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Freitag, 06.08.2021 - Jahrgang 13 - www.daz-augsburg.de

HSV vs. FCA 1:1

Der FC Augsburg hat mit Glück und Geschick in Hamburg einen Punkt errungen. FCA-Keeper Mohamed Amsif war der beste Augsburger in einer von beiden Seiten schwer verstehbar geführten Partie, die DAZ-Berichterstatter Richard Goerlich in der Nacht zum Sonntag einer unerschrockenen Analyse unterziehen wird.

Von Siegfried Zagler

"Wer vom Fußball nichts versteht, soll draußen bleiben": Augsburger Rathaus

"Wer vom Fußball nichts versteht, soll draußen bleiben": Augsburger Rathaus


Goerlich war in Hamburg auf der Tribüne und sitzt in diesem Moment im Intercity nach Augsburg, um den zu Hause gebliebenen Fußballverstehern die Wahrheit des letzten Spieltages der Vorrunde der Fußballbundesliga aus Augsburger Sicht näher zu bringen. – In einem der interessanteren Fachbücher der Moderne beschreibt Hans-Georg Gadamer in „Wahrheit und Methode“ die Grenzen der menschlichen Erkenntnisfähigkeit und definierte dabei das Phänomen des Verstehens als hermeneutischen Prozess. Verstehen funktioniere nach Gadamer nicht nur über die Methodik wissenschaftlicher Analysen, sondern in erster Linie über die Form des Dialogs. Wahrheit zeige sich im Dialog, den man nicht nur mit einem Gesprächspartner führen könne, sondern auch mit einem Text oder einem Kunstwerk und selbstverständlich mit dem Verlauf eines Fußballspiels. Zugegeben: Letzteres steht nicht bei Gadamer.

“Denken ist sprechen mit sich selbst”

Die Wahrheit ist auch nicht auf dem Platz, wie der griechische Fußballphilosoph Otto „Rehakles“ einst postulierte, sondern zeigt sich im Sprechen über das schwer Verständliche. „Denken ist sprechen mit sich selbst“, dieses Zitat soll aus der Feder Platons stammen. Immerhin einer, der wie kein anderer das Denken als Schule begriffen hat. „Wer von Mathematik nichts versteht, soll draußen bleiben“. Diese berühmte Zugangsvoraussetzung ließ Platon über das Eingangsportal seiner Akademie meißeln.

„Wer von Fußball nichts versteht, soll draußen bleiben“, sollte man über den Sitzungssaal des Stadtrates ritzen. Damit wäre gesichert, dass unsere Parlamentarier die Gestaltung unserer Wirklichkeit nicht mit dem Streben nach politischem Erfolg verwechseln. Das „Management des Machbaren“ hat viel mehr mit Dialogfähigkeit, denn mit Rechthaben zu tun, deshalb muss man das dialogische Sprechen in Gestaltungsfragen hinsichtlich der gesellschaftlichen Wirklichkeit stärker als Denkschule begreifen. Daran muss die politische Kaste offensichtlich immer wieder erinnert werden, nicht nur in Augsburg. Wer von Fußball nichts versteht, soll draußen bleiben: Mit brennender Geduld wartet die DAZ-Leserschaft auf Richard Goerlichs tiefes Verständnis vom Sinn und Unsinn der Welt.