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Dienstag, 04.12.2018 - Jahrgang 10 - www.daz-augsburg.de

Alarm im Gaswerk beim zweiten Augsburger Tatort

Das Augsburger Gaswerk eignet sich hervorragend als Schauplatz für das mysteriöse Geschehen beim „Tatort“

Von Halrun Reinholz

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Kai Windhövel, Sebastian Müller-Stahl, Roman Pertl (v.l.) Foto von Jan-Pieter Fuhr (c)


Folge II: Unter spannenden Umständen hat das Theaterpublikum Gelegenheit, das neue Kulturareal zu erkunden: Man wird zunächst von einem Maitre d`hote edel empfangen, mit Glühwein bewirtet und an Tischen platziert. Danach folgt eine Filmvorführung, denn die Geschichte spielt vor genau 100 Jahren, „als die Bilder laufen lernten“. Und als der Erste Weltkrieg gerade in seine heiße Phase eintrat und die Opfer der Zivilbevölkerung immer grotesker wurden („Gold gab ich für Eisen“). Dieser ernste Hintergrund, Auslöser auch für die Proteste und Revolten im Jahr 1918, ist die Blaupause für die Satire, mit der im Augsburger Tatort alles Hehre durch den Kakao gezogen wird.

Das Format hat schon was von „Dinner-Krimi“: Etwa hundert Zuschauer helfen den “überforderten“  Kommissaren bei der Suche nach einer Bombe, die vor der Detonation entschärft werden muss. Davor zeigen in einem professionell auf alt gemachten Film Ute Fiedler, Linda Elsner und Patrick Rupar, warum Verzicht auf Delikatessen in Kriegszeiten wichtig ist. Der Bombenalarm hat aber eher zivilen Charakter und wirkt dadurch wieder heutig.

Die Bombe muss nun gefunden und unter Zeitdruck entschärft werden, was im Dämmerschein von Laternen bei den Zuschauern dennoch Heiterkeit auslöst. Die beiden Komissare Kai Windhövel und Sebastian Müller-Stahl übertreffen sich mit klugen Sprüchen und kommandieren den Hausmeister Köpke (Roman Pertl) und den Filmvorführer Eugen Herrbrecht (Anatol Käbisch) ganz schön herum. Auch der „feindliche“ britische Klavierspieler (Theodore Ganger) liefert passende Gags. Und darum geht es offenbar hauptsächlich bei dem Format: Vergnügliche Unterhaltung mit einem geografisch passenden Plot.

Im Gegensatz zum ersten Tatort ist die Logistik diesmal deutlich einfacher – kein Bustransfer ist notwendig, alles fußläufig erreichbar und das Gruseln im Dunkeln stellt sich ohne weiteres Zutun ein. Dass sich unter den „Hilfssherriffs“ fleißige Helfer(innen) befinden, die die Technik zur richtigen Zeit aktivieren, ist Teil des Formats und zeigt den Aufwand, der trotz technischer Hilfsmittel getätigt werden muss. Regisseur David Ortmann hat sich einiges einfallen lassen. Zu Recht, wie sich zeigt, denn die weiteren Vorstellungen sind so gut wie ausverkauft.



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