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DAZ - Unabhängige Internetzeitung für Politik und Kultur
Dienstag, 04.12.2018 - Jahrgang 10 - www.daz-augsburg.de

„Ich war fremd und obdachlos und ihr habt mich aufgenommen!“

Mit einer Kundgebung in der Augsburger Innenstadt zeigten etwa 120 Menschen am gestrigen Samstag Solidarität mit Geflüchteten.

Den Anlass für die vom Augsburger Flüchtlingsrat organisierte Kundgebung gab die verheerende Situation und völkerrechtswidrige Politik an den europäischen Außengrenzen. Zudem kritisierten die Redner die deutsche Ausgrenzungspolitik, den ausgesetzte Familiennachzug und die Abschiebeflieger nach Afghanistan und Pakistan. Auf der Kundgebung wurden sowohl die düsteren Seiten der aktuellen Situation beleuchtet als auch die Solidarität mit Geflüchteten in den Mittelpunkt gerückt.

Redner des Flüchtlingsrates, der Augsburger Helferkreise und einer Ärztinnenorganisation kamen ebenso zu Wort wie Anne-Kathrin Kapp-Kleineidam, Pfarrerin an der Dreifaltigkeitskirche Göggingen sowie eine Angehörige der unlängst aus Augsburg abgeschobenen Familie aus dem Kosovo. Deren Bericht über den kollektiven Suizidversuch infolge der Abschiebung der Familie legte in erschütternder Weise das Leid der von Abschiebungen Betroffenen offen. Flankiert wurde der Vortrag von einer medizinischen Einschätzung der gesundheitlichen Folgen des andauernden Verharrens in Angst vor Abschiebung.

„Peter Höll vom Augsburger Flüchtlingsrat sezierte die unmenschliche und verlogene Politik der EU an den Außengrenzen, die immer öfter auch nicht davor zurückschreckt, Bündnisse mit zwielichtigen Staatschefs oder Milizen einzugehen“, wie es in einer Pressemitteilung des Augsburger Flüchtlingsrats heißt. Anlass zur Hoffnung würde die ungebrochene Solidarität unzähliger Augsburger geben, die sich trotz der rauen gesellschaftlichen Lage nicht von einer konsequenten und nachhaltigen Unterstützung Geflüchteter abbringen ließen und für eine tolerante und weltoffene Gesellschaft eintreten. So berichtete etwa Pfarrerin Kapp-Kleineidam vom neu gegründeten Verein matteo – Kirche und Asyl, der sich für die Integration und Aufnahme in Kirche und Gesellschaft stark macht und sich auf den zentralen Satz des Matthäus-Evangeliums bezieht: „Ich war fremd und obdachlos und ihr habt mich aufgenommen!“ (Matthäus 23,35).

Isabella Geier gab stellvertretend für die Augsburger Helferkreise ein Zeugnis der beständigen ehrenamtlichen Integrationsarbeit und prangerte zugleich das Verhalten der Stadtverwaltung an, die engagierter dem Anspruch »Friedensstadt« nachkommen solle.     —-  Foto: privat



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