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Dienstag, 23.07.2024 - Jahrgang 16 - www.daz-augsburg.de

Brechtfestival

Gelungener Auftakt: Das Brechtfestival 2023 ist eröffnet

“Birthday Bash”: Man musste eine Klamauk-Veranstaltung befürchten, doch es sollte anders kommen. Der Auftakt zum diesjährigen Brechtfestival ist auf bemerkenswerte Weise gelungen.

Von Siegfried Zagler

Brechts Geburtstagstorte: Anschnitt von Augsburgs Kulturreferenten Jürgen Enninger und Kulturstaatsministerin Claudia Roth. Im Hintergrund: Bürgermeisterin Martina Wild – Foto: DAZ

Augsburgs Oberbürgermeisterin Eva Weber eröffnete am gestrigen Freitagabend in der Alevitischen Gemeinde in Lechhausen das diesjährige Brechtfestival mit einer kurzen Rede, die mit einer Schweigeminute für die Erdbebenopfer in der Türkei endete. Wenig später führte Damian Rebgetz mit ironischer Souveränität durch den Abend, der durch die Rede der Schriftstellerin Fatma Aydemir eine düstere politische Prägung erhielt – und dennoch den Spagat hin zur Fröhlichkeit einer unbekümmerten Geburtstagsfeier schlug.

Claudia Roth, Augsburger Bundestagsabgeordnete und Staatsministerin für Kultur und Medien überzeugte durch eine fulminante Festrede, die Brecht als einen Künstler zeichnete, dessen Ernsthaftigkeit darin bestand, indem er das Weltgeschehen ins Theater hinein dramatisierte – und somit laut Hannah Arendt und Marcel Reich-Ranicki auf unverdächtige Art als Künstler politisch gewesen sei.

“Bertolt Brecht ist Augsburger und ohne Augsburg ist Brecht nicht zu denken. Für Brecht war Augsburg vor allem eine frühe Bühne, die bürgerliche Kulisse, aus der er hervortreten und sich neu erfinden konnte. Und doch hat er uns so viel hinterlassen mit seinen Werken. Und was er hinterließ, das sehen, lesen und hören wir jetzt seit mehr als hundert Jahren, wenden es hin und her und stellen fest: Es ist unerschöpflich. Dass Bertolt Brecht es auch der Stadt Augsburg seit dem ABC-Festival wert ist, in jedem Jahr mit einem Festival gefeiert zu werden, freut mich sehr”, so Roth in ihrer Festrede. Die Veranstaltung befand sich nahezu durchgehend auf der Höhe ihres Anlasses, bewegte und erheiterte das Publikum. Das Brechtfestival unter der künstlerischen Leitung von Julian Warner läuft nun bis zum 19. Februar. Das Programm gibt es hier.