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Freitag, 19.08.2022 - Jahrgang 14 - www.daz-augsburg.de

Die halbe Million ist voll

Stadtbücherei: Der Andrang lässt nicht nach

Von Frank Heindl

Das Umfeld ist schwierig: Die Stadtbücherei klagt über zu wenige Mitarbeiter, das Publikum über zu wenige Bücher. Doch die Erfolgsbilanz kann sich sehen lassen: Nach nur 14 Monaten im neuen Gebäude der Augsburger Stadtbücherei durchschritt am Mittwoch der 500.000 Besucher die Glastür, die in die Bücherwelt führt. Genauer gesagt: die 500.000. Besucherin.

Neue Stadtbücherei

Ariane Duelli, so heißt die Jubiläumskundin, wurde im Foyer gleich von einem ganzen Komitee empfangen. Die Presse und das Fernsehen waren da, vor allem aber warteten Bibliotheksleiter Manfred Lutzenberger, Kulturbürgermeister Peter Grab und Pressereferentin Christiane Hempel auf die Besucherin und überreichten Geschenke: Von Grab gab’s einen Blumenstrauß, von der Bibliothek ein Buch und einen Gutschein für 1 Jahr kostenfreie Bibliotheksnutzung. Positive Schlagzeilen – das können Bücherei und Bürgermeister brauchen, da überreicht man umso lieber mal ein Sträußchen.

Mit Ariane Duelli hatte der Zufall immerhin eine „verdiente“ Bibliotheksbesucherin ausgewählt: Die Neusässerin arbeitet in Augsburg und kommt nach eigenen Angaben zwei- bis dreimal wöchentlich, um sich vor allem mit englischsprachiger Literatur, mit Krimis und mit Reiseführern zu versorgen – eine ausgesprochene Vielleserin also. Am Mittwoch ging’s ihr speziell um Informationen über das englische Cornwall, wohin sie demnächst in Urlaub aufbrechen will.

Zu wenige Bücher, zu wenig Personal

„Bei Reiseführern kann’s knapp werden“, musste Bibliothekschef Manfred Lutzenberger allerdings die Erwartung dämpfen – und schon war man wieder mitten im Thema: Nach wie vor klagen Nutzer und Beobachter über eine zu geringe Medienausstattung der Bibliothek, während das Personal darüber stöhnt, man komme mit dem Auspacken und Bereitstellen der neuen und dem Wiedereinsortieren der zurückgebrachten Bücher nicht schnell genug nach. Eine gewichtige Rolle spielt natürlich die Urlaubssaison: Der Bestand, so Lutzenberger, werde gerade in diesen Wochen „sehr stark in Anspruch genommen“, außerdem können man von Bibliotheksseite nicht so schnell „ausbügeln, was in zehn oder fünfzehn Jahren versäumt worden ist.“

Nach wie vor sind Lutzenberger und Peter Grab überzeugt davon, die Bücherei sei auf dem richtigen Weg. Wie die ungelösten, aber dank OB-Einspruch neu zu diskutierenden Fragen zu Öffnungszeiten und Personaleinsatz gelöst werden, ist aber nach wie vor offen. Lutzenberger erarbeitet derzeit eine Beschlussvorlage, der Stadtrat soll in seiner Feriensitzung im August entscheiden, wie es dann weitergeht. Es werde wohl, hofft Lutzenberger, darauf hinauslaufen, dass die Stadt ihm Verwaltungspersonal zur Verfügung stelle. Ob und wie schnell das Bibliothekspersonal, das über übermäßige Arbeitsbelastung klagt, zufriedengestellt werden kann, hänge von drei Faktoren ab: Wie viel Personal kommt neu hinzu, wie qualifiziert sind die neuen Mitarbeiter und wie lange dauert es, bis sie zuverlässig eingearbeitet sind. Bis diese Entscheidungen gefallen seien, so Lutzenberger, „kommen wir noch über die Runden.“

Trotz teilweise stark ausgedünntem Buchbestand in den Regalen hält der Andrang auf die Stadtbücherei unvermindert an. Eine halbe Million Kunden in 14 Monaten – das ist eine Bilanz, die nicht nur Lutzenberger „phänomenal“ findet. Mit Bücherbus und den Zweigstellen in den Stadtteilen kommt die Bücherei auf 500- bis 550.000 Besucher pro Jahr. Das sind, auf eine Sechs-Tage-Woche umgerechnet, durchschnittlich mehr als 1750 Besucher – pro Tag.