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Donnerstag, 25.11.2021 - Jahrgang 13 - www.daz-augsburg.de

„Amelie K.“: Bürgeramt verzichtet auf Strafverfolgung

Anonyme Betrugsvorwürfe gegen städtische Mitarbeiter in einem Augsburger Internetforum hatten zwischen den Weihnachtsfeiertagen in Teilen der Augsburger Medienlandschaft für Nachrichtenstoff gesorgt. Das Bürgeramt der Stadt sieht keinen Handlungsbedarf.

Von „skandalösem Treiben im Bürgeramt“ war kurz vor Weihnachten im Internetforum der Augsburger Allgemeinen Zeitung zu lesen. Durch „systematischen Zeitbetrug“ beim Erfassen der Arbeitsstunden habe die Stadt Augsburg „schon viele Millionen Euro“ verloren, so ein anonymer Forenteilnehmer mit dem Pseudonym „Amelie_K“. Der Augsburger Allgemeinen Zeitung schienen die Betrugsvorwürfe in ihrem Forum so bemerkenswert, dass man sie nicht nur öffentlich lesbar stehen ließ, sondern noch nachlegte und die Stadtspitze kommentierend aufforderte, „vorbehaltlos zu prüfen, ob nicht einige Körnchen Wahrheit drin stecken“.

„Anonymer Schmierer“

Bürgeramtsleiter Klaus Sulzberger sieht die Angegenheit indes gelassen. Er bezweifelt, dass es sich bei der Person „Amelie“ überhaupt um einen städtischen Mitarbeiter handelt. Amtsleitung, Personalrat und Mitarbeiter hätten sich auf die Sprachregelung „anonymer Schmierer“ geeinigt, auch das OB-Referat sei über diese Verfahrensweise informiert. Nachforschungen nach „Amelie“ seien weder erfolgt noch geplant. Auch strafrechtliche Schritte seien nicht beabsichtigt. Dem betroffenen Internetforum misst Sulzberger keine große Bedeutung bei. Er habe dort zwar Ende Dezember einen kurzen Beitrag eingestellt, die Diskussion jedoch nicht weiter verfolgt.

„Stärkste Sozialkontrolle“

„Ich traue meinen Mitarbeitern“, so Sulzberger gestern in einem Interview mit der DAZ. Eine Befragung vor zwei Jahren habe zwar ergeben, dass 80 Prozent der Mitarbeiter nichts gegen Zeiterfassungsgeräte hätten. Sulzbergers Devise, dem guten Betriebsklima geschuldet, laute aber „weg von der Erfassung hin zum Vertrauen“. Außerdem finde gerade in seiner Behörde die stärkste Sozialkontrolle statt, die man sich vorstellen könne: durch das Team selbst und durch die Behördenbesucher. Die Besucher können nämlich die Büros einsehen, erklärte er am Beispiel des Bürgerbüros in Lechhausen. Auch die Arbeitsplätze des in Kriegshaber geplanten Bürgerbüros werden Glaswände bekommen.