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Dienstag, 14.09.2021 - Jahrgang 13 - www.daz-augsburg.de

Ballack zum FCA!

Das Augsburger Publikum hat ein Recht darauf, zu erfahren, warum der FCA ein sportliches Desaster riskiert.

Kommentar von Siegfried Zagler

Die obige Schlagzeile muss eine Finte sein. Dafür kann man zwei plausible Gründe ins Feld führen. Erstens verzichtete die DAZ bisher auf reißerische Ausrufezeichen in Überschriften, zweitens verbreitete das FCA Management bereits wenige Stunden nach dem Aufstieg, dass man sparen müsse, womit gesagt sein soll, dass diese Überschrift weder als Behauptung noch als Appell taugt. Selbst ein Fragezeichen hinter dieser Aussage hätte nicht dazu geführt, etwas mehr als ein heiteres Lächeln beim Leser zu erzeugen.

Wenn nicht Ballack, wer dann? Bis zum 31. August ist die Transferliste noch offen. Der FCA muss sich, will er bis Weihnachten nicht abgeschlagen am Tabellenende der Bundesliga stehen, deutlich verstärken. In allen Mannschaftsteilen fehlt den Augsburgern mindestens ein bundesligatauglicher Spieler. Findet diese „Aufrüstung“ in den verbleibenden neun Tagen nicht statt, muss sich das Management die Frage gefallen lassen, warum einer der finanziell potentesten Vereine der Zweiten Liga nach dem Aufstieg in die Erste Liga plötzlich sparen muss. Die Einnahmen (Fernsehgelder, Sponsoren, Zuschauer) haben sich schließlich durch den Aufstieg vervielfacht. Das Augsburger Publikum hat ein Recht darauf, zu erfahren, warum der FC Augsburg mit einer kaum konkurrenzfähigen Mannschaft in die erste Bundesligasaison geht und sehenden Auges ein sportliches Desaster riskiert. Andreas Rettich hat nicht selten betont, dass man in der Geldrangliste „definitiv auf dem letzten Platz steht“, was laut „sportinformationsdienst“ so nicht ganz stimmt, doch darüber muss man sich nicht echauffieren. Viel wichtiger ist die Frage, warum man in Augsburg nicht weiter in die Mannschaft investiert.

Liegt auf dem FCA-Etat ein Deckel der DFL?

Was könnte also zur unerwarteten Sparsamkeit des FC Augsburg geführt haben? Grundlos spart niemand! Hat die Finanzkrise das Kapitalvermögen der sagenumwobenen „Investorengruppe um Walther Seinsch“ dergestalt reduziert, so dass nun die DFL in den Augsburger Etat hinein regiert? Oder gab es gar Auflagen seitens der DFL, weil der FCA in Zweitligazeiten gegenüber der DFL die uneingelöste „Fassadenschuld“ an die Stadt Augsburg nicht anführte? Liegt auf dem FCA-Etat ein Deckel der DFL? Fragen, die die „FCA-Familie“ am morgigen Mittwoch dem Management auf der Jahreshauptversammlung stellen sollte.

Außerhalb der lokalen Sportredaktion der Augsburger Allgemeinen sind sich nämlich alle Fachleute darüber einig, dass der FCA zu den schwächsten Aufsteigern aller Zeiten zählt und den Brechtstädtern im Oberhaus nichts anderes als der Fall ins Bodenlose erwartet. Auch das fachkundige Augsburger Publikum geht davon aus, dass der FCA nur am Tabellenende landen kann. Laut einer Online-Umfrage der Augsburger Allgemeinen vertreten gar 21 Prozent die Auffassung, dass der FCA mit Pauken und Trompeten absteigt. 17 Prozent sind von einem normalen Abstieg überzeugt und 55 Prozent hoffen darauf, dass der FCA nach einem langen Abstiegskampf den Klassenerhalt schafft und nur sieben Prozent der Augsburger glauben, dass der FCA nichts mit dem Abstieg zu tun haben wird. Eine relativ kleine Zahl von Fußballfreunden, deren Optimismus sehr schlagseitig daherkommt, wenn man zum Beispiel nur wissen möchte, welche Gegner der FCA denn in dieser Saison schlagen könne – und wie. Zuletzt muss noch erwähnt werden, dass Tasmania Berlin in der Saison 1965/66 mit 8:60 Punkten aus der Bundesliga abstieg. Ein Rekord für die Ewigkeit. Mal sehen, ob der FCA in der ewigen Tabelle der abgeschlagenen Tabellenletzten den zweiten Platz erreicht. Möglich wäre es immerhin. Es ist aber nicht nur so, dass sich nur die FCA-Führung Kritik gefallen lassen muss. Schwächer als die Informationspolitik des FCA war am Samstag nur die Aktion der Ultras, die mit ihrer Plakatchoreografie in Bezug auf Dietmar Hopp („Verpiss dich!“) nicht nur Hopp (und sich selbst) verunglimpft haben, sondern auch Walther Seinsch, der mit seinem Vermögen dem FCA auf die gleiche Weise in die Schuhe half wie Hopp der TSG Hoffenheim.