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Mittwoch, 26.02.2020 - Jahrgang 12 - www.daz-augsburg.de

Apropos FCA

Trainerwechsel, Zuschauerrückgang und eine überalterte Mannschaft sind Vorboten des Niedergangs

Kommentar von Siegfried Zagler

Der FC Augsburg hat gestern Abend wieder ein Heimspiel verloren, sein fünftes in dieser Saison. Von elf Heimspielen gewannen die Augsburger nur drei und erzielten drei Unentschieden. Weniger Heimspiel-Siege hat in der laufenden Saison nur Ingolstadt zu verbuchen. Aber es kommt noch schlimmer: Die Heimunentschieden gegen Berlin, Schalke und Frankfurt waren Gewürge, die beiden Heimsiege gegen Darmstadt und Gladbach auch. Nur gegen Bremen gab es ein Spektakel, das mit einem glücklichen FCA-Sieg endete. Man darf sich also nicht wundern, wenn die Zuschauer nicht mehr so willig in das stimmungsvolle Augsburger Stadion pilgern.

Eine überalterte Mannschaft und Zuschauerrückgang sind die ersten Vorboten des Niedergangs – unabhängig vom Tabellenstand. Schlechter als in den ersten beiden Saisons, als das Stadion immer knapp mit 30.000 Zuschauern gefüllt war, spielt der FCA derzeit sicher nicht, viel besser allerdings auch nicht. Gestern zeigte der FCA trotz der deutlichen Niederlage sein bestes Heimspiel in dieser Saison. Obwohl phasenweise schwach verteidigt wurde und alle Bayer-Tore nach schweren Abwehrfehlern fielen, muss festgehalten werden, dass das gestrige Spiel ein klasse Spiel war. Ein Sachverhalt, der von der ergebnisorientierten Sportpresse nicht angemessen gewürdigt wird. Hätte Koo in der ersten Halbzeit seine Torchancen verwertet, würde man das Spiel mit anderen Augen sehen, nämlich so: Trotz der starken Bayer-Offensive hielt der FCA dagegen und zeigte sehenswerte und zu Ende gespielte Kombinationen. Zählt man das Tor dazu, dann hatte der FCA fünf Top-Chancen und zeigte somit mehr Torgefährlichkeit und Abschlusswillen als in den zehn Heimspielen davor. Andererseits blieb der FCA bis zum dritten Tor der Werkself nur deshalb im Spiel, weil ein überragender Hitz die Top-Chancen der Gäste reihenweise entschärfte.

Die Schwächen des FCA sind schnell ausgemacht: Max und Baier gaben zu viele leichte Bälle ab. Ohne Gouweleew, der wegen Rückenproblemen fehlte, wirkte Hinteregger überlastet. Janker konnte den Niederländer in der Innenverteidigung nicht adäquat ersetzen, obwohl Paul Verhaegh mehr in der Innenverteidigung agierte als erlaubt ist. Der Augsburger Kapitän und Daniel Baier waren über viele Jahre in ihrer Leistung konstant und auf ihren Positionen unersetzlich. Diese Zeit ist vorbei. Teigl ist technisch zwar limitiert, aber er hält die Außenposition und marschiert, weshalb das Angriffsspiel des FCA breit blieb, wovon zum Beispiel Bobadilla und Koo profitierten, die klug in die Räume gingen. Auf der linken Seite ist das Spiel mit Max zu statisch. Was Usami mit seinem gestrigen Einsatz leider nur andeuten konnte, sollte zum Zukunftsprogramm der Augsburger gehören: variantenreiches Tempospiel über die Flügel. Mit Max und Verhaegh wird das nichts.

Daniel Baier ist als echter Zehner eine Zumutung, war er aber im Grunde schon immer, weil er eine zu geringe Handlungsschnelligkeit für finale Pässe und torgefährliche Aktionen hat. Wenn man aus einer doppelten Viererkette heraus den Angriff mit kontrollierten langen Bällen bedienen will, dann ist Baier mit seiner Ruhe und Ballsicherheit immer noch ein sogenannter „Unersetzlicher“. Will man aber intensiv auf Balleroberung und schnelles Umschaltspiel setzen, sind Baier, Verhaegh und Max tödlicher Sand im Getriebe.

Wenn man beim FCA aufgrund der vergangenen drei Partien ein System erkennen will, muss man sehr viel Fantasie haben. FCA-Trainer Baum lässt offensiver spielen als sein Vorgänger, so viel steht fest. Insgesamt muss man jedoch annehmen, dass dem jungen Trainer nicht der Mut, aber die Spieler für ein konsequentes Offensivsystem fehlen.