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Mittwoch, 15.09.2021 - Jahrgang 13 - www.daz-augsburg.de

Erinnerungskultur in Augsburg?

Initiative will neue Formen diskutieren – Veranstaltung am Samstag



Viele Menschen in Augsburg setzen seit langem in vielfältiger Art mit den Verbrechen der NS-Zeit auseinander und gedenken der Verfolgten, Vertriebenen und Ermordeten des Unrechtsregimes. Bislang handelt es sich dabei um vereinzelte, höchst unterschiedliche Formen des Erinnerns, die nicht im Zusammenhang stehen oder aufeinander Bezug nehmen. Von Jüdischen Kulturmuseum und dem Evangelischen Forum Annahof geht nun mit Unterstützung der Stadt eine Initiative aus mit dem Ziel, solche Einzelaktivitäten zu bündeln und daraus eine „Erinnerungskultur in Augsburg“ zu schaffen. Da immer weniger Zeitzeugen gehört werden können, halten es die Initiatoren für wichtig, die vorhandenen Erinnerungszeichen im Stadtbild in einen gemeinsamen Kontext zu stellen und sie durch neue Formen zu ergänzen, an denen sich möglichst viele Bürger beteiligen – kurz: Die gemeinsame Erinnerungskultur für Augsburg zu stärken.

Im Rahmen einer Auftaktveranstaltung zum Thema sollen unterschiedliche Akteure aus der Bürgerschaft Wege beschreiben, wie eine solche Erinnerungskultur in Augsburg aussehen könnte. Diese Veranstaltung findet statt am kommenden Samstag, 28. Januar 2012 im Augustana-Saal (Im Annahof 4) von 16 bis 22 Uhr.

Nach Vorstellung und Diskussion von unterschiedlichen Erinnerungszeichen in anderen Städten und bereits bestehenden Zeichen in Augsburg spricht um 19 Uhr Prof. Dr. Wolfgang Frühwald zum Thema Erinnerungskultur. Anschließend stehen die vorgestellten Modelle zur Diskussion.

Der genaue Ablauf der Veranstaltung:

16.00 – 18.00 Uhr:

Erinnerungszeichen an die NS-Diktatur. Moderierte Vorstellung ausgesuchter Modelle:

  • Denknadeln des Arbeitskreises „Erfurter GeDenken 1933-45“ – Ines Beese, Stadtverwaltung Erfurt, Leiterin Alte Synagoge und Begegnungsstätte Kleine Synagoge.
  • Gegen das Vergessen: Stolpersteine für Stuttgart, Martin Rexer, Arbeitskreis Euthanasieopfer.
  • Initiative „Stolpersteine in Regensburg“, Dieter Weber, Evangelisches Bildungswerk Regensburg.
  • Kofferprojekt München, Wolfram P. Kastner, Institut für Kunst und Forschung München.
  • Memory Loops München, Kerstin Möller, Kulturreferat der Landeshauptstadt München.
  • Erinnerungszeichen in Augsburg, Dr. Benigna Schönhagen, Leiterin des Jüdischen Kulturmuseums.

19.00 Uhr

Erinnern und Vergessen – Die Gedächtniskultur in Deutschland. Vortrag von Prof. Dr. Wolfgang Frühwald mit anschließender Diskussion. Moderation: Angela Bachmair, Augsburg. Wolfgang Frühwald, geboren 1935 in Augsburg, ist Professor (em.) für Neuere Deutsche Literaturgeschichte an der Ludwig-Maximilians-Universität München. Sein wissenschaftspolitisches Engagement (u.a. 1992-1997 als Präsident der Deutschen Forschungsgemeinschaft, 1999-2007 als Präsident der Alexander von Humboldt-Stiftung) sowie sein vielfältiges Werk haben ihn weit über sein Fachgebiet hinaus bekannt gemacht und ihm zahlreiche hohe Auszeichnungen eingetragen. Zu seinen jüngsten Publikationen gehören auch solche zu Politik, Bildung und Erinnerungskultur.

» Der gesamte Flyer zu Veranstaltung (pdf, 531 kB)