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Freitag, 01.03.2024 - Jahrgang 16 - www.daz-augsburg.de

Bundesliga: Aus der Mitte entspringt ein Fluss

Der FC Augsburg gewinnt in der 13. Runde der Fußballbundesliga gegen Eintracht Frankfurt spektakulär mit 2:1. Frederik Jensen (35.) und Iago (58.) erzielten die Tore für den FCA. Der Frankfurter Anschlusstreffer muss FCA-Keeper Dahmen als Eigentor angerechnet werden, weil er einen Querpass unglücklich mit der Wade ins eigene Tor lenkte (78.). 

Von Siegfried Zagler

Beginnen wir ausnahmsweise mit dem Schluss: 

Vor 26.107 Zuschauern in der heimischen WWK-Arena war der FCA beinahe durchgehend besser als die Hessen – und benötigte am Ende doch noch eine große Schaufel Spielglück, da die Frankfurter mit der letzten Aktion des Spiels eine Großchance kläglich vergaben: Nach intensiven und ereignisreichen 95 Minuten ist der FCA nicht mehr willens, das Spiel zu kontrollieren, sondern verteidigt mit viel Leidenschaft nur noch das eigene Tor und schlägt dabei die Bälle zu hastig einfach weg. Das führt zu einer Reihe von Einwürfen auf der rechten Angriffsseite der Frankfurter. Das Publikum pfeift, fordert den Schlusspfiff, da die angezeigten fünf Nachspielminuten abgelaufen sind. 

Eintracht-Verteidiger Willian Pacho will dennoch die Seite wechseln, schlägt den Ball planlos quer, doch Augsburgs Rexhbecaj köpft das Leder, von allen guten Geistern verlassen, steil in den eigenen Strafraum, sodass der in der 82. Minute eingewechselte Jessic Ngankam den Überraschungsball annehmen kann und ihn völlig frei aus 14 Metern verzieht.

Hätte Ngankam mit der letzten Ballberührung des Spiels den Frankfurter Ausgleich erzielt, wäre der FCA sehr hart für eine (von wenigen) Nachlässigkeit in letzter Sekunde bestraft worden. Zu einer dieser Nachlässigkeiten gehört auch der verschossene Elfmeter von Ermedin Demirovic (76.). Hätte der FCA-Kapitän den Strafstoß zum 3:0 verwandelt, hätte dieser Spielstand den gezeigten Leistungen zu diesem Zeitpunkt entsprochen. Unterm Strich zeigten die Augsburger nämlich ihre beste Saisonleistung in der Eisburg auf dem Lechfeld (-10 Grad Celsius).

Thorups Schützlinge spulten ein Feuerwerk der Lauf- und Kampfbereitschaft ab, da sie wenig Interesse an eigenem Spielaufbau zeigten und den technisch versierteren Hessen eine scheinbare Spielkontrolle zubilligten, blieb ihnen auch keine andere Wahl. Nicht durchgehend, aber sehr effektiv und sehr hoch pressten die Augsburger kontrolliert und zugleich überfallmäßig. Sie erzielten damit nicht nur Ballgewinne, sondern erreichten auch, dass die Spieleröffnung der Gäste kaum stattfand. 

Die Hessen nicht in ein flüssiges Kombinationsspiel kommen zu lassen, stets nah am Mann stehen und dabei dennoch nach vorne orientiert sein. Hinten und in der Mitte aufmerksam und bissig gegen den Ball – und mit dem Ball nach schnellen Abschlüssen streben. Keine einfache Mixtur. 

Zum ersten Mal seit vielen Jahren stimmte beim FCA die Balance zwischen Abwehr und Angriff. Die Quote der „expected goals“ spricht ebenfalls für das Resümee, dass der FCA das bessere Spiel zeigte und deshalb fast zu niedrig gewonnen hat: 1,75 : 0,9.

Wieder in Topform: Felix Uduokhai © DAZ

Aus einer insgesamt sehr kompakten Mannschaft sind die „letzten Drei“ etwas hervorzuheben: Gouweleeuw, Uduokhai und Dahmen. Sie gehören zum Fundament eines neuen FCA, der fast schon vergessen macht, in welch verwelkten und grauen Wäldern die Augsburger jahrelang herumirrten. 

Mit dem neuen Cheftrainer Jess Thorup entspringt aus diesen Wäldern ein wilder Fluss – und somit eine neue Welt. Wie weit der FCA darin kommen kann, lässt sich erahnen, wenn man die aktuelle Tabelle analysiert: Dass der FCA auf Platz 9 (mehr Mittelfeld geht nicht) gegen (fast) alle Mannschaften, die hinter ihm liegen, gespielt hat (Bremen folgt am kommenden Samstag), und sich bei diesen Begegnungen (11 Punkte aus 8 Spielen) meist auf Augenhöhe zeigte, aber eben nicht erkennbar besser, darf man festhalten, dass der aktuell 9. Tabellenplatz dem FC Augsburg gut zu Gesicht steht. Weiter vorne wird man wohl am 34. Spieltag nicht stehen. 

Andererseits ist es so, dass unter Thorup die Augsburger Kicker 12 Punkte aus sechs Spielen geholt haben – teils gegen richtig starke Gegner. Sollte Jess Thorup diesen Schnitt halten können, stünde der FCA am Ende mit 59 Punkten ganz weit oben. Oder um es mit Brecht zu sagen: Ungeheuer oben.

FC Augsburg Dahmen – Mbabu, Gouweleeuw, Uduokhai, Pedersen – Rexhbecaj, Dorsch, F. Jensen, Demirovic, Iago – P. Tietz 

Eintracht Frankfurt Trapp – Tuta, R. Koch, Pacho – Buta, Larsson, Dina Ebimbe, Max, Aaronson, Knauff – Marmoush