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Sonntag, 28.11.2021 - Jahrgang 13 - www.daz-augsburg.de

Der Kommentar: abc-Schützen

Eine ungewöhnliche Plattform wählte heute Kulturreferent Peter Grab im Streit um die Besucherzahlen des abc-Festivals und früherer Literaturveranstaltungen. Er nutzte das Internet-Presseportal der Stadt Augsburg für eine „Persönliche Erklärung“.

Der Streit zwischen Stadtrat Karl-Heinz Schneider (SPD) und Peter Grab (Pro Augsburg) ist allerdings wirklich auf einer sehr persönlichen Ebene angelangt: „In jüngsten medialen Äußerungen spricht Stadtrat Karl-Heinz Schneider über Inhalte früherer Verträge, die ich in meiner damaligen Funktion als Kulturmanager für die Stadt Augsburg mit selbiger abgeschlossen habe. Dies ist ein ungewöhnliches Vorgehen – gilt doch bei mit Dritten geschlossenen Verträgen der Vertrauensschutz“, so Grab wörtlich in seiner heutigen Erklärung. Es geht also nicht um Grabs Tätigkeit im Amt, sondern um die als früherer privater Vertragspartner der Stadt. Laut Schneider könnte Grab durch höher ausgewiesene Besucherzahlen seine Provisionen aufgebessert haben. Sehr verständlich, dass Grab sich persönlich angegriffen und in seinen Rechten verletzt fühlt, noch dazu unqualifiziert: es habe nämlich gar keinen Zusammenhang zwischen Besucherzahlen und damaliger Vergütung gegeben. Die Bühne ist aber von beiden Seiten schlecht gewählt: Weder gehört ein solcher Vorwurf in die Öffentlichkeit noch gehört er auf der offiziellen Webpräsenz der Stadt dementiert.

„Den Ausschuss gezielt angelogen“

Schneiders zweiter Vorwurf, Grab habe den Kulturausschuss „gezielt angelogen“, scheint bei diesem ebenfalls tief zu sitzen. „Respektlos“ sei eine solche Äußerung, weist Grab die Aussagen Schneiders zurück und schiebt ihm dafür gar den Schwarzen Peter für die um sich greifende Politikverdrossenheit zu. Sehr pauschal und weit gehend. Lügen scheint nämlich dem Ansehen der Politiker überhaupt keinen Abbruch zu tun: Laut einer Umfrage des Neon-Magazins kurz vor der letzten Bundestagswahl 2006 sind 20% der Bürger der Meinung, alle Politiker würden lügen, weitere 51% antworteten mit „die meisten“. Trotzdem wählen wir sie. Die taz stellte kurz darauf die konsequente Frage „Müssen Politiker lügen?“ in den Raum. Also: auch wenn ein – immer Absicht implizierender – Lügenvorwurf nicht gerade die feine Art ist, sollte man als Politiker darüber stehen können.

Wenigstens zum drittem Kritikpunkt in Grabs Erklärung sollte freilich eine öffentliche und objektive Wahrheitsfindung möglich sein. Während Karl-Heinz Schneider und Stadtrat Dr. Stefan Kiefer (ebenfalls SPD) behaupten, Albert Ostermaier habe ein Konzept für künftige abc-Festivals vorgelegt, behauptet Peter Grab, keines erhalten zu haben und bestreitet dessen Existenz. Wo ist es denn nun?

Bruno Stubenrauch

Im Internet:

Persönliche Erklärung von Bürgermeister und Kulturreferent Peter Grab