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Dienstag, 04.12.2018 - Jahrgang 10 - www.daz-augsburg.de

FCA: Klar ist nur, dass nichts klar ist

Nach der Niederlage in Magdeburg befindet man sich in Augsburg im Zustand der Ratlosigkeit. Am kommenden Samstag (15.30 Uhr) treffen die Augsburger zum Bundesliga-Saisonauftakt auswärts auf den Hamburger SV, der – wie der FCA – gegen einen Drittligisten aus dem DFB-Pokal flog.

Von Siegfried Zagler

Der neue FCA-Kapitän Daniel Baier nannte den Saisonstart in Hamburg „Treffen der Pokaldeppen“, da in der 1. Hauptrunde des DFB-Pokals am vergangenen Wochenende nur der FCA und der HSV als Erstligisten die Segel streichen mussten. Wer die „Pokaldeppen-Partie“ verliert, steht sofort unter Druck. Und es sieht danach aus, dass nach dem blamablen Augsburger Ausscheiden in Magdeburg die Kreditlinie bei den geduldigen Augsburger Fans in Bezug auf die sportliche Leitung zu sinken beginnt. Ein roter Faden in Sachen Kaderzusammenstellung lässt sich beim FCA zwar erkennen, doch ein überzeugendes Konzept sieht anders aus.

Die Neuzugänge Rani Khedira, Michael Gregoritsch oder Marcel Heller, die die Abgänge im FCA-Mittelfeld (Kohr, Altintop) kompensieren sollen, zeigten in Magdeburg eine dergestalt schwache Leistung, dass ihnen seitens einiger FCA-Experten die Bundesligatauglichkeit abgesprochen wurde. Blamabel war das Augsburger Ausscheiden auch deshalb, weil der 1. FC Magdeburg dem FCA überlegen war und als hochverdienter Sieger vom Feld ging.

Man darf als Erstligaverein ein Ausscheiden aus dem DFB-Pokal gegen einen Drittligisten nicht als Warnschuss oder Schuss vor den Bug bezeichnen. Dafür hat dieser Wettbewerb einen zu hohen Stellenwert. Diese Niederlage ist ein Treffer in den Rumpf. Ist eine sportliche Katastrophe, deren Tiefenwirkung noch nicht abzuschätzen ist. Abschwächen lässt sich dieser schwere Einschuss nur mit historischen Vergleichen, denn der FCA hatte stets große Probleme in der ersten Runde – nicht als einziger Bundesligaklub. Und natürlich ist auch darauf hinzuweisen, dass der FCA nach dem Ausscheiden vor drei Jahren (ebenfalls gegen Magdeburg, damals spielte der Ostklub sogar noch in der Regionalliga) eine großartige Bundesligasaison spielte, die mit dem fünften Platz enden sollte. Allerdings war der FCA damals gegen Magdeburg das deutlich bessere Team und schied als Favorit mit dem üblichen Muster aus, nämlich mit spielerischer Überlegenheit, die nicht in Tore umgemünzt wurde.

I Die Torhüterfrage

Halten wir drei Tage vor Saisonstart in aller Ruhe fest, dass beim FCA in Sachen Mannschaftsgefüge, Spielsystem und Kaderplanung nur klar ist, dass nichts klar ist. Am einfachsten ist diese Kritik mit der aktuellen Kaderzusammenstellung und den zahlreichen Möglichkeiten der Mannschaftsaufstellung gegen Hamburg zu unterfüttern. Möglichkeiten, die eher Verlegenheitslösungen sind, denn Ausdruck von variantenreichen Systemoptionen. Selbst die Torhüterfrage ist beim FCA völlig offen. Hitz oder Luthe? Nichts ist selbstverständlich. Selbst Experten können den Eindruck nicht enkräften, dass FCA-Trainer Manuel Baum die Torhüterfrage von Spiel zu Spiel mit einem Münzwurf entscheidet.

II Die Abwehr

Mit Hinteregger, Gouweleeuw und Baier stehen nur drei Spieler als gesetzte Stammspieler für den Defensivbereich fest. Danso wäre ebenfalls eine beinahe gleichwertige Option für die Innenverteidigung. Denkbar wäre auch eine Dreierkette mit Hinteregger/Gouweleeuw/Danso.

Als Ersatz für den überraschend nach Wolfsburg abgewanderten Paul Verhaegh kommt als Rechtsverteidiger Framberger in Frage – oder eben Georg Teigl. Für Opare gilt, was für Teigl und Framberger in abgeschwächter Form ebenfalls zutreffend ist: Allen fehlt die Wettkampfhärte auf Bundesliganiveau. Alle drei Kandidaten sind nur bedingt bundesligatauglich. Besser gesagt: Der FCA besitzt zurzeit keinen Rechtsverteidiger, der bisher den Nachweis erbringen konnte, auf dieser Position in der Bundesliga bestehen zu können. Bei der Linksverteidigung sieht es anders aus. Mit Stafylidis und Max hat der FCA zwei Linksverteidiger in seinen Reihen, die – wenn man es wohlwollend sehen will – ihre Bundesligatauglichkeit zwar unter Beweis stellten, aber nach hinten und nach vorne den Ansprüchen auf dieser Position bestenfalls mit einem „Ausreichend“ genügten. Stafylidis wird gerade vom HSV umworben und befindet sich ohnehin auf dem Sprung. Bliebe nur noch Max, der in den vergangenen Spielzeiten nach vorne völlig wirkungslos blieb, weil er zu einfallslos und zu statisch zu Werke geht. Während man in Augsburg in der Innenverteidigung gut aufgestellt ist, fehlt es auf den Außenpositionen an Klasse.

III Die Sechser

Die Defensivpositionen des Mittelfelds sind nach dem Abgang Kohrs ebenfalls nicht eindeutig definiert. Daniel Baier gilt mit seinen 33 Jahren als gesetzt. Daneben könnte Rani Khedira spielen oder Gojko Kacar. Letzterer ist verletzt und hat zudem im letzten Jahr nicht wirklich überzeugt. Bei Khedira muss man abwarten können. Aktuell scheint er überfordert. Aber kann der FCA sich Warten leisten? Wohl eher nicht.

IV Die zentralen Anspielstationen

Moritz Leitner blieb bisher nicht viel mehr als eine uneingelöste Versprechung und Jan Moravek kämpft mehr mit sich und seinen Verletzungen als mit der Freude am Spiel. Moravek wäre, würde er eine Saison durchspielen können, ein großartiger Spieler, der auch dort wirken könnte, wo es beim FCA seit langer Zeit mangelt, nämlich am finalen Zuspiel mit Präzision. Vielleicht kommt Gregoritsch groß in Fahrt, vielleicht auch nicht. Ja-Cheol Koo wäre in jeder Hinsicht ein Spieler, der den FCA in der Offensive führen könnte, läuft aber nach Verletzungen monatelang seiner Form hinterher. In der zentralen Kreativ-Abteilung fehlt es an zuverlässiger Qualität. Das Gleiche lässt sich für die Außenbahnen feststellen.

V Die Außenbahnen

Ji hat in zahlreichen Spielen unter Beweis gestellt, dass er sich links zu selten durchsetzen kann, in der Mitte völlig verloren ist und zu oft einfache Bälle verliert. Erik Thommy ist ein technisch starker Spieler, dem ein wenig die physische Stärke abgeht, für Usami gilt das Gleiche. Physisch stark sind dagegen Jonathan Schmid und Marcel Heller. Schnell sind sie auch, aber dafür einfallslos. Bei beiden Spieler hat man den Eindruck, sie können nur geradeaus laufen. Als Fazit gilt, dass der FCA auf den Außenbahnen deutlich zu schwach besetzt ist. Die Hoffnung heißt Sergio Cordova und ist gerade 20 Jahre alt geworden. Bei Caiuby, der ohnehin kein echter Außen ist, gilt, dass er nach seiner langen Verletzungsphase wieder zu seiner Form finden muss.

VI Der Sturm

Raul Bobadilla: Entweder weltklasse oder nicht zu ertragen (c) Siegfried Kerpf

Raul Bobadilla: Entweder weltklasse oder nicht zu ertragen (c) Siegfried Kerpf


Im Sturmzentrum stehen dem FCA zwei Spieler zur Verfügung, die unterschiedlicher nicht sein können. Alfred Finnbogason ist ein Teamplayer, der viel nach hinten arbeitet und nach vorne auf den finalen Pass spekuliert. Bei Finnbogason ist darüber hinaus festzuhalten, dass er wegen seiner technischen Defizite zuviele Bälle verliert und aus diesem Grund in der Bundesliga verloren wirkt. Ganz anders Raul Bobadilla, der alle Fähigkeiten besitzt, die ein guter Zentrumsstürmer zu besitzen hat: Dribbelstärke, Schussstärke, Durchsetzungsfähigkeit und große Fähigkeiten in der Ballbehauptung. Ist er in Form und sieht die Laufwege seiner Mitspieler, gehört Bobadilla zu den stärksten Mittelstürmern der Liga. Das Problem ist nur, dass Bobadilla zuletzt kaum in Form war, Übergewicht hatte und Augsburg verlassen will.

VII Das Fazit

Nehmen wir mal an, Hitz geht. Hätte der FCA in diesem Fall zwei bundesligataugliche Torhüter? Wohl eher nicht. Nehmen wir an, Stafylidis geht. Hätte der FCA einen guten Linksverteidiger. Wohl eher nicht. Nehmen wir an, Bobadilla geht. Hätte der FCA einen guten Mittelstürmer? Sicher nicht. Auf den Außenbahnen zu statisch und im Mittelfeld hängt zu viel daran, dass Koo und Moravek, Gregoritsch und Khedira in eine Form kommen, von der sie aktuell weit entfernt sind. Zuviel ist beim FCA auf Option gebaut. Zu wenig Sicherheit geht von diesem Kader aus, der in der Tiefe längst nicht ausreicht, um den Abstieg vermeiden zu können.

Der FCA startet am kommenden Samstag in seine schwierigste Saison. Mit Hannover und Stuttgart sind zwei Aufsteiger zu vermelden, die kaum etwas mit dem Abstieg zu tun haben werden. Kleine Vereine wie Düsseldorf, Paderborn, Darmstadt, Braunschweig, Ingolstadt, Kaiserslautern, Fürth oder auch der Club, die in der Vergangenheit abgestiegen sind, fehlen in dieser Saison. Dieses Jahr muss man auf Freiburg hoffen – oder auf Mainz und vielleicht strauchelt wieder der HSV oder ein anderer Klub kommt in eine unvorhersehbare Abwärtsspirale. Möglich wäre es immerhin.

Schwer vorstellbar ist auch, wie Baum den gesamten Kader, der nur einen Wettbewerb zu bestreiten hat, mit Wettkampfhärte in Form halten will. Der FCA braucht in allen Mannschaftsteilen sofort Verstärkung, die unmittelbar Qualität bringt. Weitere Optionsspieler würden Stefan Reuter schwer in die Kritik bringen.



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