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Donnerstag, 18.04.2024 - Jahrgang 16 - www.daz-augsburg.de

Frieden kennt keine Feiertage: Augsburger Friedensfest findet würdigen Abschluss

Zu gering war in diesem Jahr das Platzangebot bei der Friedenstafel auf dem Rathausplatz, weshalb bereits gegen 11 Uhr alle 1500 Sitzplätze besetzt waren und viele Besucher in den umliegenden Cafes Platz nahmen oder die feiertagsberuhigte Maxstraße genossen. Dennoch: Das Augsburger Hohe Friedensfest fand auf dem Rathausplatz heute einen würdigen Abschluss.

Von Siegfried Zagler

Das Wetter spielte mit und nach kälteren Regentagen blinzelte eine angenehme Sonne durch die gelockerte Wolkendecke. Es gab trotz des Ukrainekrieges, der weiterhin ungelösten Seenot-Frage oder auch wegen eines kurzfristig abgesagten Israelvortrags im Kulturprogramm keine Flashmobs oder politische Vorträge.

Der Frieden kennt keine Feiertage und keine Sonntagsreden, um ihn muss gerungen werden. Davon war am heutigen Dienstag, den 8. August nicht viel die Rede, obwohl Oberbürgermeisterin Eva Weber bekannt gab, dass der diesjährige Friedenspreis an die Politikjournalistin Katrin Eigendorf vergeben wird. Die erste Preisträgerin, die nicht aus der Politik oder aus den Kirchen kommt. Eine kleine Zäsur, die passender kaum sein kann. “Das Friedensfest ist ein Fest der Versöhnung und der Gemeinschaft, so Weber. In Zeiten wie diesen käme dem Augsburger Feiertag eine wichtige Bedeutung zu, um weiter mit Zuversicht, Optimismus und Kraft in die Zukunft blicken zu können.

Da im Vorfeld ein umfangreiches Kulturprogramm stattfindet, wird die Augsburger Friedenstafel als Höhepunkt der Feierlichkeiten begriffen. Keine große Sache und dennoch ein großes Zeichen dafür, dass Friede nicht viel mehr braucht als Organisation und den Willen dazu. Menschen aller Konfessionen und aller Gesellschaftsschichten bringen Speisen und/oder Getränke mit und teilen sie mit ihren zufälligen Sitznachbarn. Reservierungen oder Gruppentische passen nicht zu diesem symbolisch Brauch, an dem auch dieses Jahr viele Augsburger teilnahmen, die am Vormittag einen Gottesdienst besuchten, um anschließend zur Friedenstafel zu gehen.

Das Hohe Friedensfest am 8. August ist seit 1950 ein gesetzlicher, auf die Stadtgrenzen Augsburgs begrenzter und weltweit einzigartiger Feiertag des Friedens. Es wird seit 1650 jedes Jahr – bis auf die Kriegsjahre 1942 und 1944 – gefeiert. Der Ursprung geht auf den Westfälischen Frieden von 1648 zurück, der das Ende der Unterdrückung der Protestanten während des Dreißigjährigen Krieges einleitete. Die evangelische Bevölkerung der Freien Reichsstadt Augsburg feierte dann am 8. August 1650 ihr erstes Hohes Friedensfest zum Dank dafür, dass ihr wieder volle Religionsfreiheit garantiert war.

Im Dezember 2018 wurde das Hohe Friedensfest zusammen mit weiteren Kulturformen in das bundesweite Verzeichnis des Immateriellen Kulturerbes der UNESCO aufgenommen. Zuvor war es Anfang 2018 bereits als immaterielles Kulturerbe in das Bayerische Landesverzeichnis aufgenommen worden. Im Oktober 2019 erhielt das Augsburger Friedensfest zudem den Heimatpreis Bayern.