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Mittwoch, 17.04.2024 - Jahrgang 16 - www.daz-augsburg.de

Bedingt abwehrbereit: FCA mit Problemen in der Defensive

In einem Testspiel zur Vorbereitung der 13. Bundesliga-Saison gelang dem FCA am vergangenen Samstag ein 3:1-Sieg gegen Ajax Amsterdam. 

Von Siegfried Zagler

Niklas Dorsch: Steht er vor einer starken Saison? © DAZ

Aus “Testspielen” vor dem Bundesligastart lässt sich für das Gelingen einer Bundesligasaison wenig ableiten, wenn man von der wenig überraschenden Erkenntnis absieht, dass in Augsburg seit dem Abgang von Marwin Hitz – also seit einer kleinen Ewigkeit – mit Finn Dahmen wieder ein erstklassiger Keeper im Tor steht. Wie er in Mainz bereits unter Beweis gestellt hat, antizipiert Dahmen das Spiel, steht meist richtig, ist bei 1:1-Situationen überragend, auf der Linie stark und kann mit dem Ball am Fuß das Spiel eröffnen. Dahmen ist eine Bank! Muss er auch sein, da Augsburgs Nummer zwei nicht bundesligatauglich ist.

Patric Pfeiffer lässt sich dagegen als starker Innenverteidiger vorstellen – auch in Liga eins. Gegen Ajax überzeugte der zweite vielversprechende FCA-Neuzugang mit solidem Stellungsspiel und unaufgeregter Zweikampfhärte. Dass Pfeiffer nun, nachdem offenbar mit Reece Oxfords Comeback nicht mehr zu rechnen ist, zusammen mit Frederik Winther die Augsburger Innenverteidigung bilden soll, ist jedoch keine gute Nachricht. Winther ist – wie auch Maximilian Bauer – im Stellungsspiel und in der Zweikampfführung zu fehleranfällig. Weder Bauer noch Winther sind solide Kollegen für eine starke Innenverteidigung in der Bundesliga. Ein Satz noch zu Pfeiffer: Es ist wenig einleuchtend, dass Maaßen ihn in der Amsterdam-Elf spielen ließ, wo er doch für die ersten drei Bundesligaspielen gesperrt ist.

Mit Felix Uduokhai stünde beim FCA ein überragender Spieler (sowohl als Kicker als auch als Typ) im Kader, doch Uduokhai wird den Verein wohl verlassen, nachdem er ein Angebot des FCA ausgeschlagen hat. Unklar auch die Situation beim ehemaligen Kapitän Jeffrey Gouweleeuw, der zwar wie Uduokhai noch bis 2024 einen laufenden Vertrag hat, seitens des FCA nicht verlängert wurde und wohl für die kommende Saison keine große Rolle mehr spielen soll. Einfach zu verstehen ist das in der aktuellen Situation nicht, denn im sportlichen Sinn hat sich Gouweleeuw den Weg nicht verbaut. Er gehört seit Jahren zum Stammpersonal und lieferte in der Innenverteidigung solide Leistungen ab – auch in der Spieleröffnung.

Der FCA hat sich zwölf Saisons in der Bundesliga gehalten, weil er in der Innverteidigung meist deutlich besser war als die Abstiegskonkurrenz. Mit der Defensive hält man die Liga, weshalb dort keine halbe Sachen angesagt sein sollten, wonach es derzeit jedoch aussieht. Auch bei der Besetzung der Außenverteidigung ist schwer zu verstehen, was der Klub will. Weiter mit Gumny und Pedersen, aber ohne Iago?

Iago war der einzige, der über die Außenbahn nach vorne richtig Druck machen konnte. Schwer verständlich auch, warum ein kompletter Spieler wie Arne Engels als Rechtsverteidiger agieren soll. Arne Engels gehört mit Niklas Dorsch in den Sechserraum. Elvis Rexhbecaj und/oder Tim Breithaupt wären in der Mitte die passenden Ergänzungsspieler. Zum Neu-Augsburger Breithaupt ist zu sagen, dass man derzeit nichts über ihn sagen kann. Zu wünschen wäre es, dass er in der Liga zu einer starken Figur reift. Das Gleiche lässt sich zu Niklas Dorsch sagen, der dazu alle Talente hat.

Hinten bedingt abwehrbereit, aber mit einem starken Torhüter. In der Mitte verbessert, wenn der Coach ein Einsehen hätte und Engels dort spielen ließe.

Bleibt noch das ewige Sorgenkind: die FCA-Offensive. Mit Sven Michel hat sich der FCA einen Stürmer zugelegt, der bisher fehlte: Aus dem Rückraum mit Tempo in die Schnittstellen sprinten – und immer mit Zug in die Box. Das 2:1 gegen Ajax war ein magischer Moment: Mit einer fulminanten Grundgeschwindigkeit bot Michel Raum an, wohin auch der feine Pass von Arne Maier folgte. Michel zimmerte die Kugel direkt ins kurze Eck. Gegen eine spielstarke Ajax-Mannschaft wollte der FCA den Sieg und fuhr mehrere Konter dieser Art und immer war Michel daran beteiligt.

Der zweite Neue in der Augsburger Offensive hinterließ dagegen einen schwachen Eindruck. Zu viele Fehler in der Ballkontrolle, kaum im Spiel, eine Hundertprozentige kläglich versiebt und sich eine üble Unsportlichkeit erlaubt. Phillip Tietz war vermutlich übermotiviert, doch wahrscheinlicher ist eher die Annahme, dass seine Fähigkeiten für die Bundesliga nicht ausreichen. Ganz anders ist das bei Ermedin Demirovic, der spielerisch wie kämpferisch ein starkes Augsburger Bundesligajahr hinter sich hat und nun aus einer Verletzung kommend sich wieder in die Stammelf arbeitet.

Mit Demirovic, Michel, Beljo, Maier sowie Vargas und Berisha hätte der FCA durchaus starke Offensivkräfte, wären Beljo, Maier und Vargas nicht so formschwankend. Unklar auch die Situation bei Mergim Berisha, dessen formstarke Phase den FCA in der Liga gehalten hat. Ohne Berishas Tore müsste sich der FCA in in dieser Saison mit dem HSV, Schalke, Hertha, Düsseldorf und Co. messen. Berisha würde gerne einen weiteren Schritt nach vorne machen, der FCA gerne eine hohe Ablösesumme einstreichen. Doch derzeit scheint kein Klub an dem zuletzt verletzungsanfälligen Stürmer Interesse zu haben. Besser wäre es ohnehin, würde Berisha noch ein starkes Jahr beim FCA abliefern.

Zur Transferpolitik des FC Augsburg wäre noch anzumerken, dass der FCA zu den Schnäppchenjägern der Liga zählt und vornehmlich Spieler verpflichtet, die ablösefrei zu haben sind, also genau jene Situation sucht oder gar schafft, die er seinen Spielern mit aller Macht zu untersagen versucht.