanischen Jugendlichen Emmett Till, der aus rassistischen Motiven ermordet wurde. Seine Mutter nimmt daraufhin den Kampf um Gerechtigkeit im rassistischen Amerika auf.

Mit den Filmen »DIE ODYSSEE« und R.M.N. stehen auch zwei europäische vielfach ausgezeichnete Filmwerke im Festival Programm

Mit den Mitteln des Märchens erzählt die mehrfach preisgekrönte Animationsfilmerin Florence Miailhe in ihrem ersten Langfilm »DIE ODYSSEE« die Geschichte der halbwüchsigen Geschwister Kyona und Adriel. Deren Dorf wird eines Tages von Soldaten überfallen, woraufhin die Eltern beschließen, mit den Kindern in ein anderes, ein gelobtes Land zu fliehen. Vertreibung und Flucht, generell Migrationsbewegungen sind menschheitsgeschichtliche Konstanten, die mit brutaler Wucht unsere Gegenwart plagen; insofern ist »DIE ODYSSEE« ein schmerzhaft aktueller Film.

Der rumänische Film «R. M. N.» zeigt schonungslos, wie in den Hügeln von Siebenbürgen heimatliche Besorgnis zu Fremdenfeindlichkeit wird. Der Erinnerungskultur ist der letzte Film des Vielfalt Festivals gewidmet. Über Hans Steinbichlers Neuverfilmung aus dem Jahr 2016 heißt es in der Filmkritik der KINO-ZEIT: Der Filmregisseur „ist großartig darin, die wohl ergreifendste Zeugin nationalsozialistischer Judenverfolgung den Gleichaltrigen der Gegenwart nahezubringen. Der Weg sollte vom Geschichtsunterricht gleich ins Kino führen, um festzustellen: Das könnte ich sein.“

Die Trailer und Termine der fünf Festivalfilme sind auf der Website des partizipativen Just Kids Festivals zu finden – www.pop-poetry.de – und sollen möglichst viele Schulklassen ins Kino locken.