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Dienstag, 04.12.2018 - Jahrgang 10 - www.daz-augsburg.de

Brechtfestival 2018: Endlich ein Programm, das Qualität verspricht

„Egoismus versus Solidarität“ so der Leitspruch des Brechtfestivals 2018, das das Werk Brechts in den Dialog mit der Gegenwart setzen möchte.

Patrick Wengenroth (c) DAZ

Patrick Wengenroth (c) DAZ


Vom 23. Februar bis zum 4. März stehen beim kommenden Brechtfestival Theatergastspiele, Theaterpremieren, Konzerte, Lesungen, Literaturveranstaltungen, Podiumsdiskussionen und Workshops für Erwachsene und junges Publikum auf dem Programm. Das Festival steht 2018 unter dem Motto „Egoismus versus Solidarität“, flankiert von dem Zitat „Ich glaub nicht, was ich denk“. Das Programm möchte lustvoll und experimentell „die Gegenwart mit Brecht und Brechts Werk mit der Gegenwart konfrontieren“, so Festivalleiter Patrick Wengenroth.

Der Kartenvorverkauf ist bereits am Dienstag, 12. Dezember gestartet. Das Programm ist ab sofort unter www.brechtfestival.de online einsehbar. Die Festival-Eröffnung ist am Freitag, 23. Februar. Das Theater Augsburg zeigt die Premiere von „Der Untergang des Egoisten Johann Fatzer“ in der Regie von Christian von Treskow im martini-Park. Das Theater Bremen gastiert dort am 25. Februar mit „Der gute Mensch von Sezuan“ (Regie: Alize Zandwijk). Das mehrfach ausgezeichnete Berliner Maxim Gorki Theater ist erstmals beim Brechtfestival dabei und mit zwei Stücken vertreten: mit „Dickicht“ in der Regie von Sebastian Baumgarten (Brechtbühne, 3. März) und mit der Produktion „Winterreise“ (Yael Ronen und Exil Ensemble, martini-Park, 4.März.).

Zahlreiche Literaturformate begleiten das Festival, darunter eine Schreibwerkstatt für Jugendliche mit dem Dramatiker Bonn Park. Ein neues literarisches Podium skizziert und diskutiert Thesen zu Egoismus und Solidarität heute – mit Stefanie Sargnagel, Kathrin Röggla und Bazon Brock (Moderation: Knut Cordsen). Weitere Gäste des Festivals sind Sasha Marianna Salzmann, Deniz Utlu, Alexander Eisenach und Michel Abdollahi. Beim diesjährigen Werkstatttag geht es um Revolution(en) und Konterrevolution(en) – ihre Bedeutung im Jahre 1918, 1968 sowie heute. Als Experten sind dabei Alexander Karschnia – Theatermacher, Wissenschaftler und Mitbegründer des Performance-Kollektivs „andcompamy&Co.“ – sowie der Brechtschüler B. K. Tragelehn.

Am 24. Februar präsentiert die Lange Brechtnacht als musikalische Echokammer des Festivals 50 Künstler an zehn Spielorten im Augsburger Stadtgebiet – unter anderem die Düsseldorfer Band Antilopen Gang, die US-amerikanische Gruppe Algiers, das schwedische Avantgarde-Jazz-Trio Fire! und die irische Ausnahmemusikerin Wallis Bird (Kurator: Girisha Fernando).

Aus der Augsburger freien Szene gibt es weitere Beiträge zum Festival. Das Grandhotel Cosmopolis bespielt am 2. März das eigene Haus. „Der kalte Hauch des Geldes“ von Alexander Eisenach feiert am 23. Februar im Sensemble Theater Premiere. Das theter-Ensemble zeigt die Stückentwicklung „Fatzernation“ (Premiere 28. Februar).

Das Brechtfestival findet 2018 zum zweiten Mal unter der Leitung des Berliner Schauspielers und Regisseurs Patrick Wengenroth statt. Es „soll kein jammervolles Echo der uns umgebenden Krisen sein, sondern vielmehr Lust darauf machen, diese Krisen durchstehen zu wollen“, so Wengenroth bezüglich des Leitmotivs. Auch 2019 wird Wengenroth das Augsburger Brechtfest kuratieren. Danach ist Schluss, so der Schwur der Stadt, die sich unter der Festivalleitung Joachim Langs in einer Endlosschleife verhedderte. Im Drei-Jahres-Rhythmus sollen in Zukunft die Kuratoren wechseln.

Im Gegensatz zum Vorjahr, als Wengenroth mit Programm, seiner Revue und weiteren schwachen Produktionen das Festival in eine künstlerische Krise stürzte, zeigt er in diesem Jahr mit renommierten Künstlern, hochwertigen Theaterproduktionen und einem Superstar (Bazon Brock) einen erfreulichen Umschwung zu einer soliden Programmarbeit, die ein aufregendes Festival verspricht.

Während des Festivals will die Stadt Augsburg auch den Autor bekanntgeben, der dieses Jahr den mit 15.000 Euro dotierten Brechtpreis erhält. (Siegfried Zagler)



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