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Mittwoch, 28.09.2022 - Jahrgang 14 - www.daz-augsburg.de

Diskurs

Gender-Debatte: Zerstörung von Machtstrukturen oder Zerstörung der Sprachstruktur?“

Am Montag, 21. März 2022 findet ab 19 Uhr im Jazz Club eine möglicherweise interessante Diskussion zum Thema „Gendern“ statt.

„Sprachreinigung“, „Redeverbote“, „Cancel Culture“, „Identitätspolitik“ – Hinter diesen Begriffen stehen ganze Glaubenswelten. „Was darf ich überhaupt noch wie sagen oder schreiben!?“, fragen sich die einen. „Wie kann ich im Strudel der Argumente meine Position finden“, überlegen die anderen.

Die Zusammensetzung von Worten, die Magie der 24 Buchstaben, folgt immer auch einer Ästhetik. Wird diese durch das Gendern, durch Gendersternchen, Doppelpunkte, Bindestrich und Binnen-I zerstört oder gewinnt sie hinzu?

Wie kann und darf sich Sprache verändern? Muss sie sich nicht sogar verändern, weil (im Falle des Genderns) die Sprache die Akzeptanz geschlechtlicher und sexueller Vielfalt deutlich macht? Wer bestimmt das? Wer ergreift das Wort und welche Rolle spielt beim Gebrauch von Worten der historische Kontext? Geht es in der ganzen Diskussion darüber eigentlich um etwas Anderes? Wenn ja, um was?

Darüber diskutieren am 21. März im Rahmen der Veranstaltungsreihe „DenkRaum“ der Schriftsteller Matthias Politycki und die Kulturwissenschaftlerin und Regisseurin Jessica Glause.

Politycki ist mit einem Beitrag in der Anthologie „Ruiniert Euch! Literatur und Theater zu Politik und Engagement“ vertreten, die 2021 zum Augsburger Friedensfest veröffentlicht wurde. Zum Thema „Gendern“ und den Forderungen der Identitätspolitik hat er eine klare Haltung – er sieht dadurch „die Freiheit der Phantasie, die Freiheit des Gedankens und der Sprache tatsächlich bedroht.“ (NZZ). Das Phänomen bewog ihn sogar von Deutschland nach Wien umzuziehen, das er als eher „sprachliberal“ empfindet.

Für Jessica Glause ist ihr Arbeitsplatz, das Theater, ein wichtiger Ort für den öffentlichen Diskurs und die Möglichkeit, Kontroversen herauszuarbeiten: „Theater ist Spiegel der Gesellschaft und muss für mich den Status Quo untersuchen. Deshalb sehe ich in meiner Arbeit häufig die Themen Vielfalt, Heterogenität, Identität aber auch Herkunft und Gender immer wiederkehren.“ (deutschestheater.de)

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Veranstalter des Formats „DenkRaum“ sind das Friedensbüro der Stadt Augsburg mit den Kooperationspartnern Jüdisches Museum Augsburg Schwaben, vhs und Evangelisches Forum Annahof. Seit 2019 bietet die partizipative Redereihe die Möglichkeit, aktuelle gesellschaftspolitische Themen mit Expertinnen und Experten zu diskutieren. Gäste waren bisher u. a. die Journalistin Mešale Tolu, die Autorin und Journalistin Sophie Passmann, der Bayerische Antisemitismusbeauftragten Dr. Ludwig Spaenle, die Kommunikationssoziologin Dr. Natasha A. Kelly und der Historiker und Experte für Verschwörungserzählungen Dr. Claus Oberhauser.

Jessica Glause – © Gerald v. Foris

Jessica Glause arbeitet als Regisseurin im deutschsprachigen Raum. Ihr Schwerpunkt liegt auf recherchebasierten Stückentwicklungen und zeitgenössischer Dramatik. Glauses Inszenierungen wurden mehrfach zu Festivals eingeladen und mit Preisen ausgezeichnet. 2018 verlieh ihr die Stadt München den Förderpreis Theater. Große Aufmerksamkeit erregte ihre jüngste Arbeit „Bayerische Suffragetten“ an den Münchner Kammerspielen, in der sie eine Brücke von der Münchner Frauenbewegung im 19. Jahrhundert bis heute schlägt. Zurzeit arbeitet sie u.a. am Schauspiel Frankfurt, am Theater Freiburg, den Münchner Kammerspielen und am Volkstheater München. Neben ihrer künstlerischen Arbeit ist Jessica Glause regelmäßig als Jurorin und Dozentin tätig.

 

 

 

Matthias Politycki © Alexander Tempel

Matthias Politycki schreibt seitdem er 16 ist und wurde schon mit seinem Romandebüt als „Formfex im Sprachfels“ (Die Welt) gefeiert. Sein Werk besteht heute aus über 30 Büchern, darunter mehrere Romane, Erzähl- und Gedichtbände sowie vielbeachtete Sachbücher und Reisereportagen. Er gilt als großer Stilist und einer der vielseitigsten Schriftsteller der deutschen Gegenwartsliteratur. Politycki ist Mitglied des PEN-Zentrums Deutschland und der Freien Akademie der Künste in Hamburg. Sein Artikel „Mein Abschied von Deutschland“, veröffentlicht in der FAZ am 17. Juli 2021, eröffnete eine breite Diskussion über Kunst- und Meinungsfreiheit in Deutschland. Am 2. März erscheint sein Buch: „Mein Abschied von Deutschland. Wovon ich rede, wenn ich von Freiheit rede“.