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Freitag, 16.09.2022 - Jahrgang 14 - www.daz-augsburg.de

Verkehrsführung

Bürgerliche Mitte: Augsburger Parkleitsystem nutzlos

Die Fraktion Bürgerliche Mitte im Augsburger Stadtrat bezweifelt die Effektivität des neuen Augsburger Parkleitsystems und fordert eine Abschaltung im Zuge der Energiesparmaßnahmen

Foto: Lina Mann

„Seit fast einem Jahr ist das Parkleitsystem in Augsburg in Betrieb – und wird von vielen Bürgerinnen und Bürgern kritisch gesehen, insbesondere aber von Touristen. Der Grund: Die LED-Tafeln liefern viel zu viele Informationen, die beim Vorbeifahren gar nicht wahrgenommen werden können. Peter Hummel, Innenstadt-Sprecher der Fraktion Bürgerlichen Mitte: „Die dichte Kombination aus Buchstaben, Zahlen, Symbolen, Standorten und Farben ist verwirrend, überfordert und sorgt in keiner Weise für Orientierung.“ Die oft dargestellte vierstellige Zahl an freien Parkplätzen suggeriere beispielsweise, dass es sich hier um gigantische Parkhäuser oder -flächen außerhalb handelt – was viele Menschen eher abschreckt.“ So das Eingangsstatement der Bürgerlichen Mitte in einer Pressemitteilung von heute.

In einer Anfrage von der Stadt möchte die vierköpfige Fraktion wissen, inwiefern sich die Nutzung der Parkhäuser seit der Einführung des Systems verändert und der Parkplatzsuchverkehr verringert hat. „Ich kenne ehrlich gesagt niemand, der durch diese Tafeln unkompliziert und direkt zu einem freien Parkplatz in einem Parkhaus gelotst wurde“, so Peter Hummel. „Und alle Innenstadtbewohner erleben tagtäglich, dass die Zahl der herumirrenden Autos, die nach einem Parkplatz suchen, seit der Einführung des Systems zunimmt.“

Die Bürgerliche Mitte verlangt von der Stadt Augsburg aber nicht nur aktuelle Zahlen zum Nutzungsverhalten des Parkleitsystems, sondern auch Informationen zu den Kosten. Peter Hummel: „Wenn wir im Rahmen der Energiespar-Maßnahmen kältere Schwimmbäder und Büros haben, sollte auch geprüft werden, ob nicht diese großen Leuchttafeln abgeschaltet werden können – zumindest in der Nacht, wenn die Parkhäuser ohnehin geschlossen sind.“ In anderen Städten werde dies bereits diskutiert, weil die Systeme pro Jahr so viel Strom verbrauchen wie 25 bis 50 Haushalte – trotz LED-Betrieb.

Bedauerlich sei zudem, dass das Augsburger Parkleitsystem keine Alternativen mit öffentlichen Verkehrsmitteln darstelle und keine freien Ladestationen für E-Autos anzeige. „Offensichtlich möchte man bewusst Fahrzeuge mit Verbrennungs-Motor in die City locken“, so Hummel, „was schon ein bisschen verwunderlich ist, zumal die Grünen in Augsburg mitregieren.“ Ginge es nach ihm, sollten die Tafeln eher als Werbeflächen für Kultur- und Sportveranstaltungen, für Messen und saisonale Veranstaltungen wie den Plärrer, die Dult oder den Stadtsommer eingesetzt werden: „Dann aber mit einem schönen Design und nicht einer leuchtenden Excel-Tabelle.“