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Dienstag, 23.07.2024 - Jahrgang 16 - www.daz-augsburg.de

Debatte ums Friedensfest: OB Weber meldet sich zur Wort und räumt Fehler in der Kommunikation ein

Die Debatte um das Kulturprogramm des Augsburger Friedensfestes nimmt weiter Fahrt auf. Ein offener Brief und ein Statement von OB Weber sind die relevanten Beiträge des heutigen Tages.

Eva Weber © DAZ

In einem Facebookposting lässt Augsburgs Oberbürgermeisterin keinen Zweifel an dem Sachverhalt, dass das Kulturprogramm 2024 vor einer Neuausrichtung steht: “Die Zeiten haben sich verändert. Seit einem Jahr herrscht in Europa wieder Krieg. Für mich Anlass darüber nachzudenken, wie wir mit unserem Friedensfest und dem Begriff „Friedensstadt“ weiter umgehen wollen. Dabei ist es mir wichtig, die Bereiche auseinanderzuhalten: Es geht meiner Ansicht nach um den Kern des Hohen Friedensfestes, um das kulturelle Rahmenprogramm rund um den 8. August und um die unterjährige Friedensarbeit in unserer Stadt.” Die aktuelle Diskussion, die um das Kulturprogramm des Hohen Friedensfestes entstanden sei, habe auch damit zu tun, dass die Kommunikation zum Beschluss des Kulturausschusses zum Friedensfest besser hätte laufen müssen, so Weber. “Der Fehler darf gerne mir angerechnet werden.”

Beim kulturellen Rahmenprogramm stelle sich die Frage, so Weber, ob man in den neuen Zeiten Veränderungen vornehmen solle. Und es gehe auch darum, wie man das Thema „Frieden“ ganzjährig noch spürbarer und vor allem noch breiter in der Stadt platzieren könne, wie man in unserer vielkulturellen und vielreligiösen Stadt den Inhalt des Hohen Friedensfestes in die heutige Zeit übersetzen und Schulen, Vereine und aktives Stadtleben unterjährig in die Friedensarbeit einbinden könne. “Hier müssen meiner Ansicht nach Formate diskutiert werden, die neben kulturellen Inhalten wirken können.”

“Um all diese Fragen zu klären, für die es keine Vorfestlegungen gibt, hat der Kulturausschuss mit einer breiten Mehrheit die Verwaltung beauftragt, sich in einem partizipativen Prozess mit unseren Partnerinnen und Partnern genau darüber Gedanken zu machen.” Ziel sei es, Eckpfeiler für die Arbeit des Friedensbüros ab 2024 für die Ausgestaltung des Hohen Friedensfestes und daneben die ganzjährigen Tätigkeiten zu definieren. OB Weber legte in ihrem Posting Wert darauf, dass diese Initiative aus dem OB-Referat keine Kritik am bisherigen Format bedeute. Dieses Format sei für die vergangenen Jahre ein gutes Format gewesen, so Weber in ihrem Facebookposting.

Unabhängig davon schlug ein offener Brief an Oberbürgermeisterin und Stadtrat Wellen:

Sehr geehrte Frau Oberbürgermeisterin Weber, sehr geehrte Stadträtinnen und Stadträte, mit Überraschung haben wir aus den Medien erfahren, dass das Programm zum Hohen Friedensfest in diesem Sommer kein Jahresmotto haben soll. Ebenso hat uns überrascht, dass das Friedensfest aus nicht nachvollziehbaren Gründen einen neuen Zuschnitt bekommen soll, und dazu ein Beteiligungsprozess eingeleitet werden soll– mit einem Beschluss gegen die Empfehlung des Kulturbeirats. Christiane Lembert-Dobler und ihr Team moderieren Jahr für Jahr einen Beteiligungsprozess, in dem die Möglichkeit gegeben wird, gemeinsam ein Programm zu erarbeiten, das inhaltlichen Anspruch, Freiräume für Kreativität und niederschwellige Zugänglichkeit verbindet. Ein erheblicher Teil des Einsatzes für unsere Stadt wird dabei als ehrenamtliches Engagement erbracht. Als Kooperationspartner*innen erleben wir die Arbeit des Friedensbüros hierbei als zugewandt und äußerst wertschätzend. So kommen im Programm viele Menschen aus sehr unterschiedlichen Teilen unserer vielfältigen Stadtgesellschaft zusammen – das ist gelebte Friedensarbeit in Augsburg. Aus unserer eigenen Praxis wissen wir, dass gelingende Partizipation auf Vertrauen beruht. Vertrauen, wie es in der gemeinsamen Arbeit am Programm zum Friedensfest gewachsen ist. Wir möchten mit diesem Brief unserer Sorge Ausdruck verleihen, dass bei dem Anliegen, das Konzept des Programms zum Hohen Friedensfest zu überprüfen, die Verdienste des Friedensbüros nicht hoch genug und der tatsächliche Sachverhalt nicht adäquat eingeschätzt werden.

Unterzeichnet wurde das Schreiben von der Augsburger Friedensinitiative (AFI) BLUESPOTS PRODUCTIONS BRÜCKE e.V. / Deutsche Friedensgesellschaft-Vereinigte KriegsdienstgegnerInnen (DFG-VK) Augsburg/ Die andere Reformation Die Bunten e.V. / Dorothea Schroeder F*AMLab Augsburg /Grandhotel Cosmopolis / Integrationsbeirat Augsburg / Junges Theater Augsburg / Just Kids Festival / Kulturpark West gGmbH / MediationAugsburgSchwaben e. V. / OpenAfroAux / Pareaz e.V. / Plan A, Staatstheater Augsburg / Prof. Dr. Stephanie Waldow / Sensemble Theater Augsburg / Stadtjugendring Augsburg / KdÖR Stadtraum e.V. (Taubenschlag) / theter ensemble / Tür an Tür / Werkstatt Solidarische Welt e.V. 7 ZAM e.V.