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Montag, 23.01.2023 - Jahrgang 15 - www.daz-augsburg.de

Mensch und Tier

Debatte um Messe „Jagen und Fischen“

Zirka 25.000 Besucher zeigten von Freitag bis Sonntag auf der Messe „Jagen und Fischen“ ihr Interesse an den Angeboten der zirka 300 Ausstellern, die ihre Produkte unter dem Motto „Tradition trifft Moderne“ vorstellten. Für Ärger sorgten zahlreiche Tierschutzorganisationen und Stadtrat Christian Pettinger.

Tierschützer auf der Augsburger Messe „Jagen und Fischen“ Foto: privat

Die Augsburger Messegesellschaft zog am Ende der Veranstaltung eine positive Bilanz. Aussteller der „Jagen und Fischen“ auf dem Augsburger Messezentrum seien zufrieden mit der ersten Messen nach den corona-bedingten Ausfällen in den vergangenen Jahren.

Die Messe habe sich „neuer, frischer, moderner“ präsentiert, heißt es. Süddeutschlands erfolgreichste Branchenmesse für Jäger, Angler, Natur- und Outdoor-Begeisterte habe auch durch ihre Internationalität gepunktet. „17 Länder waren unter den ausstellenden Unternehmen vertreten. Auch unter den Besuchern kamen viele aus dem Ausland, vor allem aus Österreich und der Schweiz.“  „Zum 10. Mal konnten wir in diesem Jahr mit der Jagen und Fischen unseren traditionellen Auftakt ins Messejahr feiern – und das war ein voller Erfolg. Die kompaktere Konzeption zusammen mit den neuen Erlebniswelten, die zahlreichen weiteren Highlights, die für Besucher geboten wurden, haben überzeugt.“ So Lorenz A. Rau, Geschäftsführer der Messe Augsburg, der sich rundum zufrieden zeigte.

Stadtrat Christian Pettinger brachte dagegen die Angebote von drei Ausstellern in Rage, „die wie auch schon in früheren Jahren wieder Trophäenjagden in Südafrika und Namibia anboten“, so Pettinger, der sich darüber aufregt, dass Touristen (eine Jagdausbildung ist nicht erforderlich) je nach Geldbeutel alle nur erdenklichen geschützten Tierarten für sich zum Abschuss aussuchen können: nicht nur Antilopen, sondern auch Zebras, Wasserbüffel, Geparden, Löwen oder Elefanten o.a. werden angeboten.“

Diese Praxis des Jagdtourismus steht schon seit Jahren in der Kritik der Tier- und Artenschutzverbände weltweit. Auch die ÖDP hat sich hier seit Jahren für ein generelles Verbot ausgesprochen. Aktuell setzt sich auf europäischer Ebene die Europaabgeordnete der ÖDP, Manuela Ripa, für ein solches Verbot ein: „Die Jagd auf geschützte Arten ist weder ethisch vertretbar noch nachhaltig, sie widerspricht dem Artenschutz und gefährdet außerdem den Klimaschutz“, so Manuela Ripa.

Christian Pettinger

Für Augsburgs ÖDP-Stadtrat Christian Pettinger war die aktuelle Messe „Jagen und Fischen“ auf dem Augsburger Messegelände bereits im September Anlass, über eine Anfrage an die Oberbürgermeisterin Frau Weber abzuklären, ob die Stadt mit ihrer Messe weiterhin den Anbietern von Jagdtrophäenreisen eine Plattform bieten wolle. Wie der zuständige Wirtschaftsreferent Dr. Hübschle nun kurz vor Messestart in seiner Antwort verlauten ließ, überprüfe die Messegesellschaft , ob alle Anbieter die gesetzlichen Bestimmungen einhielten. Und im Übrigen biete sich ja gerade die Messe an als Dialogplattform zwischen den Trophäenjägern und den Tierschützern, so Augsburgs Wirtschaftsreferent Wolfgang Hübschle, dessen Antwort Pettinger nicht ernst nahm:  „Ein Dialog mit den Trophäenjagdanbietern wäre völlig aussichtslos, da der Jagdtourismus inzwischen schier industrielle Maßstäbe angenommen hat. Hier kann nur eine politische Ächtung helfen: die Gesetze auf Europäischer Ebene müssen endlich wasserdicht gemacht werden und den Anbietern darf nirgendwo – also auch nicht hier in Augsburg – eine Forum für ihre unsäglichen Angebote geboten werden“, so Pettinger.

Unabhängig von Pettinger war von einem Bündnis aus 26 Tier- und Artenschutzverbänden unter Führung des Pro Wildlife e.V. ebenfalls ein Schreiben an Oberbürgermeisterin Weber geschickt worden, indem sich die Verbände eindringlich dafür aussprachen, die Messe „‘Jagen und Fischen‘ frei von Angeboten zur Trophäenjagd“ zu machen. Pettinger sieht sich durch das Votum der Tierrechtsverbände bestätigt: „Ich möchten den Aufschrei aus der deutschen Jägerschaft nicht hören, wenn hier in unseren Wäldern ausländische Touristen nach Belieben die größten und schönsten Tiere abknallen könnten. Aber umgekehrt wird auf der Jagdmesse geduldet, dass Anbieter dazu einladen, in anderen Ländern geschützte Tierarten zu erlegen.“ Dies sei in seinen Augen im höchsten Grade verwerflich und erinnere stark an die Gepflogenheiten aus der Kolonialzeit. Dass zukünftig keine Trophäenjagden mehr im Augsburger Messezentrum verkauft werden dürften, wäre durch die Einführung eines Artenschutzkodexes oder einer Artenschutzsatzung für die Messe möglich, so wie das bereits auf der Dortmunder Jagdmesse praktiziert werde.