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Dienstag, 25.7.2017 • Nr. 206 • Jahrgang 6 • www.daz-augsburg.de
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Verwaltungsgericht stoppt Abschiebung von Ali Reza

Überraschend hat ein Richter des Verwaltungsgerichts Augsburg die Abschiebung des afghanischen Waldorfschülers Ali Rezas gestoppt.

Die zehnte Klasse und Ali Reza mit Klassenlehrer Werner Korschinsky.  Bildurheber: Angelika Lonnemann, Freie Waldorfschule Augsburg

Die zehnte Klasse und Ali Reza mit Klassenlehrer Werner Korschinsky Foto: Angelika Lonnemann/Freie Waldorfschule Augsburg

Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) hatte den Asylantrag des 18-jährigen im Mai abgelehnt. Dagegen hatte Ali Reza Klage eingereicht. Die Hälfte der zehnten Klasse sowie der Klassenlehrer Werner Korschinsky hatten Ali Reza ins Gericht begleitet, um ihm bei der zu erwartenden Abweisung der Klage moralisch beizustehen.

„Wir alle hatten die Ablehnung erwartet. Sogar die Anwältin von Ali war nicht mit zur Verhandlung gegangen, weil sie geglaubt hatte, die Chance, dass Ali gewänne, läge bei Null Prozent“, berichtet Mitschülerin Sara Kunova. Nach der einstündigen Verhandlung sprach der Richter dann zur großen Überraschung aller Beteiligten einen Abschiebestopp aus. Alis Familie lebt schon seit 14 Jahren nicht mehr in Afghanistan, sondern im Iran. Wenn Ali nach Afghanistan abgeschoben würde, hätte er dort niemanden. In den Iran kann ein Afghane aus Deutschland nicht abgeschoben werden.

Die Klasse der Augsburger Waldorfschule hatte im Herbst 2016 zugestimmt, dass der damals 17-jährige afghanische Flüchtling in ihre Klasse kommen solle. „Ich finde es toll, welche Erfahrungen wir durch diese Geschichte machen konnten und wen wir alles kennengelernt haben. Wenn man sich für etwas einsetzt, dann kann man etwas bewegen. Wir haben es geschafft, dass seit dem 18. Mai 50.000 Menschen online bei „Change.org“ eine Petition für Ali unterschrieben haben. Die Medien sind auf uns aufmerksam geworden, der Bayerische Rundfunk war bei uns. Wir haben für die Prozesskosten von Ali Spenden gesammelt, da sind bisher knapp 2.000 Euro zusammengekommen“, so Mitschüler Lucas Hein. Das BAMF hat vier Wochen Zeit, gegen den Abschiebestopp Einspruch einzulegen. Rezas Anwältin erwartet, dass dies der Fall sein wird.

Dafür gibt es einen “Notfallplan”. Sollte tatsächlich die Abschiebung drohen, dann könnte Ali Reza in Augsburg eine Lehre zum Konditor machen, obwohl er andere Pläne hat. „Nur, wer eine Ausbildung macht, darf nicht abgeschoben werden. Für die schulische Ausbildung gilt das nicht“, so Klassenlehrer Werner Korschinsky, der den Kontakt zu einer Augsburger Bio-Bäckerei herstellte und eine Zusage für eine Konditorenlehre für den Fall der Fälle bekam.


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