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Montag, 26.10.2020 - Jahrgang 12 - www.daz-augsburg.de

FCA: Tabellenführer nach dem 2:0 gegen Dortmund

In seinem zehnten Bundesligajahr gelingen den Augsburgern zum Saisonauftakt erstmals zwei Siege in Folge. Dem 3:1 Auswärtssieg bei den Eisernen in Berlin folgte ein 2:0 Heimsieg gegen den haushohen Favoriten aus Dortmund, der den FCA zumindest für eine Nacht an die Tabellenspitze hievte und ihn von ganz oben auf seine Mitkonkurrenten herabschauen lässt.

Von Udo Legner

Abgesehen von einer Änderung in der Startelf – für Ruben Vargas lief Andre Hahn auf – vertraute FCA-Coach Heiko Herrlich der gegen Union Berlin siegreichen Formation. Erstmals nach sieben Monaten waren in der WWK Arena wieder Fans zugelassen, die, auch wenn deren Zahl auf 6.000 beschränkt war, den Augsburgern Auftrieb gaben, was nach dem Spiel von Heiko Herrlich entsprechend gewürdigt wurde: „Das Publikum hat uns heute getragen, das hat Kräfte freigesetzt.”

Imposanter Start der Borussia

Von Beginn an bestimmte der BVB das Spielgeschehen und drängte die Augsburger in die Defensive. Jude Bellingham (4.) sorgte für den ersten Torschuss der Dortmunder. Wenig später wurde es für FCA Keeper Gikiewicz schon brenzliger (6.), doch auch Witsels Torschuss aus 20 Meter wurde von ihm pariert. Das Kombinationsspiel des BVB gewann in den folgenden Minuten immer mehr an Sicherheit: Nach feinem Doppelpass von Sancho und Haaland (11.) hatte Sancho die Chance zum Führungstreffer, brachte aber nicht den nötigen Druck hinter seinen Schuss. Die tief stehende Defensive des FCA leistete sich in der ersten Viertelstunde zwar kaum Fehler, schaffte es aber auch nach Balleroberung nicht ein Konterspiel aufzuziehen. Die einseitige Bilanz der ersten 25 Minuten: 75 Prozent Ballbesitz für den BVB!

In der 27. Minute eine erste Halbchance für den FCA, die einem Patzer des Dortmunder Keepers Bürki geschuldet war. Meuniers riskanter Rückpass konnte vom Schweizer Nationaltorwart nicht kontrolliert werden, doch Niederlechner konnte aus diesem Missverständnis kein Kapital schlagen, weil der Winkel bei seinem Torschuss zu spitz war. In der Folge behielten die Dortmunder ein optisches Übergewicht, kamen gegen die aggressive Abwehr der Augsburger jedoch kaum zu klaren Torchancen.

Farbe ins Spiel brachte in dieser Phase der Unparteiische Martin Petersen, der erst Gregoritsch, dann Khedira (30.) und dann Haaland (31.) sowie Gouwelleuw (31.) Gelb zeigte. Auch im weiteren Verlauf ließen Fouls hüben wie drüben wenig Spielfluss aufkommen. Ein Foul von Can an Gregoritsch (40.) war es schliesslich, das dem FCA eine vielversprechende und folgenschwere Freistoßmöglichkeit verschaffte.

Ein Schuss, ein Tor

Der für seine gefährlichen Freistöße bekannte Daniel Caligiuri, der im Sommer von Schalke nach Augsburg gekommen war, zirkelte den Ball so präzise vor das Dortmunder Tor, dass Bürki düpiert wurde und gegen den Kopfball von Felix Uduokhai (40.) keine Chance hatte. Der FCA rettete die überraschende Führung gegen die einfallslose Dortmunder Offensive ohne größere Probleme in die Pause.

Fazit zur Halbzeit: Dank einer hochkonzentrierten Defensivleistung ging es für den FCA trotz der klaren Dortmunder Feldhoheit und eines Torschußverhältnisses (1:8) wie es negativer kaum ausfallen konnte, paradoxerweise nicht einmal ganz unverdient mit einer 1:0 Führung in die Pause.

Momentaufnahme: Auch wenn Bayern heute in Hoffenheim gewinnen sollte, bliebe der FCA für eine Woche auf Platz 2

In vielerlei Hinsicht waren die zweiten 45 Minuten ein Spiegelbild der ersten Halbzeit, zu der beide Teams unverändert aus der Kabine gekommen waren. Der BVB ergriff sofort die Initiative und es dauerte gerade mal zwei Minuten bis Haaland nach einer präzisen Flanke auf Can ein erstes Ausrufenzeichen setzte, dessen Kopfball nur knapp über die Latte strich. Die Borussia belagerte weiterhin die Augsburger Hälfte, doch das Augsburger Bollwerk hielt, nicht zuletzt weil den Dortmunder Angriffsbemühungen trotz des optischen Übergewichts jedes Überraschungsmoment fehlte.

Im Gegensatz zur ersten Häfte gelangen dem FCA jetzt einzelne Entlastungsangriffe: Gregoritsch (51.)und Niederlechner (52.) machten den Anfang.

Dritter Schuss, zweites Tor

Nur zwei Minuten später nutzte Caligiuri einen herrlichen Heber von Niederlechner, gab seinem Bewacher Meunier das Nachsehen und schob den Ball aus 11 Metern an dem chancenlosen BVB-Keeper Bürki vorbei zur sensationellen 2:0 Führung (54.) für den FCA.

Dortmunds Coach Lucien Favre reagierte und brachte mit Julian Brandt und Marco Reus zwei Nationalspieler (60.). Dass auch diese Wechsel wenig brachten, lag vor allem an der der weiterhin mit großem Einsatz kämpfenden Augsburger Defensivabteilung und nicht zuletzt an FCA-Keeper Ginkiewicz, der der Abwehr die nötige Sicherheit gab.

In der Schlussphase wurde es noch einmal dramatisch: Erst parierte Ginkiewicz mit dem Fuß Mats Hummels Schuss aus 11 Metern (85.) und kurz darauf (90.) spektakulär gegen Haaland, der von Sancho schön freigespielt worden war. In der letzten Minute der Nachspielzeit hatte der für Niederlechner eingewechselte Finnbogason sogar die Chance zum 3:0 (90. +5), wurde aber nach feinem Zuspiel von Iago zu weit abgedrängt. So blieb es beim grandiosen 2:0 Heimsieg des FCA gegen den Vizemeister aus Dortmund. FCA-Trainer Herrlich, dessen Wunsch (“Wenn die Schlagzeilen morgen wären: Spielerische Armut, Standardsituation für uns, dann bin ich zufrieden”) über alle Maße in Erfüllung ging, hatte alles richtig gemacht, obwohl man es zu Beginn kaum glauben konnte, dass der erneut träge wirkende Gregoritsch wieder in der Startelf stand.

Am nächsten Spieltag geht es für den FCA nach Wolfsburg (Sonntag, 15.30 Uhr). Nach dem effektiven Auftritt der Augsburger gegen Berlin und Dortmund ist es keineswegs ausgeschlossen, dass der Bilderbuchstart des FCA in seine zehnte Bundesligasaison dort seine Fortsetzung findet.

FC Augsburg:

Gikiewicz – Framberger, Gouweleeuw, Uduokhai, Iago – Gruezo, Khedira – Caligiuri, Gregoritsch, Hahn – Niederlechner Fredrik Jensen (57. für Michael Gregoritsch) Alfred Finnbogason (62. für Florian Niederlechner) Marek Suchý (90.+1 für Carlos Gruezo) Tobias Strobl (90. +2 für André Hahn).